Drei Wochen Spiel und Spaß für Alex
Teil 5 unserer Ehrenamts-Serie: Familie Gürster nahm Münchner Ferienkind bei sich auf
Straubing. Wenn Kinderaugen strahlen, dann strahlen auch die von Judith Gürster. Kinderliebe hört bei der dreifachen Mutter und ihrem Mann Manfred aus Irlbach nicht bei den eigenen Buben auf. Deshalb hat sie im August, bereits zum zweiten Mal, für drei Wochen ein Ferienkind aus der Ferienmaßnahme Taka-Tuka aufgenommen - und das ehrenamtlich.
Im Münchner Stadtteil Hasenbergl engagiert sich die Diakonie dafür, dass Kinder, deren Eltern mit ihnen aus verschiedenen Gründen nicht in den Urlaub fahren können, bei Familien in Bayern Ferien machen dürfen. Nach Irlbach reiste der achtjährige Alex - und fragte zum Schluss, ob er denn nächstes Jahr wiederkommen darf.
Im Haus der Familie Gürster geht es heimelig zu. Philipp (6) sitzt auf der Eckbank und malt konzentriert Einsen in sein Schulheft. Tobias (3) schleppt stolz sein Keyboard an und zeigt's der Mama. Und Daniel (9) macht Butterkeks-Brotzeit vor der Haustür. In diese Atmosphäre, in der sich Kinder wohl fühlen, kam Anfang August Alex aus München.
Der Achtjährige lebt mit seiner allein erziehenden Mutter und drei weiteren Geschwistern im Stadtteil Hasenbergl und hätte ohne Taka-Tuka wie jedes Jahr seine Ferien in der Großstadt verbringen müssen. Bei Taka-Tuka handelt sich um eine Ferienmaßnahme für Kinder im Alter zwischen sechs und 16 Jahren. Ihre Eltern sind allein erziehend, können sich Urlaub nicht leisten oder haben gesundheitliche Probleme. Die Jungen und Mädchen dürfen daher drei Wochen in einer Gastfamilie verbringen, die auf ihre Eignung überprüft wird.
"Ich liebe Kinder"
Im Straubinger Tagblatt hat Judith Gürster vor einigen Jahren von der Initiative im Stadtteil Hasenbergl gelesen und Kontakt geknüpft. "Ich liebe Kinder und wäre auch gern Erzieherin geworden", erklärt sie ihre Beweggründe, ehrenamtlich ein Ferienkind aufzunehmen. Zwei Mädchen durften, als der kleine Tobias noch nicht auf der Welt war, bei den Gürsters Ferien machen, und alles klappte prima.
Nach einer kleinen Pause, weil das Nesthäkchen noch klein war, machte die Familie heuer wieder mit und kann nur Gutes berichten. "Alex hat sich, nach den ersten zwei Tagen Heimweh, wunderbar integriert und verstand sich mit allen super", erzählt Judith Gürster. "Er durfte sogar bei mir im Zimmer schlafen", fügt Daniel ganz stolz hinzu, und die Mama schickt hinterher: "Nur, wenn er an Deiner Stereoanlage war, war das nicht ganz leicht für Dich!" Aber Daniel hat, wie seine anderen beiden Geschwister, mit dem Gast bereitwillig geteilt und ihn gut aufgenommen. "Es war auch für meine Jungs ganz gut, mal zu sehen, wie andere Kinder leben", findet die Gastgeberin. Und auf die Frage, ob sie denn den Alex gut gefunden haben, nicken alle drei in trauter Einigkeit.
Spielen und Toben
Von morgens bis abends durfte Alex mit seinen Gast-Geschwistern und den anderen Kindern in der Siedlung spielen und toben. Gleich nach dem Frühstück ging's ins Rondell zum gemeinsamen Trampolinspringen, nachmittags wurde der aufblasbare Pool gestürmt. "Einmal habe ich acht Kinder in unserem Pool gezählt, das war dann schon fast ein bisserl viel", lacht Gürster, die jedoch stets die Nerven behielt. Ausflüge ins Volksfest, Baden an der Donau und Spaziergänge rundeten die Ferien ab.
Und Alex war begeistert. Zwar freute er sich am Schluss des Niederbayern-Aufenthalts schon wieder sehr auf daheim - vor allem auch auf das Computerspielen, denn bei den Gürsters war mehr Bewegung an der frischen Luft angesagt als Fernsehen und der PC - fragte aber gleichzeitig, ob er nächstes Jahr wiederkommen dürfe. "Ich habe ihm geantwortet, wenn es bei dir passt und bei uns auch, dann sehr, sehr gern", sagt Judith Gürster lächelnd.
Melanie Bäumel
Serie - Engagement macht stark
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