Absolut sehenswert! Kritik zum Hamburg-"Tatort: Die Goldene Zeit": Krimi der Nebenfiguren

Schlimme Nachricht für Katharina (Jessica Kosmalla): Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) muss trösten. Foto: NDR/Christine Schroeder

Der Hamburger "Tatort: Die Goldene Zeit" überzeugt durch seine grandios besetzten Nebenfiguren - auch das Setting passt. Die Kritik der Abendzeitung zum Sonntagskrimi im Ersten. 


Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Hamburger "Tatort: Goldene Zeit". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 09.02.2020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


So macht man einer Dame Komplimente auf St. Pauli: "Viel zu schade für’n Puff. Gehört ins Escort." Da spricht die alte Kiezgröße (Christian Redl), die inzwischen dement im Ohrensessel vor sich hindämmert. Und die Kinder streiten sich, wie es sich gehört, ums Erbe, das offenbar vor allem aus Geld und einem Bordell besteht.

Der schon rein akustisch recht eklige Mord dieses "Tatorts" aus Hamburg mit dem Titel "Die goldene Zeit" ruft Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) auf den Plan. Falke trifft auf seine alten Kiez-Kumpels, Grosz fremdelt mit der rauen Umgebung. Als sie an die Hauswand pinkelnde Partyheimkehrer anraunzt, die davon gänzlich unbeeindruckt bleiben, bemerkt Falke trocken: "Is’ gut, wenn du im Kiez mal’n büschen aufräumst!"

"Tatort: Goldene Zeit" lebt von der starken Besetzung

So richtig golden war die Zeit, an die man sich in diesem "Tatort" (Buch: Georg Lippert, Regie: Mia Spengler) erinnert, freilich nie. Aber damals führten eben noch nicht die Albaner das Geschäft mit harter Hand. Der Täter steht von Anfang an fest, für die Zuschauer und die Ermittler stellt sich die Frage, wer den jungen Mörder beauftragt hat. Dies ist – bei aller Sympathie für Falke und Grosz – vor allem ein Krimi der Nebenfiguren, die hier einen tollen Auftritt hinlegen: Bogdan Iancu als jugendlicher Mörder Matei Dimescu und Michael Thomas als abgehalfterter Kiez-Mann Michael Lübke liefern sich ein tolles Spiel von Distanz und Nähe, Hass und Freundschaft, Todfeinden und Teamspielern.

Mit Jonathan Kwesi Aikins als LKA-Mann Thomas Okonjo treffen wir auf die stylischste Frisur im ARD-Krimikosmos. Und es gibt ein Wiedersehen mit Emma Drogunova (als frisch eingereiste Prostituierte und Zeugin Voica Barbu), die gerade erst einen starken Auftritt im Kölner "Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade" hatte. Im Hamburger Fall hat sie nicht so viel Raum, sich zu entfalten, dennoch liefert sie wieder eine bemerkenswerte Leistung ab.

Ein absolut sehenswerter "Tatort" mit durch und durch toller Besetzung!

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