Lesenswert (0) Empfehlen Google +

Artikel vom 27. September 2010 10:29, 170 mal gelesen

Volontärin beim Maßkrugstemmen

Der Sonnenzug ist ein fester Termin im Straubinger Jahreslauf. Damit die Fahrt für Senioren und Menschen mit Behinderung stattfinden kann, veranstaltet das Straubinger Tagblatt jeden Juni das Sonnenzugfest, bei dem Zeitungsmitarbeiter ehrenamtlich in die Rolle von Grillmeistern, Bedienungen und Glaslwaschern schlüpfen. Der Erlös kommt dem Sonnenzug zugute. In diesem Jahr war auch Sophie Schattenkirchner, Volontärin in der Lokalredaktion Straubing, mit dabei.

Es ist Samstag, 12. Juni, 9 Uhr morgens. Bei strahlendem Sonnenschein, aber noch im Schatten des Stadtturms, werden die Käseschneidemaschine, Grill und Ausschank aufgebaut. Es herrscht geschäftiges Treiben am Theresienplatz. Noch schnell die Schürze übergeworfen und schon wird mit angepackt.

"Am Stadtplatzfest wirst du wahrscheinlich bedienen", kündigte mir mein Chef bereits eine Woche vor dem 12. Juni an. Kein Problem, dachte ich mir da noch, schließlich habe ich vier Jahre im Cairo bedient, fünf Saisonen war ich Bierausträgerin im Eishockey. Vielleicht hätte ich mir bereits zu diesem Zeitpunkt überlegen müssen, dass durch zwei Jahre schreiben, tippen und Fotos machen als studienbegleitende Volontärin im Tagblatt, die Armmuskulatur nicht gerade gestärkt wurde. Die erste Bestellung um halb elf Uhr lautet: "Vier guad eingeschenkte Maß." Voller Elan gehe ich zum Ausschank, der lichtgeschützt unter einem blauen Schirm steht, dort herrscht, wie am ganzen Stadtplatzfest, lockere und ausgelassene Stimmung. Nur bei mir auf einmal nicht mehr: Vier Liter Bier sind eben doch nicht mehr so leicht, wie sie es früher einmal waren. Aber bei "meinen" Gästen angekommen, werde ich belohnt: Fast alle sind gut drauf, freuen sich über den schönen Tag und geben reichlich Trinkgeld. Da werden die Bratwürstel in höchsten Tönen gelobt, das traumhafte Wetter beschwört und zur Musik geschunkelt. Einige "entfernen" die heiß begehrten Sonnenschirme der Nachbarn, während die sich eine Tasse Kaffee holen. Die Hitze an diesem Tag trifft aber wohl eher die Arbeitenden als die Biertrinker. Vor allem Heinrich und Dieter aus dem Grillhähnchenstand können ein Lied davon singen. Die beiden verharren den ganzen Tag vor dem Grill und trotzen mit ihrer guten Laune den hohen Temperaturen. Böse erwischt hat es auch Kathi vom Leserservice: Blasen an den Füßen. "Des kommt von dem Rumrennen", stellt sie fest und sucht dann die Nähe der Kühlschränke im Cola-Stand.


Beim Glockenschlag endet das Fest
Nach dem Mittagessen steigt die Stimmung der Gäste: Eine Dame verspricht den Musikern eine Maß auszugeben, wenn die ihr Lieblingslied "Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand" singen, ein preußisch anmutender Straubinger bestellt eine "Maaaaß" und die Stadtkapelle spielt auf. So gut die Laune der Gäste, so groß inzwischen meine Erschöpfung: Ich sehne mich nach meiner Fotokamera, meinem Schreibblock und einem Stift. , abgesehen davon nach einer kalten Dusche und Schatten. Gegen 16 Uhr endet das Fest, beim Glockenschlag des Stadtturms reiße ich mir die verklebte Schürze herunter. Es hat Spaß gemacht mit fremden Leuten ins Gespräch zu kommen, bekannte Gesichter wieder zu sehen, direkt am Stadtplatz zu arbeiten und seine Kollegen um sich zu haben. Aber das alles kann ich auch ohne Blasen an den Füßen, Muskelkater in den Armen und mit Senf verschmierter Jeans haben: Jeden Tag bei meiner Arbeit in der Lokalredaktion. Und "Bierfrau" sagt hier sicher niemand.

Von Sophie Schattenkirchner

Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Anzeige
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige