200. Ausgabe der Freistunde-Zeitung Traumzeit erfüllt Herzenswünsche krebskranker Kinder und Jugendlicher

Traumzeit e. V. erfüllt Wünsche krebskranker Kinder. Foto: Melanie Feldmeier

DJ Bobo treffen oder für einen Tag Prinzessin sein – der Regensburger Verein Traumzeit erfüllt Herzenswünsche krebskranker Kinder und Jugendlicher. Ines Kiefl hat mit Nadine Guggenberger, der Vorsitzenden des Vereins, darüber gesprochen.

Frau Guggenberger, können sich alle krebskranken Kinder und Jugendliche bei Ihnen melden?

Nadine Guggenberger: Traumzeit kümmert sich um alle krebskranken Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien im ostbayerischen Raum. Es gibt kein Bewerbungsverfahren. Einfach mit uns Kontakt aufnehmen, reicht vollkommen!

Sie unterstützen nicht nur die Kinder, sondern auch deren Familien. Inwiefern kann Traumzeit den Angehörigen helfen?

Nadine Guggenberger: Das Thema Krebs betrifft die komplette Familie. Wir möchten mit den Wunschaktionen positive Energie vermitteln, eine Plattform für Gleichgesinnte schaffen, um sich gegenseitig stärken zu können, eine Auszeit vom Alltag ermöglichen. Vielleicht gelingt es auch, dass man während der Zeit bei Traumzeit für einen kurzen Moment seine Sorgen vergessen und seine Akkus wieder aufladen kann. Es ist deshalb auch möglich, dass zum Beispiel eine Mutter allein ohne ihre Familie an einem Theaterbesuch teilnimmt, damit sie gestärkt wieder zur Familie zurückkommt. Oft „funktionieren“ die Mütter in dieser Zeit einfach nur und schauen nicht mehr auf sich.

Was wünschen sich die meisten Kinder und Jugendlichen?

Nadine Guggenberger: So individuell wie die Kinder sind, sind auch die Wünsche. Oft wird sich gewünscht, mit der Familie etwas zu unternehmen, in einem besonderen Hotel zu übernachten oder einen Blick hinter die Kulissen zu erleben. Egal, was es ist, wir versuchen, es zu ermöglichen. Manchmal bekommen wir auch externe Angebote, die unsere Familien zu einem Erlebnis einladen. Die Freude ist auch immer sehr groß, wenn Eintrittskarten zur Verfügung gestellt werden, um ein Eishockey- oder Fußballspiel besuchen zu können.

Neben den individuellen Herzenswünschen für ein Kind organisieren wir auch regelmäßig Wunschaktionen. Dort versuchen wir, Wünsche von mehreren Teilnehmern gleichzeitig umzusetzen, sodass mehrere Familien daran teilnehmen können. Das geht vom Workshop bis zum Tagesausflug oder einer Erlebnisreise in einen Freizeitpark. Wir sind bei allen Wunscherfüllungen vor Ort dabei, um die Organisation und das Kennenlernen mehrerer Familien zu ermöglichen.

Gibt es einen Wunsch, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Nadine Guggenberger: Das ist schwer zu sagen! Jeder erfüllte Herzenswunsch und jede organisierte Wunschaktion ist etwas Besonderes. Wir versuchen immer, mit viel Liebe zum Detail alles zu organisieren und die Teilnehmer auch während der Aktion mit Kleinigkeiten zu überraschen.

Wir sind sehr glücklich, dass wir es dank zahlreicher Spenden geschafft haben, innerhalb eines Jahres nach der Vereinsgründung rund 50 Teilnehmern einen Aufenthalt im Europapark zu ermöglichen. Das konnten wir fortsetzen, sodass es bisher jedes Jahr eine solche Fahrt für unsere betreuten krebskranken Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und deren Familien geben konnte.

Ein Wunsch ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben. Es ist uns gelungen, dass Chris sein Idol DJ Bobo sogar zweimal treffen durfte. Einmal während der Behandlung und einmal danach. Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue, fällt mir noch der Prinzessin-Stylingtag mit allem Drum und Dran für zwölf Mädchen, ein individuelles Fahrsicherheitstraining bei Audi, ein Blick hinter die Kulissen bei „Equila“ und eine große Weihnachtsfeier mit über 100 Teilnehmern ein. So viele Personen haben sich bisher noch nie bei einer Aktion von uns getroffen.

Wie fühlt es sich an, die Freude der Kinder zu spüren? Haben Sie das Gefühl, die Kinder schöpfen aus Ihren Aktionen neue Kraft für die Krebsbewältigung?

Nadine Guggenberger: Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Die Kinder kommen aus sich raus, genießen, freuen sich und vergessen vielleicht auch für kurze Zeit das „Drumherum“, da das Erlebnis mit viel positiver Energie und Lebensfreude im Fokus steht. Man bekommt so viel zurück und wir sind glücklich, wenn sich die Teilnehmer freuen und alles so klappt, wie wir es geplant haben. Und ja, diese Aktionen, Erlebnisse und Unternehmungen wirken sich tatsächlich positiv im Verlauf aus. So gab es zum Beispiel ein Mädchen, das zur Unterstützung und wegen der fehlenden Kraft bei den Terminen in der Klinik immer einen Rollstuhl dabeihatte. Nach der Wunscherfüllung ging sie zum nächsten Termin ohne Rollstuhl in die Klinik.

 

Über Traumzeit e. V.: Der Verein existiert seit 2016 und ermöglicht es krebskranken Kindern und Jugendlichen, besondere Erlebnisse zu erfahren. Im vergangenen Jahr konnten Herzenswünsche von 85 betroffenen Familien erfüllt werden. Der Verein finanziert sich vollständig durch Spenden. Mehr Infos gibt es unter traumzeit-ev.de.

 

Ines Kiefl (21, aus Zandt):

Mein größter Wunsch ist, dass wir Menschen gut aufeinander achten und dabei die Tiere nicht vergessen.

 

Hier findest du alle Texte aus der 200. Ausgabe der Freistunde-Zeitung.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading