Turbo-Abi, die Dritte.... Fragen über Fragen
Nach ihrem ersten Artikel hatten die beiden Schüler des Anton-Bruckner-Gymnasiums Straubing, Christian Miethaner (2. von links) und Jonas Geisperger (3. von links) die Möglichkeit, mit Dr. Ludwig Spaenle (links) zu sprechen.
Christian Miethaner und Jonas Geisperger geben nicht auf. Sie sind unzufrieden mit dem achtstufigen Gymnasium.
Nach ihrem Artikel über die Missstände des G8 haben sie den bayerischen Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle getroffen.
Nicht jeder hat die Chance, mit einem Minister persönlich über seine Anliegen zu sprechen. Deswegen sahen wir dem Gespräch mit dem bayerischen Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle mit gespannter Erwartung entgegen. Wir wollten vor allem die allgemeinen Probleme der so genannten Q11, wie die Stofffülle und die hohe Stundenzahl zur Sprache bringen, ihn aber auch mit unserer ganz persönlichen Situation, unserem Alltag als Jugendliche im G8, konfrontieren. Sehr ausführlich formulierte Dr. Spaenle in dem einstündigen Gespräch seine Antworten, die für uns durchaus informativ und
interessant, manchmal jedoch nicht genug auf die Frage bezogen waren.
Was uns am meisten am Herzen lag, war der Konflikt zwischen Schule und außerschulischen Aktivitäten, in unserem Fall die Musik beziehungsweise politisches Engagement. Um die Last durch zu viele Stunden zu reduzieren, wurde uns einmal mehr angeboten, uns doch von "unwichtigen" Profilfächern, die möglicherweise unüberlegt gewählt worden waren, wieder zu trennen. Dass man Chor oder Big Band weder unüberlegt belegt hat, noch einfach "ablegen" kann, weil man dort gebraucht wird und diese Ensembles sonst bald nicht mehr bestehen würden, schien keine Rolle zu spielen. Ebenso wenig, dass einige genau diese Fächer benötigen, um überhaupt auf die Mindeststundenzahl zu kommen.
Theorie und Praxis sind weit voneinander entfernt
Der Minister beharrte darauf, dass in der Oberstufe des G8 auf keinen Fall auf ehemaligem Leistungskurs-Niveau unterrichtet werde, auch wenn oft das von uns "gefühlte" Niveau zumindest über dem der alten Grundkurse liege. Eine Schlüsselfunktion komme den Lehrern zu, wie der Minister immer wieder betonte. Es sei entscheidend, dass sich die Lehrer dem neuen und ungewohnte System anpassenIhre Aufgabe sei es, die Lehrpläne richtig umzusetzen und den Stoff nicht zu detailliert zu unterrichten. Immer wieder wies er darauf hin, dass die Lehrpläne schon oft überarbeitet worden seien und eine nochmalige Kürzung nahezu ausgeschlossen sei. Auch eine Verminderung der Stundenzahl sei nicht möglich, da sonst die Qualität der Bildung leide. Bayern orientiere sich an der von der Kultusministerkonferenz geforderten Mindestzahl an Jahreswochenstunden von 265 und befinde sich damit bereits an der unteren Grenze.
Als große Errungenschaft des achtstufigen Gymnasiums stellte Dr. Spaenle die Seminare dar. Seiner Meinung nach lernen die Schüler dadurch das wissenschaftliche Arbeiten und knüpfen im Berufsleben wichtigen Kontakt zu Unternehmen. Dabei ist es offenbar nebensächlich, dass die Seminare im Gegensatz zu Leistungskursen nicht völlig frei gewählt werden können und deshalb nicht unbedingt nach Eignung und Begabung belegt werden. So müssen zum Beispiel Schüler des Wirtschaftszweiges ihre Facharbeit in Musik schreiben.
Immer noch viele Fragen
Insgesamt hatten wir nicht das Gefühl, dass wir durch das Vorbringen unserer Anliegenviel bewegen konnten. Auch wenn es immerhin bemerkenswert war, dass sich der Minister so viel Zeit genommen hatte. Immer wieder wurde die große Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis deutlich. Was sich in der Theorie schlüssig anhört, ist eben in der Praxis oft nicht eins zu eins umsetzbar. Auf unsere ganz persönlichen Sorgen und Nöte hörten wir wenig konkrete Lösungsansätze. Wie soll man es schaffen, trotz G8 zwei Instrumente zu lernen, zu üben und in mehreren Ensembles zu spielen? Wie soll man als Fahrschüler noch Zeit zum Lernen und für ehrenamtliches Engagement finden, ohne permanent Nachtschichten einzulegen? Wir erfuhren zwar viel über die Strukturen des Systems, über Stundentafeln und "Nachsteuerung", hatten aber bei vielen Fragen nicht das Gefühl, wirklich verstanden worden zu sein. Immer wieder wurden wir darauf verwiesen, dass das Kultusministerium bereits auf die Missstände reagiert und Maßnahmen wie zusätzliche Streichmöglichkeiten von Notenresultaten für das Abitur, getroffen habe.
Zurück blieben bei uns mehr Fragen als Antworten. Weshalb war die so oft erwähnte "Nachsteuerung" überhaupt nötig oder wären bei anderer Planung und Vorbereitung viele Probleme vielleicht vermeidbar gewesen? Hat der Kultusminister wirklich schon alles in seiner Macht Stehende getan hat, um insgesamt die Situation im G8 zu verbessern? Uns geht es nicht nur um uns selbst, sondern auch um die folgenden Jahrgänge. Das entscheidende Problem ist vermutlich, dass uns weder ein Minister, noch sonst ein Politiker das geben kann, was uns im G8 am meisten fehlt: Zeit.
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