50 Jahre Gebietsreform Als sich Bayern neu sortierte

Im Juli jährt sich die Gebietsreform in Bayern zum 50. Mal (Symbolbild). Foto: Symbolbild/Peter Kneffel/dpa

Seine Grenzen zu kennen, scheint ratsam. Sie neu zu definieren, schwierig. Vor 50 Jahren hat man sich auch in Bayern genau daran versucht: In der Gebietsreform von 1972.

Es war kein leichtes Unterfangen. Aus 143 Landkreisen sollten 71 werden. Von rund 7.000 Gemeinden blieben etwa 2.000 übrig. Gemeinden und Landkreise sollten leistungsfähiger werden. „Man wollte die Effizienz aus Verwaltungsperspektive steigern“, erklärt Prof. Dr. Britta Kägler, Professorin für Bayerische Landesgeschichte und europäische Regionalgeschichte an der Universität Passau. „Also effizientere Verwendung von Steuermitteln und eine schlankere Verwaltung.“

Doch nicht jeder ließ den Staat einfach gewähren. Politischer Widerstand und sogar gerichtliche Klagen waren die Folge. In Unterfranken verbarrikadierten sich die Einwohner der Gemeinde Ermershausen im Rathaus. Es musste von der Polizei erstürmt werden.

Sehen Sie hier unser Interview mit Prof. Dr. Kägler zu den Vorkommnissen in Ermershausen:

Doch wie verlief die Umstrukturierung in Niederbayern?

Hitzige Diskussionen

Als die Landkreise Dingolfing und Landau an der Isar mit einigen weiteren Gemeinden zusammengelegt werden sollten, kam es zu hitzigen Diskussionen. „Mamming liegt ziemlich mittig zwischen den beiden alten Landkreisen“, erzählt Heinrich Trapp, ehemaliger Landrat des Landkreises Dingolfing-Landau. „Da gab es zu der Zeit ein Volksfest, wo einer der beiden Kandidaten für die Landratswahl eine Rede hielt. Im Publikum saß sein Kontrahent.“ Heinrich Trapp lacht. „Dann haben die Leute den Redner ausgepfiffen. Und sein Gegner stand auch auf dem Tisch und pfiff.“

Es war eine hitzige Zeit, auch in der Kommunalpolitik. Anfangs nannte man den neuen Landkreis „Untere Isar“, um weder Landau noch Dingolfing zu benachteiligen. Kurze Zeit später wurde daraus Dingolfing-Landau.

In ganz Bayern wirkte sich die Reform aus. „Es gingen damit auch 32.000 politische Mandate verloren“, erklärt Prof. Dr. Kägler. „Das beeinflusste die direkte Verbindung zwischen Politik und Bürger vor Ort.“

Einigung auf Wappen

In vielen Landkreisen hatte es auch Auswirkungen auf Beschilderung und Autokennzeichen. Im Landkreis Rottal-Inn gab es hingegen eine interessante Diskussion um das Rottaler Wappen. Bruni Mayer erinnert sich noch sehr gut daran.

Sehen Sie dazu unser Interview mit der ehemaligen Landrätin Bruni Mayer:

Später wurde Bruni Mayer selbst Landrätin. Noch heute berichtet sie davon, dass gerade Eggenfelden und Pfarrkirchen nicht immer gut zusammenarbeiteten. „Man redet immer von einem Europa, das zusammenwachsen muss, damit man gemeinsam stark ist.“ So müsse auch innerhalb der neuen Landkreise gut zusammengearbeitet werden, wie sie findet. Denn in Bezug auf Rottal-Inn sie ist überzeugt: „Es ist ein schöner Landkreis.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Juli-Ausgabe des NIEDERBAYERN TV Magazins, nach Erscheinen kostenlos zum Download unter www.passau-magazin.de.

Weitere Artikel

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading