43 Prozent weniger Staus ADAC-Bilanz: Corona fegt Bayerns Straßen leer

Die Anzahl der Staus auf bayerischen Autobahnen ist im Jahr 2020 deutlich zurückgegangen, sagt der ADAC. (Symbolbild) Foto: Armin Weigel/dpa

Die staatlichen Kontaktbeschränkungen und der Lockdown hatten offenkundig große Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen in Bayern. Der ADAC meldet 43 Prozent weniger Staus im Freistaat im Jahr 2020. Stau-Schwerpunkt der Region bleibt die A3 bei Passau.

Die Corona-Lockdowns haben im vergangenen Jahr zu einem drastischen Rückgang der Staus auf den deutschen und bayerischen Autobahnen geführt. Die Staus waren auch deutlich kürzer als 2019. So registrierte der ADAC in vergangenem Jahr rund 513.500 Staus, das waren etwa 28 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie die Auswertung der Verkehrsdatenbank des ADAC weiter zeigt, ging die Gesamtdauer der Störungen um 51 Prozent zurück, die Zahl der Staukilometer reduzierte sich um 52 Prozent. In Bayern verzeichnete der Automobilclub 72.419 Behinderungen mit einer Gesamtlänge von 105.876 Kilometern. Dies entspricht einem Rückgang um rund 43 Prozent bei der Anzahl.

Unangefochten bleibt wie im Vorjahr die A3 Passau Richtung Regensburg Deutschlands Stau-Autobahn Nummer eins - nur auf niedrigerem Niveau. 1.206 Stunden oder umgerechnet 50 Tage mussten die Autofahrer in 4.982 Staus vor dem besonders betroffenen Abschnitt zwischen Pocking und Passau-Süd ausharren. Oder anders gerechnet: Auf jeden Autobahn-Kilometer entfielen in dem Bereich 316 Staukilometer. Grund hierfür waren die Grenzkontrollen und zusätzlich die Corona-Teststation, die im Sommer für Urlaubsrückkehrer eingerichtet wurde. „Das Verkehrsgeschehen hat sich dahingehend verändert, dass coronabedingt weiter entfernte Ziele, wie beispielsweise der Gardasee oder die Mittelmeer-Region, nicht mehr angesteuert wurden, dafür jedoch die bayerischen Naherholungsgebiete umso mehr. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr fortsetzen“, so die Einschätzung des verkehrs- und umweltpolitischen Sprechers des ADAC Südbayern, Alexander Kreipl.

Längste Blechlawine auf der A9

Bei den Staulängen verzeichnete der ADAC in Südbayern am 8. Februar 2020 die längste Blechlawine auf der A9 Nürnberg - München. In der Dauerbaustelle zwischen den Anschluss-Stellen Langenbruck und Allershausen ging auf 26 Kilometern über 14 Stunden nur noch Stop-and-Go-Verkehr. Nur wenig besser war die Situation am 31. Juli auf der Gegenfahrbahn Richtung Nürnberg: Zwischen den Anschluss-Stellen Allershausen und Manching kam es acht Stunden lange auf 20 Kilometern zu zähfließendem Verkehr mit Stauungen. Ursache auch hier die Baustelle. Zwar sorgt das Nadelöhr auf der A9 immer wieder für Behinderungen - nach derzeitigen Planungen noch bis Ende dieses Jahres. Doch die Situation könnte schlimmer sein. Für deutlich besseren Verkehrsfluss kam in einem Pilotprojekt für Deutschland erstmals der sogenannte „Road Zipper“ zum Einsatz.

Je nach Verkehrsbelastung kann die Maschine Fahrbahnabtrennungen verschieben. Dadurch kann eine Spur bedarfsabhängig einer Fahrtrichtung zugeordnet werden, beispielsweise im morgendlichen Berufsverkehr Richtung München und am Nachmittag der Gegenfahrbahn Richtung Nürnberg. „Baustellen erhöhen grundsätzlich die Unfallgefahr. Mit dem ‚Road Zipper‘ kann dynamisch und flexibel auf das Fahrzeugaufkommen reagiert und so der Verkehrsfluss optimiert werden. Das hilft nicht nur, Staus zu vermeiden, sondern dient gerade auf einer viel befahrenen Autobahn wie der A9 vor allem der Verkehrssicherheit“, lobt Kreipl den Einsatz des neuen Systems und befürwortet die Nutzung auch in Zukunft. Stark belastet war auch die A8 Salzburg - München. Spitzentag war der 12. September: An diesem Samstag stauten sich die Fahrzeuge zwischen der Anschluss-Stelle Irschenberg und dem Kreuz München Süd auf 19 Kilometern.

Weitere stauanfällige Abschnitte in Bayern sind die A3 Passau - Nürnberg zwischen Regensburg-Ost und Burgweinting in beiden Richtungen, die A8 München - Salzburg zwischen Holzkirchen und Bad Aibling, im Bereich des Inntaldreiecks sowie vor dem Grenzübergang Bad Reichenhall, die A9 Nürnberg - München zwischen Frankfurter Ring und dem Autobahnende Schwabing sowie die A99 München - Salzburg abschnittsweise zwischen der Anschluss-Stelle Ludwigsfeld und dem Kreuz München-Süd. Auffällig: Erstmals in der Stau-Statistik taucht die A94 Passau - München mit erheblichen Stauungen am Autobahnende auf. Dies steht in direktem Zusammenhang mit den seit Juni verkürzten Ampel-Grünphasen auf der Prinzregentenstraße, insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten.

Die Top Ten der schlimmsten Stau-Ereignisse in Bayern

- A9 Nürnberg - München: 08.02. AS Langenbruck bis Allershausen, 26 km
- A9 München - Nürnberg: 31.07. AS Allershausen bis Manching, 20 km
- A9 München - Nürnberg: 29.02. Kreuz Neufahrn bis AS Langenbruck, 20 km
- A9 München - Nürnberg: 28.01. AS Garching-Nord bis Pfaffenhofen, 20 km
- A8 Salzburg - München: 12.09. AS Irschenberg bis Kreuz München-Süd, 19 km
- A9 München - Nürnberg: 25.09. AS Allershausen bis Manching, 19 km
- A8 München - Stuttgart: 05.10. AS Sulzemoos bis Friedberg, 19 km
- A9 Nürnberg - München: 15.02. AS Langenbruck bis Kreuz Neufahrn, 19 km
- A9 München - Nürnberg: 07.08. AS Allershausen bis Langenbruck, 18 km
- A3 Würzburg - Nürnberg: 01.09. AS Erlangen-West bis Nürnberg-Behringersdorf, 18 km

Über die Verkehrsentwicklung seit dem Lockdown geht es im zweiten Teil des Artikels.

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