1:6 in Karlstad Lehrstunde für die Straubing Tigers

Nichts zu holen gab es für Cody Lampl (r.) und die Straubing Tigers in Karlstad. Foto: Stefan Ritzinger/rs-sportfoto

Die Straubing Tigers haben ihren zweiten Auftritt in der Champions Hockey League (CHL) am Sonntagnachmittag im schwedischen Karlstad mit 1:6 verloren.

Beim amtierenden Meister der SHL waren die Niederbayern trotz früher Führung am Ende chancenlos, auch weil sie den läuferisch starken Gegner mitunter zum Toreschießen einluden. Das Bemühen war dem Team aus der DEL nie abzusprechen, doch allein in Sachen Effektivität und Disziplin waren die Schweden den Gäubodenstädtern am Sonntag einiges voraus. „Es ist schwer, auswärts zu beginnen. Dass wir drei von sechs Punkten mit nach Hause nehmen, ist wichtig für uns. Das ist ein guter Ausgangspunkt“, so das dennoch ganz zufriedene Fazit von Tigers-Trainer Tom Pokel zum ersten CHL-Wochenende in der Historie der Niederbayern.

Pokel beließ seine Auswahl im Vergleich zum 4:0-Erfolg am Freitag in Krakau unverändert. Das hieß, erneut nahmen Verteidiger Benedikt Kohl und Bastian Eckl auf der Tribüne Platz, da die Niederbayern personell weiter aus dem Vollen schöpfen können. Mario Zimmerman (als siebter Verteidiger) und Yannik Valenti (als 13. Stürmer) rotierten immer wieder in die Reihen hinein.

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Guter Start für die Straubing Tigers

Die Gäste aus Straubing nahmen den Schwung vom 4:0-Sieg aus Krakau mit in die Anfangsphase beim Gastauftritt in Schweden. Und so überraschten die Tigers den Meister der SHL mit forschem Offensivspiel und gingen folgerichtig früh mit 1:0 in Front. Travis St. Denis nutzte das erste Überzahlspiel des DEL-Klubs nach starkem Querpass von Mark Zengerle. Der Kanadier zog von halbrechts trocken gegen die Laufrichtung von Karlstads Goalie Dennis Hildeby ab und traf ins lange Eck. Die erneut zahlreich mitgereisten Tigers-Fans explodierten – leider zum letzten Mal an diesem Nachmittag. Die Führung der Gäste war zu diesem Zeitpunkt auch noch absolut verdient.

Doch in der Folge des ersten Drittels kam der Schwedische Meister besser in die Partie und erzeugte vor allem viel Verkehr vor dem Straubinger Gehäuse. Der Lohn: Ein Reboundtreffer und ein erfolgreich abgefälschter Schuss drehten die Partie noch in den ersten 20 Minuten zugunsten der Hausherren. Zunächst hatte Hunter Miska einen Schuss von Verteidiger Axel Bergkvist nach vorne abprallen lassen, wo Marcus Westfält goldrichtig stand und die Partie ausglich (11.). Keine zwei Minuten später fälschte der junge Lucas Forsell (18) einen Schlenzer von Anton Berglund regelkonform mit dem Schlittschuh zum 2:1 für Färjestad ab. Der Youngster hatte den Puck nicht gekickt, sondern nur seinen Schlittschuh gestellt, um die Scheibe ins Straubinger Tor zu leiten. Die Schiedsrichter bestätigten dies nach Videobeweis.

Unschöne Aktion von St. Denis

Im zweiten Drittel gehörte die Anfangsphase wieder den Niederbayern, doch ein weiterer Treffer wollte gegen den guten Hildeby (21) im Tor der Hausherren nicht gelingen. Und hinten führte ein erneuter Fehler zum 1:3. Cody Lampl bekam die Scheibe im eigenen Drittel nicht zu Trent Bourque gespielt – und Karlstad bestrafte das in Person von Michael Lindqvist postwendend. Als wenig später St. Denis nach einer unschönen Aktion gegen Forsell – der Kanadier hatte den jungen Schweden mit seinem Schläger zwischen die Beine geschlagen – vorzeitig zum Duschen ging, sah alles nach einer schnellen Entscheidung aus. Doch das starke Straubinger Unterzahlspiel überstand die brenzlige Situation unbeschadet und gab der Mannschaft so die Gelegenheit, weiter im Spiel zu sein - vorerst.

Denn auch so schafften es die Schweden, noch vor der zweiten Pausensirene auf 4:1 zu erhöhen. Die Skandinavier machten sich die Angriffsbemühungen der Gäste zunutze und konterten im eigenen Stadion. Am Ende des Gegenangriffs in der 37. Minute verwertete erneut Lindqvist zum 4:1 für Färjestad. Im Schlussdrittel ein ähnliches Bild: Straubing stets bemüht, teils aber zu undiszipliniert und hinten oft den berühmten Schritt zu spät. Und so erhöhten die Schweden durch Routinier Per Åslund und Kapitän Linus Johansson zum 6:1-Endstand.

Bei internationalen Topteams ist Disziplin gefragt

Es war alles in allem eine gute Lehrstunde für den CHL-Debütanten aus Straubing, der auf schmerzhafte Weise erfahren musste: Bei internationalen Topteams kommt man nur zum Erfolg, wenn man fehlerlos und diszipliniert spielt. Beides gelang den Niederbayern am Sonntag trotz der Unterstützung der mitgereisten Fans nicht. Und so gab es statt einer Überraschung eine glatte Niederlage, auch weil die Skandinavier vor allem in Sachen Zweikampfverhalten in der Offensivzone europäische Extraklasse bewiesen.

Das treffende Fazit von Cheftrainer Tom Pokel dazu: „Wir haben phasenweise hervorragend Eishockey gespielt. Aber bei den Kleinigkeiten mussten wir teuer Lehrgeld bezahlen. Die Fünf-Minuten-Strafe von St. Denis tat unserer Mannschaft weh und hat Energie in Unterzahl verbrannt. Wir haben auf die harte Art und Weise gelernt, dass diese Fehler knallhart bestraft werden. Ich bin nicht glücklich über die Niederlage, aber ganz zufrieden damit, dass wir erkennen mussten: Gegen ein Topteam wie Färjestad dürfen wir nicht kompliziert spielen und erwarten, dass wir trotz unnötiger Scheibenverluste gewinnen.“

Tuomie lobt die Fans der Tigers

Tigers-Stürmer Parker Tuomie ergänzte – schon mit Blick aufs kommende Wochenende und die Rückspiele zu Hause gegen Krakau und Karlstad: „Das ist unsere erste Niederlage in der Vorbereitung und der Champions League, wir dürfen das nicht zu hoch hängen. Und Tom wird uns neue Tipps zeigen, wie wir diese Mannschaft schlagen können.“ Einig waren sich alle, was die fantastische Unterstützung der reisefreudigen Tigers-Fans anging. „Das war Gänsehaut pur. Ich denke, auch die schwedischen Fans waren ziemlich beeindruckt“, sagte Tuomie. Am kommenden Wochenende gilt es nun, auch die Teams aus Polen und Schweden bei ihren Auftritten am Straubinger Pulverturm zu beeindrucken - dann sind weitere Erfolg in der europäischen Königsklasse möglich.

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