Vorwahlen am „Super Tuesday“

Biden holt bei Siegesserie auch Texas


Joe Biden legt bei den Vorwahlen eine unerwartete Siegesserie hin. "Wir sind besser als dieser Präsident", sagt der demokratische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur in Richtung Donald Trump.

Joe Biden legt bei den Vorwahlen eine unerwartete Siegesserie hin. "Wir sind besser als dieser Präsident", sagt der demokratische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur in Richtung Donald Trump.

Von Redaktion idowa und mit Material der dpa

Ex-Vizepräsident Biden gelingt bei den Vorwahlen eine überraschende Aufholjagd, nun sagen Prognosen seinen Sieg auch im zweitwichtigsten Bundesstaat voraus. Dennoch ist nach dem "Super Tuesday" im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten noch alles offen.

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten hat der frühere US-Vizepräsident Joe Biden bei den Vorwahlen am "Super Tuesday" eine spektakuläre Siegesserie hingelegt. Nach Prognosen von TV-Sendern konnte der moderate Kandidat 9 der 14 Bundesstaaten gewinnen, in denen es am Dienstag Vorwahlen gab. Am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) sahen ihn die Sender NBC, ABC und Fox News auch im zweitwichtigsten Bundesstaat Texas als Sieger.

Bei der wichtigsten Vorwahl im Bundesstaat Kalifornien lag nach Berechnungen der Sender allerdings der linke Senator Bernie Sanders vorne. Sein Wahlkampfteam erklärte ihn in einer E-Mail zum Gewinner. Fox News prognostizierte dort nach Auszählung weniger Stimmen einen Sieg Sanders'. Andere Sender zögerten aber, den selbst ernannten "demokratischen Sozialisten" in Kalifornien zum Sieger zu erklären.

Auch nach dem "Super Tuesday" ist im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten weiterhin alles offen. Biden (77) gewann nach Prognosen von TV-Sendern neben Texas in den Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia. Sanders (78) sagten Fernsehsender Siege in seinem Heimat-Bundesstaat Vermont, in Colorado, in Utah und womöglich in Kalifornien voraus. Für den Bundesstaat Maine lagen in der Nacht zu Mittwoch zunächst keine Prognosen über einen Sieger vor.

Alleine in Kalifornien werden 415 Delegiertenstimmen vorgeben - von 1344, die bei den Vorwahlen am "Super Tuesday" in 14 Bundesstaaten insgesamt zu holen sind. In Texas sind es 228 Delegiertenstimmen. Nicht alle Delegiertenstimmen gehen an den Sieger in den jeweiligen Bundesstaaten: Sie werden in der Regel unter Kandidaten verteilt, die mehr als 15 Prozent der Stimmen gewinnen konnten.

Am Dienstag wurde in 14 US-Bundesstaaten abgestimmt. Für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat beim Parteitag der Demokraten in Milwaukee (Wisconsin) braucht ein Bewerber eine Mehrheit von 1991 regulären Delegiertenstimmen - mehr als Drittel davon waren bei den Vorwahlen am Dienstag zu holen.

Der "Super Tuesday" war der wichtigste Tag im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf der Suche nach einem Herausforderer für Amtsinhaber Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November.

Keine großen Erfolge konnte am "Super Tuesday" der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, verbuchen. Er war spät ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur eingestiegen und stand am Dienstag erstmals auf den Wahlzetteln. Nach den zunächst vorliegenden Prognosen konnte der Multimilliardär trotz einer gigantischen Werbeoffensive keinen einzigen Bundesstaat gewinnen.

Bloomberg siegte Prognosen zufolge lediglich im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa. Der 78-Jährige lag in mehreren Bundesstaaten allerdings oberhalb der Schwelle von 15 Prozent der Stimmen. Damit - und mit einem Erfolg in Amerikanisch-Samoa - kann er sich einzelne Delegiertenstimmen sichern. Trump spottete auf Twitter, "Mini Mike" Bloomberg sei der "größte Verlierer" des Abends. Er habe Hunderte Millionen Dollar verschwendet und nichts als die "komplette Zerstörung seines Rufes" erreicht.

Eine herbe Niederlage musste die Senatorin Elizabeth Warren (70) einstecken: Sie kam in ihrem Heimat-Bundesstaat Massachusetts nach Prognosen nur auf Platz drei. Die fünfte Bewerberin um das Präsidentschaftsrennen der Demokraten - die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38) - spielte am "Super Tuesday" keine Rolle.

Biden kann auf starken Rückhalt bei schwarzen Wählern bauen und konnte am Dienstag teils spektakuläre Erfolge in mehreren südlichen Bundesstaaten einfahren. So lag er in Alabama nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission des Bundesstaats bei mehr als 63 Prozent der Stimmen, Sanders kam dort auf knapp 17 Prozent. In Virginia lag Biden nach vorläufigen Ergebnissen der dortigen Wahlkommission rund 30 Prozentpunkte vor Sanders.

Vor dem "Super Tuesday" hatte Sanders bei den Demokraten nach vier Vorwahlen in Führung gelegen. Auch in nationalen Umfragen steht er an der Spitze. Zuletzt hatte am Samstag allerdings Biden im südlichen Bundesstaat South Carolina deutlich gewonnen. Am Abend vor dem "Super Tuesday" hatte Biden zudem einen kräftigen Schub bekommen: Die ausgeschiedenen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke riefen ihre Anhänger dazu auf, seine Kandidatur zu unterstützen.

Biden zeigte sich am Dienstagabend vor Anhängern siegessicher. "Erst vor wenigen Tagen haben die Presse und die Experten diesen Wahlkampf für tot erklärt", sagte er in Los Angeles. "Wir sind sehr lebendig!" Biden fügte hinzu: "Wir sind besser als dieser Präsident. Also steht wieder auf und holt Euch das Land zurück."

Auch Sanders zeigte sich zuversichtlich, das Rennen um die Nominierung der Demokraten gewinnen zu können. "Heute Abend sage ich euch mit absoluter Zuversicht, dass wir die demokratische Nominierung gewinnen werden und wir den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes schlagen werden", sagte Sanders in Vermont.

Präsident Trump hat innerhalb seiner Partei keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Republikaner haben daher in mehreren Bundesstaaten ihre Vorwahlen abgesagt. Am Dienstag hielten sie aber auch in 13 der 14 "Super Tuesday"-Staaten Vorwahlen ab. Trump erklärte sich in allen diesen Bundesstaaten zum Sieger.

Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt noch bis Juni hin, bevor die Nominierungsparteitage der Parteien anstehen. Die Republikaner werden im August formell Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten küren.