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Artikel vom 03. Oktober 2010 12:24, 151 mal gelesen

Glaube als Maßstab für das täglich Neue

Benediktiner-Altabt Odilo Lechner in seiner Predigt Festgottesdienst zum 150. Jahrestag der ersten Ausgabe des Straubinger Tagblatts

Impressionen vom Festgottesdienst zum Geburtstag des Straubinger Tagblatts.

Impressionen vom Festgottesdienst zum Geburtstag des Straubinger Tagblatts.

Straubing. (mon) Die erste Ausgabe des Straubinger Tagblatts jährte sich am 1. Oktober auf den Tag genau zum 150. Mal. Gefeiert wurde dieser in der kurzlebigen Medienlandschaft außergewöhnliche Tag nicht nur mit der umfangreichsten Zeitungsbeilage in der Verlagsgeschichte. Beim Festgottesdienst in der vollbesetzten Karmelitenkirche, beeindruckend umrahmt vom Kammerchor unter Leitung von Gerold Huber und Martin Schwendke an der Orgel, hielt Benediktiner-Altabt Dr. Odilo Lechner die Festpredigt. Er stellte heraus, wie wichtig es für eine Zeitung ist, den christlichen Glauben als Basis zu haben, um die Zeitläufe beurteilen zu können, den Lesern Neues zu vermitteln, es einzuordnen und bei allem, was passiert, Hoffnung zu geben.

Ganz bewusst, so Verleger Prof. Dr. Martin Balle am Ende des Gottesdienstes, sei der 150. Geburtstag des Straubinger Tagblatts mit einem Gottesdienst zum Mitfeiern und nicht mit einem weltlichen Festakt begangen worden. "Es ist ein Unterschied, vor welchem Hintergrund wir berichten oder nicht." Das Straubinger Tagblatt sei bis heute dem Programm seines Gründers Clemens Attenkofer "in Ehrfurcht vor Gott" verpflichtet.

Festgottesdienst zum Jubiläum (8 Einträge)

 


Dank zu sagen sei heute nicht mehr selbstverständlich, hatte Prior Pater Georg Bertram eingangs gesagt. Mit Pater Englmar Reiner, Pater Rainer Fielenbach, Monsignore Jakob Hofmann und Benediktiner-Altabt Odilo Lechner feierte er die Messe. "Dabei ist Dank durch nichts zu ersetzen." Die Verlegerfamilie Balle, die Mitarbeiter und die Leser - auch viele Vertreter des öffentlichen Lebens - erinnerten sich heute "freudigen Herzens" an die Gründung des Straubinger Tagblatts und sagten Dank für die gedeihliche Entwicklung des Verlags.



Harter Wettbewerb
Als kleiner Bub erinnere er sich an einen Witz aus der NS-Zeit, begann Altabt Odilo Lechner seine Predigt. Ein Mann sei mit einem Radio unterm Arm in eine Kirche gekommen. Das Radio wolle er zum Beichten bringen, denn es lüge von früh bis spät, so seine Anspielung auf die unsägliche NS-Propaganda. Dieser Propaganda habe die damalige Tagblatt-Verlegerfamilie Huber nach Kräften widerstanden, würdigte Odilo Lechner. Heute schreibe man den Medien zu, dass sie mitunter lügen. Er zitierte Papst Benedikt XVI., der moniert, dass die Medien sich im härter werdenden Wettbewerb gedrängt sehen, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. Das gehe oft auf Kosten des Wahrheitsgehalts, so die Kritik des Papstes.

Wenn eine Zeitung 150 Jahre alt werde, wecke das Vertrauen. "Sie berichtet nicht nur Tagesneuigkeiten, sondern bewahrt die Erinnerung", würdigte der Altabt. "Das ist wichtig." Denn die Erinnerung ermögliche eine Einordnung des Geschehens und zeige, was wert sei Bestand zu haben. Die Christen lebten in der steten Erinnerung an die Heilstaten des Herrn und seien sich bewusst, dass "der Herr alles neu macht". Aus Anlass des Tagblatt-Jubiläums rief er auf, sich daran zu orientieren, "was bleibt und immer Neues entdecken lässt, das Evangelium".

Wer nicht jeden Tag die Bibel und die Zeitung lese, wisse weder über die Welt Bescheid noch über das, was die Welt brauche, zitierte Odilo Lechner den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau und erklärte, die Heilige Schrift gebe Orientierung. Die Zeitung müsse zwar auch über Übel berichten, solle aber auch eine tröstende Botschaft bringen. In all unseren Ängsten und Hoffnungen sei die tröstende Botschaft das Geheimnis Jesu, das unausschöpfbar sei. Fortschritt heiße im Sinne des heiligen Augustinus nicht, immer dem Neuen nachzujagen, sondern zu begreifen, was in der bleibenden Wahrheit Gottes enthalten sei.

Vertrauen der Leser
Dem Straubinger Tagblatt wünschte er, dass es das Vertrauen seiner Leser immer erfüllen möge, Wahres berichte, mit Neuem vertraut mache, mit dem Glauben als Maßstab, um die Zeitläufe beurteilen zu können und die Hoffnung auf die Zukunft zu behalten. Den Zeitungs-Mitarbeitern wünschte er Freude an ihrer Arbeit und schloss schmunzelnd mit einer Anekdote von Mark Twain, der als Redakteur einmal ein Manuskript samt einer Kiste Zigarren zugesandt bekam. "Die Zigarren sind hervorragend, das Manuskript leider nicht", habe Twain dem Absender geantwortet, "schicken Sie künftig nur noch Zigarren". Er wünschte dem Tagblatt, dass es viele gute Manuskripte bekommt.

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Ein umfangreiches Online-Spezial zum 150. Geburtstag des Straubinger Tagblatts finden sie hier.

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