60 Jahre Patent Das Erfolgsrezept der Currywurst

So sieht sie bei Curry & Style in Regensburg aus: die Currywurst mit Pommes. Am heutigen 21. Januar feiert Deutschland 60 Jahre Patent auf seine Kult-Wurst, die ursprünglich in Berlin erfunden wurde. Foto: Curry & Style

Sie ist so alt wie die Bundesrepublik Deutschland: die Currywurst. Erfunden in Berlin in der Imbissbude von Herta Heuwer im Herbst 1949. Doch erst satte zehn Jahre später, am 21. Januar 1959, ließ sich Heuwer ihr Rezept patentieren – am Tag genau vor 60 Jahren. Wir blicken zurück auf 60 Jahre Erfolgsgeschichte der Currywurst, die nicht nur in Berlin der Renner ist.

„Es war in einer regnerischen Herbstnacht des Jahres 1949, am 4. September“, erinnerte sich die Erfinderin der Currywurst. Und in waschechtem Berlinerisch ergänzte sie: „Es goss kleene Kinderköppe, keen Mensch war an meiner Bude. Aus Langeweile rührte ich Gewürze mit Tomatenmark zusammen. Und es schmeckte herrlich.“ Eine Kreation, zu der Worcestersauce, Chilipulver und weitere Gewürze gehören. Damit überzog Herta Heuwer eine gebratene Bockwurst. Es war die Geburtsstunde der Currywurst. Erst zehn Jahre später, am 21. Januar 1959, ließ sich Heuwer ihre Soße unter dem Namen „Chillup“ als Marke schützen (Deutsches Patent Nummer 721319). Das Berliner Original ahnte offenbar, dass daraus eine echte Erfolgsstory werden könnte und lehnte sogar einen Verkauf des Patents samt Namen an den US-Großkonzern Kraft ab.

Die Kalorienbombe für zwischendurch

Und Heuwer sollte Recht behalten. Im Laufe der Jahre avancierte ihr Snack nicht nur zu einem kulinarischen Aushängeschild Berlins, sondern ganz Deutschlands. Allein in der Kantine des VW-Stammwerks in Wolfsburg geht die Currywurst über zwei Millionen Mal pro Jahr über den Tresen. In verschiedenen Variationen. Bestellt man in Berlin eine Currywurst, lautet die erste Frage des Verkäufers: „Mit oder ohne?“ „Mit“ bedeutet mit Pelle. Also eine rote, geräucherte und gebratene Brühwurst. „Ohne“ bedeutet eine sogenannte „Spandauer ohne Pelle“, also eine weiße Wurst ohne Darm.

Doch Berlin hat bei der Currywurst längst starke Konkurrenz bekommen. Und die kommt aus dem Ruhrgebiet. Von dort stammt die Variante einer weißen Bratwurst mit der bekannten roten und würzigen Soße und Curry. Seither ist ein regelrechter „Currywurst-Krieg“ entflammt mit der zentralen Frage: „Wo gibt es die bessere Currywurst? In Berlin oder im Ruhrpott?“ Freilich, über nichts lässt sich so vortrefflich streiten wie über Geschmack. Eines haben aber alle Currywurst-Varianten gemeinsam: sie sind echte Kalorienbomben. Mit Soße und Brötchen (in Berlin „Schrippe“ genannt) bringt es eine typische Portion auf gut 600 Kalorien. Die Wurst besteht zu 50 bis 60 Prozent aus Muskelfleisch vom Schwein, manchmal mit einem geringen Anteil Rind und höchstens 30 Prozent Speck. Dazu kommen Wasser und Gewürze.

Ein Hauch von Ruhrpott in Niederbayern

Ein echter Leckerbissen für zwischendurch, der längst auch in Bayern großen Anklang findet. Seit November 2010 bietet Familie Kopka ihre Currywurst in einem Food-Truck in der Aitrachstraße in Dingolfing an. In den ersten Jahren bediente der Vater den Grill, seit einiger Zeit Sohn Felix. Das Besondere bei Curry & KO.? „Besonders sind bei uns zum einen die selbstgemachten und auch selbst erfundenen Soßen. Wichtig ist uns zudem, dass die Bratwürste direkt aus dem Ruhrpott kommen“, erklärt Felix Kopka das Erfolgsrezept von Curry & KO. Bei den Soßen kann zwischen verschiedenen Schärfegraden ausgewählt werden. Es gibt die "Mädchen Soße", die "Buben Soße", die "Echte Kerle Soße", die "Grüne Pfeffer Soße" und den feurig-scharfen "Chili Dip". Ein Hauch von Ruhrpott mitten in Niederbayern also. Dennoch gibt es nun im übertragenen Sinne einen Wermutstropfen in der Soße bei Curry & KO: Felix Kopka hat sich trotz der gut laufenden Geschäfte jüngst entschieden, eine neue berufliche Herausforderung zu suchen. Das Ende der Ruhrpott-Currywurst-Ära in Dingolfing soll das jedoch nach Möglichkeit nicht bedeuten. Kopka: „Wir haben noch bis März offen und suchen händeringend nach einem Nachfolger. Leider hat sich bis dato noch nichts ergeben. Es wäre in meinem Sinne, wenn das Geschäft weitergeführt werden würde.“

Von Mallorca nach Regensburg

Doch nicht nur in Niederbayern ist die Ruhrpott-Currywurst „hip“. Auch in der oberpfälzischen „Wurst-Metropole“ Regensburg ist der leckere Snack aus NRW seit kurzem auf dem Vormarsch. In der Domstadt haben sich die drei Currywurst-Fans Michaela Seitz, ihr Mann Benjamin Seitz und Michael Pinkl zusammengetan und bieten seit 1. Dezember 2018 in ihrem Lokal Curry & Style in Stadtamhof verschiedenste Variationen des Klassikers an: mal traditionell, mal modern interpretiert. Dabei gibt es Curry & Style unter der Leitung von Michaela und Benjamin Seitz bereits seit 2014 – allerdings nicht in Regensburg. „Wir haben vorher beide in der gehobenen Gastronomie gearbeitet und wollten danach etwas entwickeln, das einfach gehalten ist, aber trotzdem Klasse hat. Und so haben wir im Februar 2014 Curry & Style auf Mallorca eröffnet“, berichtet die 35-jährige Michaela Seitz gegenüber idowa. Dort brummte der Laden, doch der Pachtvertrag wurde nicht verlängert, weil der Vermieter etwas eigenes auf die Beine stellen wollte. Daher zog es das Ehepaar Seitz zurück nach Regensburg. Und was macht nun die Currywurst bei Curry & Style so besonders? „Wir haben einem vermeintlich einfachem Essen Stil und Eleganz gegeben. Es wird alles frisch und mit Liebe zubereitet. Dazu kommt unsere selbstkreierte Currysoße aus viel Gemüse und verschiedene Würste, die wir direkt aus dem Traditionshaus Remagen beziehen“, erklärt Michaela Seitz.

Currywurst - der Imbiss-Dauerbrenner in Straubing

Currywurst ganz klassisch - das ist in "Günters Imbiss" in der Landshuter Straße in Straubing der Renner schlechthin. Der 51-Jährige führt seinen Imbiss bereits seit über 25 Jahren - und die Currywurst gehört für ihn dabei einfach zum Imbiss dazu. "Mittags bestellt bestimmt jeder Dritte eine Currywurst", schätzt der gelernte Koch und Metzger. Dabei muss für ihn die Qualität stimmen. "Eine Currywurst muss frisch und knackig sein", betont er. Angerichtet wird die Wurst bei ihm mit seiner selbst zubereiteten Currysoße. Schärfe gehört für ihn allerdings nicht unbedingt dazu. "Man muss die Wurst ja schmecken können, nicht nur die Schärfe", so Günter Solleder. Ans Aufhören denkt der Imbissbudenbesitzer auch nach so vielen Arbeitsjahren noch lange nicht. "Die 30 Jahre mach ich sicher noch voll", sagt er. Wie lange es danach noch weitergehen soll, weiß er noch nicht. "Man muss den Job mit Herzblut und Ausdauer machen. Wenn es geht und Spaß macht, dann mach ich's noch, bis ich 70 bin." 

 
 

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