40 Jahre Macher beim FC Bayern Hoeneß: "Mbappé würde ich sofort kaufen"

Der Jungstar des KSC wechselte 1990 für 3,4 Millionen Mark zum FC Bayern. Jetzt haben Sie 80 Millionen Euro für den französischen Weltmeister Lucas Hernández von Atlético Madrid ausgegeben. Die 100-Millionen-Marke ist ganz nah. Fällt sie noch in diesem Sommer?
Hoeneß: Dieses Jahr sicherlich nicht. Und ich muss zugeben, auch 80 Millionen hätte ich mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können. Aber man muss berücksichtigen, dass wir in diesem Zeitraum auch unseren Umsatz verdoppelt haben. Da ist es klar, dass auch die Ausgaben zunehmen. Die Gehälter sind gestiegen, ebenso die Transfersummen. Dass sie diese Dimensionen erreicht haben, hat damit zu tun, dass ausländische Investoren, Oligarchen, amerikanische Hedgefonds und sogar ganze Staaten wie Abu Dhabi und Katar ins Fußballgeschäft eingestiegen sind.

Über die Rekordausgabe des FC Bayern für Hernández ist kontrovers diskutiert worden. Wie haben Sie das aufgenommen?
Hoeneß: Ich habe mich gewundert, dass unsere 80 Millionen so kritisch gesehen wurden. Vor kurzem hieß es noch, mit seiner vorsichtigen Transferpolitik habe der FC Bayern keine Chance mehr, in die Phalanx der englischen und spanischen Topclubs sowie von Paris Saint-Germain einzudringen. Jetzt liefern wir, und die Leute schreien: Wie kann man für einen Spieler 80 Millionen ausgeben? Was hätten die Leute erst geschrien, wenn wir Kylian Mbappé gekauft hätten.

Würden Sie den gern zum FC Bayern holen? Paris hat schon vor knapp zwei Jahren 180 Millionen Euro für Mbappé bezahlt.
Hoeneß: Mbappé würde ich sofort kaufen. Der Spieler ist toll. Aber für den fehlt uns das notwendige Geld.

Kann ein Spieler tatsächlich mehr als 200 Millionen wert sein?
Hoeneß: Es geht nicht darum, ob ein Mbappé das wert ist. Die Frage lautet, ob es sich jemand leisten kann, dieses Geld auszugeben, ohne in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten. Ich habe gelesen, das teuerste Bild der Welt hat bei einer Versteigerung fast 400 Millionen Euro gekostet. Ist ein Kunstwerk das wert? Natürlich nicht! Aber wenn es einer unbedingt besitzen will und so viel Geld dafür bezahlt, ist das letztlich seine Entscheidung.

Stichwort Geld: Waren Vertragsverhandlungen mit den Spielern in Ihrer Anfangszeit als Manager einfacher, weil nicht immer Berater im Spiel waren? War der clevere Manager Hoeneß da im Vorteil?
Hoeneß: Nein, weil ich nie jemanden über den Tisch gezogen habe. Die schönsten Verhandlungen waren übrigens die mit den Ehefrauen von Spielern, mit Martina Effenberg zum Beispiel. Mit Frau Schuster habe ich auch mal verhandelt, als wir Bernd Schuster zum FC Bayern holen wollten, was aber dann nicht geklappt hat.

Was waren die Meilensteine in der Entwicklung des FC Bayern?
Hoeneß: Ganz wichtig war, dass wir es geschafft haben, im Bereich Marketing sehr schnell in die europäische Spitzenklasse aufzurücken. Und als Jürgen Klinsmann 1995 als Spieler zu uns kam, haben wir richtig mit dem Trikotverkauf begonnen. Merchandising wurde zu einem Element. Mit Fanartikeln setzen wir 100 Millionen Euro im Jahr um. Ein Meilenstein war auch die Wiedervereinigung. Mit der Öffnung der Grenzen kam eine ganze Welle ehemaliger DDR-Bürger zu uns. Als ich 1979 anfing, hatten wir 8000 Mitglieder. Heute sind es fast 300.000.

Würden Sie den FC Bayern also als Wendegewinner bezeichnen?
Hoeneß: Absolut. Ein weiterer ganz bedeutender Meilenstein war dann 2005 die Allianz Arena. Das Stadion hat den FC Bayern in eine völlig neue Welt geführt. Fußballspiele sind zum Event geworden. Sogar das Pokalspiel neulich gegen Heidenheim, einen Zweitligisten, war ausverkauft. In den 70er Jahren haben wir dreimal nacheinander den Europapokal gewonnen. Und der Besucherschnitt im Olympiastadion lag trotzdem ungefähr nur bei 35.000.

Sie haben die Bedeutung der Trainer für den Erfolg des FC Bayern angesprochen. Sie haben viele erlebt - und manche auch entlassen müssen...
Hoeneß: ...und das ist das Schwierigste. Das sind Tiefpunkte der eigenen Karriere. Denn ich habe dabei immer auch die menschliche Komponente gesehen. Ich kann mich an Fälle erinnern, da ist mir der Hals zugegangen, wenn man einem Mann, mit dem man oft jahrelang prima zusammengearbeitet hat, sagen musste, dass es nicht mehr weitergeht.

Können Sie Beispiele nennen?
Hoeneß: Die Entlassung von Jupp Heynckes 1991 habe ich ja schon oft als meinen größten Fehler bezeichnet. Verrückt war es auch bei Ottmar Hitzfeld. Den habe ich mit seinem Assistenten Michael Henke und den Ehefrauen zu mir nach Hause eingeladen. Meine Frau hat gekocht. Erst haben wir die Trennung besprochen und anschließend schön gegessen und bis drei Uhr morgens gefeiert. So geht es auch. Otto Rehhagel haben wir 1996 nach einem verlorenen Spiel an die Säbener Straße kommen lassen, um ihm zu sagen, dass Schluss ist. Ich wäre im Büro von Franz Beckenbauer am liebsten unter dem Präsidententisch verschwunden. Franz war damals knallhart. Ich hätte das damals nicht machen wollen. Bei der Gelegenheit möchte ich auch einmal sagen, dass Rehhagel inzwischen ein sehr guter Freund von uns geworden ist.

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