100 Jahre Freistaat Bayern Als der FCN dominierte und in München ein Dreikampf herrschte

Auch der TSV 1860 gehörte in den 20er Jahren zu den erfolgreichen Mannschaften in Bayern. Hier die Mannschaft aus dem internationalen Vergleich mit Montevideo aus dem Jahr 1929. Foto: TSV München von 1860

Sechs Jahre in Folge hat der FC Bayern München die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Das war jedoch nicht immer so, denn in den Anfangsjahren des Freistaats Bayern standen Mannschaften aus Franken an der Spitze.

Viele Kinder, die Mitte September eingeschult wurden, haben nur den FC Bayern München als deutschen Fußballmeister erlebt. Sechsmal in Serie holten die Münchener den Titel, mit 28 Meistertiteln steht der Verein unangefochten oben. Als zweite Kraft hat sich in Bayern mittlerweile der FC Augsburg etabliert. In den Anfangsjahren des Freistaats sah das noch ganz anders aus, der Nabel des bayerischen, ja sogar deutschen Fußballs, lag etwas weiter nördlich, in Franken. Zusammen mit Fußballhistoriker Andreas Tschorn haben wir die Spitzenvereine der damaligen Zeit unter die Lupe genommen.

Die Rolle des Dominators, die der FC Bayern heute inne hat, füllte in den 20er Jahren der 1. FC Nürnberg aus. Dessen größter Widersacher war direkt vor den Grenzen der Stadt beheimatet, in Fürth. Die erste Deutsche Meisterschaft nach dem Krieg in der Spielzeit 1919/1920 machten die beiden mittelfränkischen Rivalen unter sich aus - im Finale schlug der 1. FC Nürnberg die SpVgg Fürth mit 2:0. Das war nur der Auftakt in ein goldenes fränkisches Fußballjahrzehnt. Noch vier weitere Male hielten die Nürnberger den Meisterpokal mit der Siegesgöttin Viktoria in ihren Händen. Zwei Mal reckten die Fürther den Siegerpokal in die Höhe.

Visionäre in der Führung

"Beide Vereine hatten schon zur damaligen Zeit viele auswärtige, ja sogar internationale Spieler", nennt Andreas Tschorn einen für ihn wichtigen Schlüssel zur damaligen Dominanz. Tschorn führt die große Zahl auf Nürnbergs Status als Verkehrsknotenpunkt und Handels- und Industriezentrum zurück. Schon weit vor dem ersten Weltkrieg hat die Vereinsführung beider Clubs auf internationale Trainer gesetzt, bevorzugt aus dem Fußball-Mutterland England, aber auch aus Ungarn, einer damals führende Fußballnation.

Den Fachmännern gelang es, das Spielniveau in den Vereinen spürbar zu heben, wovon die Clubs noch Jahre später profitieren sollten. "Die ausländischen Trainer waren ein wichtiger Baustein für den Erfolg in den 20er Jahren", sagt Tschorn. Erste Wegbereiter der späteren Dominanz waren laut dem Fußballhistoriker die Engländer William Townley (Nürnberg/Fürth), Fred Walker (Nürnberg), Fred Skipsley (Nürnberg) sowie Fritz Servas (Nürnberg). Auch nach dem ersten Weltkrieg führten die Verantwortlichen die Strategie fort, Townley und Spiksley kehrten zurück, beim FCN feierte zudem der Ungar Izidor Kürschner eine Meisterschaft.

 
 

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