20.000 Euro für eine schnelle Halbe Bier
Studenten der Hochschule bauen eine Renn-Bierkiste mit Elektromotor
Das Elektrokistl mit Hülle: Bei abgenommener Sitzfläche kann man die eigens entworfenen Akkus (weiß) sehen, die die Kiste antreiben.
Von Andreas Landes
Eingepackt in Motorradjacke, Helm und Handschuhe sitzt Maximilian Hauser auf dem Mini-Boliden; den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, die Hände an der Lenkstange, die Füße schweben ausgestreckt über dem Boden. "Fahr dich erst einmal ein bisschen ein", rät ihm Michael Schmid wohlwollend. Er ist Bereichsleiter Entwicklung beim Entwicklungsdienstleister Enders Ingenieure GmbH. Aber Hauser ist schon unterwegs. Er drückt den Daumengashebel und zieht ab. Auf dem Parkplatz der Ingenieurfirma rast der Werkstudent Richtung Ausfahrt. Kurz vor der Straße geht er vom Gas, nimmt die Füße runter und schleift sie zum Bremsen auf dem Asphalt. Mit vollem Körpereinsatz lenkt er in die Kurve, dreht um und kommt mit Vollgas zurück.
In 3,8 Sekunden auf 65 Stundenkilometer
Als Zuschauer dieser Demonstration staunt man nicht schlecht, denn das Gefährt, auf dem der Rennfahrer sitzt, ist kein Go-Kart oder neuartiges E-Bike: Es ist eine Bierkiste auf Rädern. Und die hat es in sich: In 3,8 Sekunden schafft sie es zur Höchstgeschwindigkeit von 65 Stundenkilometern - theoretisch zumindest. Mit 12 PS auf gute 20 Kilogramm ist der Elektro-Flitzer schwer im Zaum zu halten. "Wir bringen die ganze Leistung auch noch nicht auf die Straße", sagt Schmid, "gerade sind wir bei etwa 60 Prozent." Die gesamte Kraft über die beiden kleinen Hinterräder auf den Asphalt zu übertragen sei gar nicht so einfach.
Entwickelt und gebaut haben die Bierkiste Michael Neumüller und Georg Fleischmann, zwei Studenten der Hochschule Landshut, zusammen mit dem Ingenieurbüro im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit. Angestoßen hat die Idee Christian Plötz, Bereichsleiter Systeme bei Enders, vor etwa eineinhalb Jahren. In seinem Heimatort Hohenthann werden seit zwei Jahren Bierkisten-Rennen ausgetragen. Allerdings starteten dort bisher nur Kisten, die von Benzinmotoren angetrieben werden.
Beim Brauereifest am 11. September wird auch in diesem Jahr wieder ein Rennen stattfinden, in dem motorisierte Bierkisten in drei verschiedenen Klassen gegeneinander antreten werden. Dabei will das eigens ins Leben gerufene "Cr(e)ate Racing Team" (crate (engl.): Getränkekiste) vom Ingenieurbüro ganz vorn dabei sein. "Natürlich wollen wir da Erster werden", sagt Schmid mit einem Schmunzeln, "so viel Ehrgeiz haben wir schon."
Um den Benzinern Konkurrenz zu machen, haben die beiden Studenten über mehrere Monate an der Elektrotechnik und der Mechanik des Flitzers gearbeitet. Unterstützt wurden sie von Werkstudent Maximilian Hauser. Am Ende standen etwa 20000 Euro Konstruktionskosten, die die Firma in das Elektro-Tragerl investiert hat. Einzig für das Hohenthanner Rennen wäre die Bierkiste aber wohl ein etwas teurer Spaß.
Für den Entwicklungsdienstleister, der sich normalerweise mit Aufträgen unter anderem in der Automobilbranche und der Raumfahrt beschäftigt, geht das Projekt auch weit darüber hinaus. Zum einen will man damit Nachwuchskräfte erreichen. "So eine Bierkiste ist eine wunderschöne Spielwiese", meint Schmid. Derart interessante Projekte ziehe Nachwuchsingenieure an und begeistere sie für diese Technik.
Das Innenleben der Enders'schen Bierkiste: Viel heiße Technik statt 20 kühlen Halben.
Zum anderen könne man sich einen Technologievorsprung erarbeiten, indem man in der Elektro-Kiste viele verschiedene Elemente des Elektromotorbaus testet und erforscht: Batterieleistung, Batteriemanagement, Spannungswandler, Leichtbaumaterialien oder Radnabenantrieb. "Wir haben eine Liste, auf der noch über 20 Ideen stehen, die wir ausprobieren wollen", sagt Schmid. Letzten Endes könne man die Technik in der Kiste mit einem Elektroauto vergleichen. Die Erkenntnisse, die in der Arbeit mit der Bierkiste gewonnen werden, könnten in Zukunft auch auf die Elektromobilität angewendet werden und zur Fortentwicklung der Technologie beitragen.
Am Feinschliff der Kiste wird gearbeitet
Die Weiterentwicklung und ver-stärkte Nutzung von Elektro-Fahrzeugen hat in diesem Zusammenhang auch eine ökologische Komponente. Zum einen, weil der Wirkungsgrad bei E-Motoren ein Vielfaches über dem eines Benzinmotors liegt. Zum anderen vor allem dann, wenn in Zukunft der Strom aus der Steckdose für die Motoren vermehrt aus regenerativen Energien kommt.
Dies könne man dem Normalverbraucher anhand der Bierkiste auch auf Messen oder Ausstellungen näherbringen. Elektromobilität sei in aller Munde, sagt Schmid. Mit Hilfe des Bierflitzers könne man die Technik, die hinter dem Begriff steckt, sehr gut erklären und zu verstehen helfen.
Dieser Tage wird nun bei den Ingenieuren von Enders am Feinschliff der Renn-Bierkiste gearbeitet. Die wichtige Entscheidung, wer als Fahrer der Kiste an den Start geht, muss noch unter zwei Kandidaten ausgekämpft werden. Erst dann kann der Mini-Bolide vollständig auf diesen abgestimmt werden, um schließlich am Renntag in Hohenthann die Bierkiste mit vollem Einsatz zur Höchstleistung zu bringen.
Einen Videobeitrag zu diesem Thema finden sie hier. In Aktion kann man das Bierkistl am 11. September ab 11 Uhr beim Brauereifest in Hohenthann sehen.
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