40 Jahre Macher beim FC Bayern Uli Hoeneß über die Bayern-DNA und Oliver Kahn

Warum kann kein Verein dem FC Bayern dauerhaft Paroli bieten? Selbst Borussia Dortmund gelingt das, wie die sechs Jahre vor dieser spannenden Saison gezeigt haben, allenfalls temporär.
Hoeneß: Aber jetzt sind sie ein sehr ernstzunehmender Gegner geworden. Das liegt auch daran, dass sie mit Hans-Joachim Watzke und Reinhard Rauball in der Führung eine große Kontinuität besitzen, wie wir sie beim FC Bayern immer hatten. Ich bin jetzt 40 Jahre da. Dann kamen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge. Wir haben versucht, bei Trainern und Manager wenig Fluktuation zu haben.

Ist Kontinuität also das Erfolgsgeheimnis des FC Bayern?
Hoeneß: Die schlechtesten Jahre beim FC Bayern waren immer die, wenn wir auf der Trainerposition recht große Fluktuation hatten. Ich denke, dass heute viele Vereine nach München schauen, was der Marktführer macht, und dann versuchen, das Beste abzukupfern.

Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge: Warum ist es Ihnen so wichtig, Spieler mit einer FC-Bayern-Vita an den entscheidenden Schaltstellen des Vereins zu installieren?
Hoeneß: Es ist hilfreich, wenn du in wichtigen Positionen Leute einbauen kannst, die Stallgeruch haben, die als Spieler die DNA des FC Bayern aufgesaugt haben. Das ist keine unabdingbare Voraussetzung, aber es ist hilfreich. Klar ist aber: Irgendwann müssen Karl-Heinz und ich hier die Plätze freimachen. Auch ich hatte mit 27, als ich angefangen habe, keine Ahnung, wie es geht. Aber ich habe es gelernt. Das war learning by doing. Die Chance gibt es auch jetzt für junge Ex-Spieler. Hasan Salihamidzic etwa macht einen sehr guten Job als Sportdirektor.

Wenn über die nächste Führungsgeneration beim FC Bayern gesprochen wird, fällt der Name Oliver Kahn.
Hoeneß: Wir sind in sehr konkreten Gesprächen mit Oliver. Wir sind aber nicht unter Zeitdruck, weil Karl-Heinz seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender bis Ende 2021 verlängert hat.

Was qualifiziert Kahn?
Hoeneß: Mir gefällt Olivers Entwicklung nach der Spieler-Karriere. Er hat sich als Experte im Fernsehen fantastisch entwickelt, ein Fernstudium in Betriebswirtschaft gemacht und eine Firma gegründet. Wir haben hier jemanden, der den Fußball als Torwart auf allerhöchstem Niveau erlebt hat und zugleich in der Lage ist, im wirtschaftlichen Bereich seinen Mann zu stehen. Das reizt uns so.

Es war von einer Art Probejahr für beide Seiten die Rede. Wann beginnt dies?
Hoeneß: Es ist derzeit vorgesehen, dass es am 1. Januar 2020 losgeht.

Das Fußballgeschäft hat sich in Ihren 40 Jahren als Macher rasant entwickelt. Wie liefen zum Beispiel Transfers früher ab?
Hoeneß: Da war viel mehr Abenteuer dabei. Als wir Rabah Madjer, der in unserem Europapokalfinale gegen den FC Porto 1987 dieses legendäre Hackentor erzielte, verpflichten wollten, bin ich nicht direkt nach Porto, sondern nach Lissabon geflogen. Mit einem Leihwagen bin ich dann quer durch die Pampa gefahren, nur, um mich in Porto heimlich mit der Familie Madjer treffen zu können. Oder als wir Roque Santa Cruz 1999 in Paraguay abgeworben haben. Da haben wir mit dem Vereinspräsidenten in dessen Haus verhandelt. Die ganze Familie war dabei. Und nebenan im Wohnzimmer warteten die ganze Zeit 25 Journalisten. Das waren schon verrückte Erlebnisse.

Es gehörte also Versteckspiel dazu?
Hoeneß: Als wir Michael Sternkopf verpflichten wollten, bin ich mit Jupp Heynckes mit dem Zug nach Karlsruhe gefahren zu dessen Eltern. Am Bahnhof habe ich gesagt: Jupp, wir brauchen noch Blumen. Und am nächsten Tag stand's dann groß in der Zeitung: Heynckes und Hoeneß mit Blumenstrauß im Taxi bei der Familie Sternkopf.

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