Afrika Mit Rovos Rail auf den Spuren der Big Five

Viel Arbeit für die Loks: Es geht über das Rift Valley in Richtung Sambia. Foto: Axel Scheibe
Viel Arbeit für die Loks: Es geht über das Rift Valley in Richtung Sambia. Foto: Axel Scheibe

Urlaub unter afrikanischer Sonne, ein alkoholisches Mixgetränk im Glas, ein gutes Buch auf dem Tisch und draußen vor dem "Hotelfenster" Landschaft, wie man sie sonst nur aus Bildbänden kennt.

Wer wünscht sich nicht manchmal (mehr oder minder heimlich) einen solchen Traumurlaub voller Erlebnisse und Luxus. Über 6.000 Kilometer unterwegs auf afrikanischen Gleisen, begleitet von kolonialem Flair, das verspricht der Rovos Rail Zug, der vor wenigen Tagen in Dar Es Salaam aufgebrochen ist zu seiner langen Reise durch den Südosten des Schwarzen Kontinents bis nach Kapstadt.

Das hat freilich seinen Preis, einmal den monetären (dazu am Schluss mehr) und den Dresscode. Ohne das kleine Schwarze und den Smoking geht da im Normalfall nichts. Nicht so bei Lernidee: Der Berliner Veranstalter hat den Zug kompatibel gemacht mit den Bequemlichkeitswünschen vieler potentieller Gäste. Und die wissen das zu schätzen. 55 Globetrotter aus deutschsprachigen Landen haben sich von dem Angebot verführen lassen und genießen den einzigartigen Luxus, der ihnen auf 176 Räder, 22 Wagen hängen hinter der Lok, geboten wird.

Kulinarischer Luxus im historischen Speisewagen

Die Verabschiedung im kleinen Bahnhof der tansanischen Hauptstadt, afrikanische Rhythmen und manch Gläschen Sekt inklusive, war warm und herzlich und das wird sich in den nächsten 14 Tagen nicht ändern. Dafür stehen die 30 Mitarbeiter, die den Gästen (möglichst) jeden Wunsch von den Augen ablesen sollen. Und das klappt.

Bereits am ersten Abend, die Sonne ist Afrika typisch glutrot am Horizont verschwunden, beweist Chefkoch Otto Henk, dass nicht nur das Interieur der historischen Speisewagen begeistert, sondern dass auch das, was auf die Teller kommt, dem luxuriösen Standard des Zuges in nichts nachsteht.

Während die beiden starken Dieselloks (6.000 Pferdchen handlich verpackt) die Wagenschlange gemächlich durch das Great Riff Valley nach oben ziehen und dabei schnaufen wie alte Dampfrösser, geht so mancher Gedanke zurück zum ersten afrikanischen Abenteuer, das nun bereits hinter den Passagieren liegt. Zwar hatte Chefreiseleiter Andreas Lappe davor gewarnt, mit allzu großen Safarierwartungen in das Selou-Wildreservat aufzubrechen, doch seine warnenden Worte erwiesen sich (zum Glück) als falsch. Reichlich Elfanten, Antilopen, Nashörner und zum Abschluss gar Löwen - das war ein Einstieg nach Maß.

Schwankende Fahrt auf alten Schienen

Doch diesem Einstieg soll noch manch anderer Höhepunkt folgen, der den Zug, der mag das sicher verzeihen, ab und an in den Hintergrund rutschen lässt. Aber gemach. Ehe wieder die afrikanische Fauna das Zepter übernimmt, sorgt der historische Schienenstrang selbst für reichlich Abwechslung. Wurde der Abschnitt von Dar Es Salaam bis Kapiri Mposhie erst in den 70er Jahren von Chinesischen Ingenieuren erbaut - der Kupferproduzent Sambia brauchte dringend einen Anschluss an Seehäfen -, geht es nun südwärts auf den Gleisen der alten Kolonial-Bahnlinie, die nach Cecil Rhodes Plänen bis Kairo reichen sollte.

Dazu ist es nie gekommen. Zu einer Modernisierung der uralten Schienen leider auch nur partiell. Von nun an rollt der Zug noch langsamer seinem Ziel entgegen. Das Gleisbett oft kaum geschottert, viele Schwellen gebrochen und von einem geraden Schienenstrang kann man nur träumen. Da wird die Eisenbahnhistorie des schwarzen Kontinents im wahrsten Sinne des Wortes spürbar. Mit Staunen stellt man fest, dass trotz der Schläge und Schwankungen, keiner der Waggons auf Abwege gerät. Die schmale Kapspur, mit 1067 mm kaum breiter als bei deutsche Bimmelbahnen, sorgt auch nicht gerade für Stabilität. Für reichlich afrikanisches Flair sorgt dagegen das bunte Leben neben und auf den Gleisen. Hunderte Kinder begleiten die Zugfahrt mit ihren Rufen und ihrem Lachen. Da weidet das Vieh auf den Schienen, stehen Verkaufsstände direkt am Gleisbett, spielt sich das Dorfleben dort ab, wo, so scheint es, heute nur noch sehr selten ein Zug seinen Weg sucht.

Die Plätze auf der offenen Plattform am Ende des Zuges sind begehrt. Oft ist es nur die afrikanische Sonne, die vom Himmel brennt, die zu einem Umzug in den Salonwagen verführt. So vergehen die Tage auf den Spuren David Livingstons wie im Flug. Schon bald rollt der Zug auf das mächtige Viadukt der Victoria-Falls-Brücke, die Sambia und Simbabwe verbindet. 120 Meter über der Sambesi Schlucht kommt er zum Stehen. Keiner darf hier halten - außer dem Rovos Rail.

Ausflug zum Wasserfall: Auf den Spuren Livingstones

Das eröffnet den Passagieren die einmalige Chance, noch vom auf Sambischer Seite gelegenen Aussichtspunkt das Panorama Brücke-Fälle-Zug auf die Speicherkarte zu bannen. Kein Wunder, dass Kameras und Handys in Sekundentakt klicken. Dass später, als der Zug hat im Bahnhof halt gemacht hat, Ausflüge an die berühmte Fälle inklusiv mancher "Gischtdusche" auf dem Programm stehen, versteht sich von selbst. Hier kommt man den Spuren Livingstones am nächste. Er war der erste Weiße, der 1855 das Naturschauspiel der Fälle erblickte und nach Königin Victoria benannte. Grund für sein Denkmal, das unweit der Fälle einen Platz gefunden hat.

In Victoria Falls darf sich der Zug erstmal "ausruhen". Für die Gäste geht das Afrikaabenteuer mit einer Übernachtung im Chobe Nationalpark weiter. Bekannt für seine Elefantenherden und die romantischen Flusssafaris bleiben auf dem Chobe, wie der Sambesi hier heißt, keine Wünsche offen.

Elefanten vor den Bungalows, Löwen beim Dinner

Aber nicht genug, nur zwei Tage und rund 1000 Kilometer später setzen drei Tage im Madikwe Wildreservat dem Ganzen die Krone auf. Elefantenfamilien nur wenige Meter vor den Bungalows, ein Spitzmaulnashorn im Angriffs-Modus, Löwen beim Dinner - auch wenn nun fast jeder seinen eigenen Big Five auf der Speicherkarte hat, leicht fällt der Abschied nicht. Doch der Zug wartet.

Noch sind es rund 2.000 Kilometer bis Kapstadt. Auf südafrikanischen Gleisen rollt es sich nun spürbar besser. So ist der Rovos Bahnhof in Pretoria schnell erreicht. Hier werden die schmucken Wagen, die im Durchschnitt 50 bis 60 Jahre auf dem Buckel oder besser auf den Rädern haben, gewartet und ständig entstehen unter den geschickten Händen der Arbeiter in den Werkstätten aus alten Wracks wieder neue. Als Rohan Vos, der Eigentümer von Rovos, vor rund 30 Jahren die ersten Wagen restaurieren ließ, waren diese eigentlich nur für den privaten Gebrauch gedacht. Einer für ihn und seine Frau, einer für die Kinder und letztlich einer für seine geliebten Hunde. Zugausflüge ganz in Familie, das war seine Intention. Recht schnell wuchs jedoch das Interesse von Freunden und Bekannten. So entwickelte sich das Ganze bis heute zu einem großen Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern, einigen Dutzend Waggons, zahlreichen Diesel- und Dampfloks, die auf verschiedenen Routen im südlichen Afrika unterwegs sein. Das Flaggschiff aber ist und bleibt der Rovos Rail, der immer für einige Stunden Halt macht in seinem Heimathafen.

Von Johannesburg in die Große Karoo

Ein stilvolles Dinner an der Bahnsteigkante, eine Rundgang durch die Werkstätten und das kleine Museum, dann wird es Zeit. Die 528 Meter lange Zugschlange startet zum letzten Abschnitt der Reise. Durch den Großstadtdschungel von Johannesburg geht es in die Große Karoo, eine der trockensten Halbwüsten der Welt, wo in Kimberly das Big Hole wartet. Ein Museum, das ganz im Zeichen der Diamanten steht. Sie zählten über Jahrzehnte hinweg zu den wichtigsten Bodenschätzen Südafrikas. Bis heute fahren tausende Arbeiter bis in Tiefen von über 1.000 Metern hinein in die Erde, um ihr die Edelsteine zu entreißen.

Ein letztes Mal legt sich die Nacht über den Zug. Das festliche Abschlussdinner ist beendet - Otto Henk und seine Helferinnen in der Mini-Küche haben sich einmal mehr selbst übertroffen. Das dunkle Rot der untergehenden Sonne streift durch die Waggonfenster und bei einem guten Schluck vom köstlichen Weißwein der Kapregion, schleicht sich schon ein bisschen Wehmut ein. Die 6.000 km sind fast geschafft. Luxus - noch ein letztes Mal vom Rattern der Räder ins Land der Träume entführt zu werden. Kapstadt wartet und damit der große Abschied von Zug und Crew, der Abschied von Afrika. Wobei, für immer wohl kaum, wer einmal vom Afrika-Virus gefangen wurde, kommt sicher eines Tages wieder.

Weitere Informationen:

Lernidee Erlebnisreisen
Kürfürstenstraße 112
10787 Berlin,Tel. 030/7860000, www.lernidee.de

 

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