"Dabei fließen oft Tränen"
Teil 6 der Ehrenamts-Serie: Michael Born kämpft gegen die Ungerechtigkeit
Michael Born kämpft gegen die Ungerechtigkeit
Straubing. "Ich will Menschen unterstützen, die Angst haben, zu Behörden zu gehen und ihnen wieder mehr Selbstbewusstsein schenken", sagt Michael Born. Seit letztem Jahr engagiert sich der 49-Jährige ehrenamtlich bei einem Hartz IV-Notruf, den er selbst ins Leben gerufen hat.
Zunächst arbeitete Michael Born von zu Hause aus, seit Februar ist er aber mittlerweile donnerstags in den Geschäftsräumen des Bündnisses für Familie in der Koppgasse zu finden. Dort berät er Menschen bei sozialen Rechtsfragen, speziell bei Problemen mit Hartz IV. "Denn das ist mittlerweile so kompliziert, dass keiner mehr richtig durchblickt."
Serie - Engagement macht stark
Schon seit vielen Jahren beschäftige er sich mit den sozialen Gepflogenheiten der Bundesbehörden, erzählt Born. "Weil mich die soziale Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft stört." Dazu motiviert werde er von seiner demokratischen Einstellung. "Der Bürger muss für seine Rechte einstehen und dafür sorgen, dass sie eingehalten werden." Und gerade in der sozialen Gesetzgebung laufe längst nicht alles rund, so Born.
Als ein Bekannter, selbst Hartz IV-Empfänger, Probleme mit Behörden hatte, habe er ihm mit seinem Wissen unter die Arme gegriffen. "Damals entstand dann auch die Idee, anderen Leuten mit meinem Wissen zu helfen." Sein oberstes Ziel sei es dabei, die Hartz IV-Empfänger wieder von staatlicher Hilfe unabhängig zu machen. Eigentlich sollte das auch die Aufgabe des Staates sein, fügt er an. Dem sei aber nicht so. "denn wenn sich die Behörden darum kümmern würden, dann hätte ich ja keine Arbeit." 50 Personen kamen im letzten Jahr zu dem ehrenamtlich tätigen Straubinger, um bei ihm Rat zu suchen.
"Die Hälfte davon sind Alleinerziehende und 90 Prozent Frauen", beschreibt er. Diese Menschen seien durch permanente Geldsorgen am Ende, völlig verzweifelt, hätten kein Selbstbewusstsein mehr. Er lasse sich ihre Fälle schildern, sie einfach reden und ihren Frust los werden. Auf dem Tisch vor sich hätte er immer Taschentücher liegen. "Weil dabei oft Tränen fließen."
Wenn die Leute im Recht seien, und das sei in den meisten Fällen so, informiere er sie über ihre Möglichkeiten und berate über weiteres Vorgehen. "Im konkreten Fall wird dann beispielsweise Widerspruch eingelegt und es kommt zu einer Gerichtsverhandlung."
Der Erfolg, den die Hilfesuchenden am Ende erreichen würden, sei für ihn der Lohn für seine Arbeit. "Und ich habe auch schon ein 'Bin ich froh, dass es Sie gibt' bekommen", sagt er und muss lächeln. Das mache ihm klar, dass sein Ehrenamt eine notwendige und gute Sache sei, mit dem er dem Einzelnen helfen könne. "Für große Veränderungen bräuchte es aber viel mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren."
Simon Franz
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