40 Jahre Macher beim FC Bayern Hoeneß über Kovac, den Umbruch und eine Superleague

Niko Kovac ist nach dem Triple-Coach Jupp Heynckes und anderen berühmten Trainern wie Pep Guardiola in große Fußstapfen getreten. Er hat kein einfaches erstes Jahr, als Bayern-Trainer zu bestehen. Was muss er leisten, damit Sie ihm auch die Zukunft anvertrauen?
Hoeneß: Was heißt, was muss er leisten? Mir hat gefallen, wie er die Mannschaft aus dem schwierigen Tal im November herausgeführt hat. Die Mannschaft ist im Umbruch. Wir haben Niko Kovac auch aufgebürdet, mit Arjen Robben und Franck Ribéry den Übergang zu schaffen. Da ist klar, dass man auch mal Geduld haben muss.

Die Ruhmeshalle des FC Bayern umfasst viele große Spieler. Wo ordnen Sie die angesprochenen Champions-League-Sieger Robben und Ribéry ein, wenn Sie sie demnächst verabschieden werden?
Hoeneß: Ich kann mich noch entsinnen, als Franck nach München kam. Da dachte er, jetzt mache ich zwei, drei Jahre hier und dann ruft Real Madrid oder so etwas. Dann ist er über zehn Jahre eine wichtige Stütze des FC Bayern geworden. Ebenso wie Arjen Robben, der nach der Verpflichtung von Real Madrid 2009 bei uns eine überragende Karriere hingelegt hat mit dem legendären Siegtor im Champions-League-Finale 2013 in Wembley als Krönung. Franck und Arjen gehören für mich in die Phalanx solcher Spieler wie Beckenbauer, Maier, Müller, Rummenigge, Breitner, Lerby, Lahm, Schweinsteiger – und wie sie alle heißen, da möchte ich keinen vergessen.

In dieser Saison gab es viel Kritik. Sie hätten den Umbruch der Mannschaft verpasst und auch keinen Plan für den Wechsel an der Spitze des Vereins. Kovac galt als Trainer-Notlösung. Wie sehr hat Sie das angestachelt?
Hoeneß: Mir hat es furchtbar gestunken, weil es sehr unsachliche Kritik gab. Einen Übergang könnte man so abwickeln, dass man Leute, denen man dankbar sein muss und die viel geleistet haben, vor den Kopf stößt. Das ist aber nicht meine Welt. Ich habe hier beim FC Bayern immer dafür gekämpft, dass wir Persönlichkeiten wie Arjen und Franck, auch einem Rafinha, einen vernünftigen Abgang verschaffen. Und zwar in einem Jahr des Übergangs, ohne einen totalen sportlichen Einbruch zu erleben.

Sie haben den Zeitpunkt für den Umbruch also nicht verpasst?
Hoeneß: Ich habe mich letztens sehr gewundert. Beim tollen 3:2 im Länderspiel in den Niederlanden standen fünf Bayern-Spieler in der Startelf, darunter nur der ältere Manuel Neuer sowie vier Junge: Joshua Kimmich, Niklas Süle, Leon Goretzka und Serge Gnabry, alle Jahrgang 1995. Kein anderer Verein stellte mehr als einen Spieler. Der Verein, der am meisten kritisiert wurde, dass er den Übergang nicht geschafft haben soll, erfreut beim Neuaufbau der Nationalmannschaft am meisten.

Der Verjüngungsprozess muss dennoch weitergehen, oder?
Hoeneß: Benjamin Pavard und Lucas Hernández sind weitere junge Spieler, die wir verpflichtet haben. Dazu ist Corentin Tolisso praktisch ein Neuzugang, der fast die ganze Saison verletzt war. Und der eine oder andere wird vielleicht noch dazu kommen.

Pavard und Hernández sind Weltmeister - und Franzosen. Es war immer ein Bestreben des FC Bayern, auch den Großteil der deutschen Nationalmannschaft zu stellen. Bleibt es bei diesem Anspruch?
Hoeneß: Die Nationalmannschaft hat immer dann ihre erfolgreichsten Phasen, wenn der FC Bayern genügend Spieler liefert. Ich denke an die WM-Titel 1974 und 2014, auch 1990 hatte der Kern eine prägende Vergangenheit bei uns. Wir sind gerade dabei, wieder zu liefern. Beim DFB in Frankfurt sollten sie einige Kerzen aufstellen, dass der FC Bayern für neue Erfolge genug Spieler parat hat.

Ist das größte Investitionsprogramm in der Vereinsgeschichte eine Reaktion auf die Befürchtung, international abgehängt zu werden. Oder wollen Sie vor allem die nationale Dominanz wiederherstellen?
Hoeneß: Weder noch. Wir sind der Meinung, es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der FC Bayern sein hart erarbeitetes Geld in den Markt gibt, um wieder eine neue, junge Mannschaft auf den Platz zu führen.

Ob als Spieler, Manager oder Präsident - die Bundesliga hat Ihr gesamtes Fußballer-Leben begleitet...
Hoeneß: ...und wird es auch immer tun.

Es kursieren immer wieder die Pläne einer Superleague. Auch eine Reform der Champions League wird diskutiert, etwa mit Spielen auch am Wochenende. Was halten Sie davon?
Hoeneß: Vorstand und Aufsichtsrat des FC Bayern haben festgelegt, dass wir die Bundesliga als wichtigstes Element in unserer Vereinspolitik sehen. Der Superleague haben wir eine Absage erteilt. Einer Club-WM alle zwei oder vier Jahre stehen wir dagegen positiv gegenüber. Die Kritiker vergessen, dass wir nicht eine zusätzliche Belastung für die Spieler erwägen, sondern einen Wettbewerb anstelle des Confed Cups. Für diesen sportlich unwichtigen Wettbewerb mussten wir unsere Nationalspieler abstellen und haben nichts dafür gekriegt. Da finden wir eine Club-WM besser, bei der wir richtig Geld verdienen. Als Kaufmann muss man dafür Verständnis haben.

Was halten Sie von Champions-League-Spielen am Wochenende?
Hoeneß: Um ehrlich zu sein, wäre es mir am liebsten, wenn das Wochenende der Bundesliga vorbehalten bliebe.

Seit 1979 bestimmen Sie bis auf eine kurze Phase während Ihrer Haftstrafe die Geschicke des FC Bayern. Im November läuft Ihre Amtszeit als Präsident ab. Haben Sie sich persönlich eine Deadline an der Spitze des FC Bayern gesetzt?
Hoeneß: Ich werde mich nach der Saison in aller Ruhe mit meiner Familie zusammensetzen und bis Ende Juni entscheiden, ob ich noch einmal antrete oder nicht. Diesen Fahrplan kennen alle im Verein. Es ist gerade so viel Arbeit da. Wir haben so viele Themen anzupacken. Ich denke an den Einstieg von BMW für Audi oder den Aufbau der neuen Mannschaft. Ich bin in der Sache total entspannt. Eines ist aber auch klar: Man darf sich nicht einbilden, dass man unersetzlich ist. Jeder ist ersetzbar. Der eine mehr, der andere weniger.

Zur Person: Uli Hoeneß wurde am 5. Januar 1952 in Ulm geboren. Seine Fußball-Karriere musste er nach großen Erfolgen mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft frühzeitig aus Verletzungsgründen beenden. Im Alter von 27 wurde er Bayern-Manager. Seit Ende 2016 ist er zum zweiten Mal Präsident des deutschen Rekordmeisters, nachdem er im März 2014 nach der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung von seinen Ämtern zurückgetreten war.

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