Skandale, Austrittswelle, Priestermangel - die katholische Kirche steckt in einer fundamentalen Krise, von der das abgelaufene Jahrzehnt geprägt war. Der Glaubwürdigkeitsverlust in der Gesellschaft ist enorm.

Warum hängt der Haussegen schief? Welche Reformen sind nötig? Petra Articus, Äbtissin der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut, versucht, Antworten darauf zu finden.

Die Kirchenaustritte in Bayern sind auf einem Rekordniveau. Was ist in Ihren Augen die Hauptursache dafür und wie könnte man diesen Trend stoppen?

Petra Articus: Zur ersten Frage kann ich nicht viel sagen, da ich zu wenig vom Leben in den Pfarreien mitbekomme und daher nicht weiß, wie tief tragender Glaube in den Menschen verwurzelt ist. Sicher haben die Nachwirkungen des Missbrauchs durch Geistliche mit zu vielen Austritten beigetragen, aber die jetzige Welle, glaube ich, obwohl ich mich da täuschen kann, hat andere Gründe. Durch den zunehmenden Wohlstand bei uns geht es vielen Menschen so gut, dass sie vor allem im Jetzt leben, auf ihr Wohlergehen hier achten und Gott in ihrem Leben keine große Rolle spielt. Man kommt auch ohne ihn zurecht und die Hoffnung, ja der Glaube an die Auferstehung, an eine beglückende Begegnung mit Gott nach dem Tod wird von vielen Menschen mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt, oder man will sich einfach nicht damit auseinandersetzen.