Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit

Freude und Sorge bei Arbeitslosenzahlen in Ostbayern


Ein Mann geht an einem Schild der Bundesagentur für Arbeit vorbei. (Archivbild)

Ein Mann geht an einem Schild der Bundesagentur für Arbeit vorbei. (Archivbild)

Von Redaktion idowa und mit Material der dpa

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober auf rund 2,2 Millionen gesunken. In Bayern lag die Arbeitslosenquote im Oktober bei 2,7 Prozent, während der Regierungsbezirk Oberpfalz aktuell im Freistaat am besten dasteht. Doch in Ostbayern gibt es anscheinend auch Grund zur Sorge.

In ganz Deutschland gab es rund 30.000 Arbeitslose weniger als im September. Damit liegt die Arbeitslosigkeit im Bund etwa auf dem Niveau von Oktober 2018. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent.

Vor einem Jahr war die Quote erstmals seit der Wiedervereinigung unter die 5-Prozent-Marke gesunken. Die Bundesagentur sprach damals von einem Beschäftigungsrekord dank des jahrelangen Wachstums. Im vergangenen Monat hatte die "Herbstbelebung" die Zahl der Arbeitslosen mit rund 2,2 Millionen auf den niedrigsten September-Stand seit der Wiedervereinigung sinken lassen.

Wie aus dem aktuellen Monatsbericht weiter hervorgeht, gibt es in Bayern 1,6 Prozent mehr Beschäftigte als noch im Vorjahresmonat, womit der Freistaat genau im westdeutschen Durchschnitt liegt. Die Gesamt-Arbeitslosenquote in Bayern liegt aktuell bei 2,7 Prozent.

Oberpfalz mit niedrigster Arbeitslosenquote in Bayern

Doch wie ist die Lage in den bayerischen Regierungsbezirken, und speziell in Ostbayern? Die bayerische Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur übermittelte auf Anfrage von idowa folgende Zahlen:

Trauriger "Spitzenreiter" bei der Arbeitslosigkeit in Bayern ist der Regierungsbezirk Mittelfranken mit 3,3 Prozent, was etwa 33.000 Arbeitslosen entspricht. Dicht darauf folgt Oberfranken mit 3,1 Prozent, Unterfranken und Schwaben kommen auf jeweils 2,6 Prozent. Die ostbayerischen Regierungsbezirke stehen vergleichsweise gut da, wenngleich auch hier Anstiege der Arbeitslosenzahlen verglichen mit Oktober 2018 vorliegen:

In der Oberpfalz wurden im Oktober 2019 ungefähr 15.700 Arbeitslose gezählt, das sind etwa 1.200 mehr als im Vorjahresmonat. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Arbeitslosigkeit um 9 Prozent. Allerdings sank die Quote verglichen mit September um 0,2 Prozent und liegt nun bei 2,4. Damit kann die Oberpfalz die niedrigste Arbeitslosenquote Bayerns vorweisen.

In Niederbayern waren aktuell ungefähr 18.000 Menschen arbeitslos, etwa 800 mehr als im Oktober 2018. Damit stieg die Arbeitslosenquote hier um fast 5 Prozent, liegt allerdings mit 2,5 um 0,1 Prozentpunkte unter der Quote für September.

In Oberbayern betrug die Zahl der Arbeitslosen im Oktober 2019 etwa 68.000 Menschen, 375 weniger als im Vorjahresmonat und damit ein Rückgang von 0,5 Prozent. Die gesamte Arbeitslosenquote liegt auch hier aktuell bei 2,5 Prozent.

Spitzenreiter und Sorgenkinder

Die Agentur für Arbeit Deggendorf meldet für ihren Agenturbereich vor allem Positives: Der Bestand der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer im Bezirk sei erneut um 139 zurückgegangen - auf nun knapp 5.000. Im Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings gab es 116 Arbeitslose mehr. "Der Herbstaufschwung trägt zum Beschäftigungsaufbau bei, die Belebung ist jedoch nicht ganz so deutlich wie im Vorjahr", erklärt Peter Weindl, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Die Arbeitslosenquote betrug im Oktober 2,5 Prozent, vor einem Jahr hatte sie sich auf 2,4 belaufen.

Im Agenturbezirk erreichte der Landkreis Straubing-Bogen mit 2,0 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote, das ist eine Verbesserung um 0,1 Prozent. In der Stadt Straubing verbesserte sich die Arbeitslosenquote ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte, liegt allerdings mit 4,1 Prozent immer noch deutlich über dem bayerischen Landesdurchschnitt. In Landshut-Stadt mit 4 und Regensburg-Stadt mit 3,3 Prozent sieht es ähnlich aus.

Wirklich auffällig auch im gesamtbayerischen Vergleich ist allerdings der deutliche Anstieg der Arbeitslosenzahlen in vielen ostbayerischen Kreisen im Vergleich mit dem Vorjahresmonat.

Grafik: idowa

Schichtabbau und Zeitarbeit wohl schuld am Anstieg

Straubing und Freising kommen noch verhältnismäßig gut weg, aber besonders Regensburg und Dingolfing-Landau weisen deutlich zweistellige Anstiege auf. Bei der Regensburger Arbeitsagentur macht man hierfür primär die Automobilindustrie verantwortlich. "Ungefähr zehn Prozent Plus bei der Arbeitslosigkeit ziehen wir schon seit etwa einem Jahr mit", heißt es dort. Der Schichtabbau in der Zeitarbeit falle hier besonders ins Gewicht: "Von den Zeitarbeitern trennt man sich eben als erstes."

Ähnlich verhält es sich im Landkreis Dingolfing-Landau, wie die zuständige Arbeitsagentur Landshut-Straßkirchen auf Anfrage von idowa mitteilt: "Von den 163 Neu-Arbeitslosen waren allein 104 in der Lagerlogistik beschäftigt, das betrifft also vor allem Zeitarbeiter und ist auch durch den Abbau von Schichten zu erklären." Primär betreffe dies allerdings die Zulieferer der Industrie, weniger die Fertigung an sich.

Immerhin: In allen 'angeschlagenen' Kreisen nahm die Zahl der Arbeitslosen verglichen mit dem Vormonat zum Teil deutlich ab.

vbw bewertet Zahlen kritisch

Die "Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V." (vbw) bewertet die Entwicklung ebenfalls vorsichtig: Zwar sei die Quote weiterhin recht gut, aber "der Abbau der Arbeitslosigkeit gerät ins Stocken", konstatierte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Der übliche "Herbstaufschwung" sei ausgeblieben, vor allem die 10.000 Neu-Arbeitslosen nach Beschäftigung machten Sorge. "Arbeitszeitkonten werden abgebaut, die Zeitarbeit wird zurückgefahren, die Kurzarbeitsanzeigen steigen an. In einigen Unternehmen hat der Stellenabbau begonnen", so Brossardt weiter.

Experten erwarten weiteren Anstieg

Die insgesamt ansteigende Arbeitslosigkeit in der Region passt ins Bild: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen in den nächsten Monaten. Die exportorientierte Industrie leide unter ausbleibenden Bestellungen, aber auch in der Zeitarbeit sowie der Verkehrs- und Logistikbranche mache sich der Abschwung bemerkbar. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei in diesen Branchen im Oktober deutlich gesunken.

Führende Volkswirte befürchten, dass die Flaute in der Industrie auch auf andere Wirtschaftszweige übergreift und der private Konsum zunehmend ins Wanken gerät. So hatte das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK für November den niedrigsten Wert beim Konsumklima seit Herbst 2016 ermittelt.