"Aufpassen, dass nicht Provinzposse wird"
Bei den nächsten Gäubodenvolksfesten gibt es nur sechs Festzelte - Mehrheit im Stadtrat von 25 zu 9 Stimmen - Dr. Adolf Herpich erntet Kopfschütteln
Ein Prosit der Gemütlichkeit! Künftig wird es nach dem Willen der Mehrheit im Stadtrat nur noch sechs Festzelte am Gäubodenvolksfest geben.(Foto: Ulli Scharrer)
Ungewohnte Szenerie im Rathaus-Sitzungssaal: Es müssen zusätzliche Stühle hereingebracht werden, um das Publikum zu fassen, wenn auch nicht soviele wie damals beim Thema Eishockey. Da wurden schon einmal Einlasskarten ausgegeben. Es ging gestern im Stadtratsplenum um die Frage: Sechs oder sieben Festzelte beim Gäubodenfest? Was den Zuhörern geboten wurde, war ein kurzes Spektakel, das eine von Erhard Grundl (Die Grünen) beantragte namentliche Abstimmung beendete: Mit 25 zu 9 Stimmen wurden die sechs Festzelte ohne viel rhetorisches Federlesen für die Zukunft manifestiert.
Eingangs hatte OB Markus Pannermayr informiert, dass sich Herbert Ettengruber, Erwin Steinkirchner und Gabi Sennebogen für die heutige Sitzung entschuldigen ließen. Martin Wackerbauer nahm aus Befangenheit nicht an Debatte und Abstimmung teil, er hätte im Fall des Falles einen Planungsauftrag für das siebte Zelt. Hubert Reisinger nahm als Festwirt nicht teil und Bürgermeister Hans Lohmeier zog sich zurück, "damit nicht Gerüchte auftauchen". Festwirt Martin Lechner ist sein Schwager.
Beschlossene Sache - Sechs Festzelte auf dem Gäubodenvolksfest
Bei der von Erhard Grundl beantragten namentlichen Abstimmung fehlte dann auch noch Rudi Lichtinger, der, nachdem er Dr. Herpichs Zitieren nichtöffentlicher Pläne krisitiert hatte, aus Verärgerung den Sitzungssaal verlassen hatte. Rathausjuristin Dr. Rosa Strohmeier hatte nochmals kurz den Sachverhalt skizziert. Der Festausschuss habe mehrheitlich beschlossen, künftig auf das siebte Zelt Kategorie C "unter Erhalt der Gesamtsitzplatzzahl von mindestens 24000" zu verzichten und die übrigen sechs Zelte wie folgt auszuschreiben: "Festzelt 1 bis 3 Kategorie A, ca 5000 Sitzplätze; Festzelt 4 bis 5, Kategorie B, ca 3000 Sitzplätze; und Festzelt 6 Kategorie B, ca 2800 Sitzplätze." Wie Insider munkelten, soll das Wörtchen "circa" neu sein und bisher ungeahnte Spielräume eröffnen.
"Momentan beste Lösung"
CSU-Fraktionsvorsitzender Peter Mittermeier und sein SPD-Kollege Fritz Geisperger erklärten unisono, sie folgten der Entscheidung des Festausschusses für dieses Konzept als "momentan bester Lösung". Widerstand kam von der ÖPD. Karl Dengler erklärte, "wir sollten einem Bewerber für ein siebtes Zelt eine Chance geben und ihm die Frage überlassen, ob er ein Zelt dieser Größe wirtschaftlich betreiben kann". Mit der von Dr. Rosa Strohmeier formulierten "maßvollen Erweiterung" der übrigen Zelte habe die ÖDP Probleme, was Gerechtigkeit und technische Umsetzung angehe.
Sowohl Franz Prockl (FDP) als auch Erhard Grundl (Die Grünen) stießen ins selbe Horn - für ein siebtes Zelt. Der Stadtrat sollte sich nicht in unternehmerische Risiken einmischen, so die beiden einmütig. Grundl sprach sich gegen eine "Oktoberfestisierung" aus.
FWG: Bürgerbegehren?
Für Kopfschütteln sorgte Dr. Adolf Herpich, der Anhänger eines siebtes Zeltes ist, und davor warnte, "dass es eine Provinzposse wird". Mancher seiner Stadtratskollegen war freilich der Ansicht, dass Herpich dazu selber einen Beitrag leistete, indem er nichtöffentliche Details von Festzelt-Erweiterungsideen nannte. OB Markus Pannermayr befand, das Anrecht der Öffentlichkeit auf derlei Persönlichkeitsrechte und der Konkurrenz tangierende Informationen habe Grenzen. Herpich nannte daraufhin zumindest keine Namen, sprach aber von Erweiterungsideen, die bei zumindest fünf der sechs verbliebenen Wirte schlummerten und im Einzelnen 400, 600 oder noch mehr zusätzliche Plätze beinhalteten. Von maßvoller Erweiterung ist laut Herpich da keine Rede mehr. Als letzten Satz brachte er an, dass die FWG mit dem Gedanken eines Bürgerbegehrens spiele.
Der OB bremste ihn nochmals mit dem Hinweis, er zitiere aus Wunschzetteln. "Und sind bei Ihnen immer alle Weihnachts-Wunschzettel Wirklichkeit geworden?" Herpich jedenfalls versteht nicht, dass man ein siebtes Zelt ablehnt. Es stehe für Vielfalt und Volksfestkultur. "Wenn es so unrentabel wäre, würde sich doch niemand bewerben." Der Stadtrat könne doch die Sympathiewelle in der Bevölkerung nicht übergehen. "Wir entfernen uns von den Bürgern."
Dann wurde namentlich abgestimmt. 25 präsente Räte der Fraktionen CSU und SPD stimmten für sechs Festzelte, die drei ÖDP-, die vier FWG-Räte sowie Erhard Grundl von den Grünen und Franz Prockl (FDP) dagegen.-mon-
ARCHIV: Die Zeltdiskussion geht weiter
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