Abi in Zeiten von Corona Straubinger Schülerin: „Wir sind alle überfordert“

Prüfungsvorbereitung in Zeiten von Corona: Viele angehende Absolventen sind mit der Situation überfordert. (Symbolbild) Foto: Felix Kästle/dpa

Die Corona-Pandemie hält derzeit viele Veränderungen für bayerische Schülerinnen und Schüler bereit. Als jüngste Maßnahme gegen das Coronavirus verschob der Freistaat die Abschlussprüfungen. So sollen die Schüler genügend Zeit für die Prüfungsvorbereitung haben. Trotzdem sind viele von ihnen sehr verunsichert. Nicht jedem Schüler fällt selbständiges Lernen in der schulfreien Zeit leicht. Eine 17-jährige Schülerin aus Straubing verleiht ihrem Frust im Gespräch mit idowa Ausdruck.

Es stellt einen ersten wichtigen Einschnitt im Leben dar: das Abitur. Doch für die Schüler dieses Jahrgangs läuft alles anders als sonst, so auch für eine 17-Jährige aus Straubing. Die junge Frau sagt: „Die Schüler der Abschlussklassen bei uns haben fürchterliche Angst.“ Gründe dafür seien nicht nur die Abschlussprüfungen an sich, sondern vor allem auch die Zeit ohne die übliche Betreuung durch die Lehrer an den Schulen. Es sind wichtige Wochen, die der Schülerin und ihren Mitschülern jetzt wohl fehlen werden, um sich optimal auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten.

Schulaufgaben kurz vor den Abschlussprüfungen

Findet der Unterricht nach den Osterferien wieder planmäßig statt, so müssen die Schüler erst einmal vier bis fünf Schulaufgaben innerhalb weniger Tage schreiben. Die Prüfungen hätten laut der Schülerin zudem einen Umfang von teilweise 20 bis 30 Seiten. Die meisten davon dauern wohl drei bis vier Stunden. Ein ordentliches Pensum also für die Abschlussschüler in dieser Phase.

„Wir bekommen zwar wöchentlich Aufgaben zugeschickt, sind aber jetzt auf uns gestellt und müssen uns alles selber beibringen.“ Vor allem Schüler, die sich im Abschlussjahr ohnehin schwergetan haben, hätten nun Angst, durch die Prüfungen zu fallen. Für die Schülerin kommen die weiteren Auswirkungen der Corona-Krise noch erschwerend hinzu. Für das Wahlfach „Übungsunternehmen“ soll sie eine 15-seitige Hausarbeit über ein Unternehmen schreiben. Sie habe aber wegen der derzeit geltenden Ausgangsbeschränkung im Moment keine Möglichkeit, daran zu arbeiten. Das ausgesuchte Unternehmen habe wegen der Krise momentan einfach zu viel um die Ohren.

Schlechter Schnitt als Hoffnungsschimmer?

„Wir sind einfach alle überfordert und wissen uns nicht mehr zu helfen“, sagt die 17-Jährige. Einen kleinen Hoffnungsschimmer malt sich die Schülerin aber gerne aus. Sollten die Prüfungen im Durchschnitt deutlich schlechter ausfallen, als in den Jahren zuvor, hofft sie auf entsprechende Reaktionen vonseiten des Kultusministeriums. Die Prüfungen sollten in diesem Fall für ungültig erklärt und wiederholt werden dürfen, vorausgesetzt, die Vorbereitung könne wieder unter den gewohnten Umständen stattfinden.

Bundesweit versuchen Schüler mittlerweile gegen das Schreiben der Abschlussprüfungen vorzugehen. Zwei Hamburger Schüler hatten beispielsweise eine Petition zur bundesweiten Absage der Abiturprüfungen gestartet. Stattdessen solle in diesem Jahr jede Schülerin und jeder Schüler deutschlandweit ein sogenanntes Durchschnittsabitur erhalten, heißt es in der Petition. Aus Sicht der beiden Schüler sind die Abiturprüfungen in diesem Jahr für die rund 350.000 betroffenen Schülerinnen und Schüler gesundheitlich, psychologisch und gesellschaftlich nicht tragbar.

Der Freistaat Bayern hatte zunächst die Abiturprüfungen vom 30. April auf den 20. Mai 2020 verschoben.Dann folgte auch prompt die Verschiebung der Abschlussprüfungen anderer Schularten um 14 Tage. Abhängig vom weiteren Verlauf der Virusausbreitung hatte das Ministerium weitere Veränderungen nicht ausgeschlossen.

Auf Nachfrage beim Ministerium zu der aktuellen Problematik wurde auf Statement von Michael Piazolo verwiesen: „Unser Ziel ist es, die Abiturprüfungen nach dem neuen Fahrplan ab dem 20. Mai durchzuführen. Für den Fall, dass dies aufgrund aktuell noch nicht absehbarer kurzfristiger Entwicklungen nicht möglich sein sollte, gibt es verschiedene alternative Lösungen. Die möglichen Alternativen muss man abhängig von der weiteren Entwicklung sehr sorgfältig prüfen. Schnellschüsse helfen da nicht weiter. Bayern arbeitet bei dieser Frage mit den anderen Bundesländern zusammen.“ Ob es bereits neue Maßnahmen für die Abschlussschüler gebe, teilte der Pressesprecher nicht mit.

Aktuell wird versucht, die unterrichtsfreie Zeit mit digitalen Lernformen zu überbrücken und den Schülern auf diesem Wege den Stoff nahezubringen. Zuletzt hieß es von verschiedenen Seiten, dass das digitale Angebot mittlerweile eigentlich schon ganz gut laufe. Lesen Sie hierzu etwa "Digital läuft es bislang ganz gut"

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

1 Kommentar

Kommentieren

null

loading