Tanz mit dem Teufel ist beendet


Giftzwerge am Ludwigsplatz wurden am Montag wieder abgebaut Knapp 100 Wichtel verkauft, zehn geklaut und rund 40 umgeschlagen


 

Montagmittag wurde damit begonnnen, die Giftzwerge am Ludwigsplatz wieder abzumontieren. Innerhalb kurzer Zeit war von den dunklen Wichteln keine Spur mehr zu sehen. Als wäre nichts gewesen...(Foto: su)

Die Gartenzwerge am Ludwigsplatz haben ihren Tanz mit dem Teufel beendet: Montagmittag wurde mit dem Abbau der Installation begonnen, und innerhalb kurzer Zeit waren die vergifteten Kerle aus der Innenstadt verschwunden. Aus den Köpfen der Bürger werden sie sich wohl nicht so schnell verscheuchen lassen: Selten hat eine Kunstaktion in Straubing derartiges Interesse ausgelöst, für soviel Diskussionen gesorgt und die Meinungen so sehr gespalten wie die des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl.


"Es war schon harte Kost, das gebe ich zu", sagt Bürgermeister Hans Lohmeier. Der SPD als Veranstalter sei von vornherein klar gewesen, dass angesichts der Installation kein großer Jubel ausbreche. Lohmeiers Bilanz nach der sechstägigen Aktion fällt trotzdem positiv aus: Es sei eine Menge über den Nationalsozialismus diskutiert worden - wenn auch manchmal in einer anderen Richtung als gewollt. "Aber diese Leute haben das Anliegen der Installation gar nicht kapiert."


1250 "vergiftete Hitler-Zwerge" in Straubing


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Man habe kein Problem damit, wenn jemand unterschiedlicher Meinung ist: "Wir respektieren sie, wenn sie auf vernünftiger und sachlicher Basis vorgebracht und begründet wird." Aber die Mitglieder der SPD, der Grünen und vom "Tisch gegen Rechts", die am Rande der Installation mit Informationen bereitstanden, hätten sich auch viele Pöbeleien, polemische Äußerungen und "krasse, teils ekelhafte Aussagen" anhören müssen. "Es ist erstaunlich, wie aggressiv viele Leute gesprochen haben, vor allem ältere Bürger. Das hätte ich nicht erwartet." Aber daneben habe es auch jede Menge guter Gespräche gegeben und Zuspruch für den Mut, die Installation in Straubing zu zeigen.

 

Schon seit einiger Zeit sorgte das Kunstprojekt "Hitlergruß-Gartenzwerge" für rege Diskussionen in Straubing. Jetzt wurde die Installation aufgebaut. Wir haben die Passanten gefragt, was sie von der Aktion halten.


Überrascht habe ihn das gewaltige Medienecho, das die Installation ausgelöst hat, sagt der Bürgermeister. "Am Wochenende habe ich einmal die Begriff 'Ottmar Hörl' und 'Straubing' bei Google eingegeben, und es kamen 4760 Treffer! Sogar in China und Australien wurde mit Texten der Nachrichtenagenturen dpa und AP berichtet." Straubing weltweit in den Schlagzeilen - zum Beispiel auch in Las Vegas: Eine ehemalige Deggendorferin, die jetzt in der Glücksspielstadt lebt, teilte der Redaktion mit, dass im dortigen "Review Journal" ein Artikel samt Bild über die "Nazi garden gnomes with their arms outstretched in the stiff-armed Hitler salute" großes Aufsehen erregt habe...


Montagmittag wurde damit begonnen, die Installation wieder abzubauen. Bis dahin waren knapp 100 Zwerge verkauft worden, allen voran die 20 goldenen, bilanziert Hans Lohmeier. "Zehn Stück wurden gestohlen und ungefähr 40 umgeschlagen." Nachts hatten Mitarbeiter der Wach- und Schließgesellschaft ein Auge auf die Wichtel - "zum Glück wurde niemand der Männer tätlich angegriffen." Gerüchte, dass die nächtliche Bewachung mit 8000 Euro zu Buche schlug, weist Lohmeier zurück: "Sie hat etwa 1000 Euro gekostet." Zusätzlich habe sich die Polizei mit halbstündlichen Streifenfahrten sehr um die Sicherheit bemüht.


100 Zwerge wurden also verkauft. Aber machen sich die neuen Besitzer strafbar, wenn sie einen einzelnen Wichtel zum Beispiel in ihren Vorgarten stellen? Wegen des vielzitierten "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen"? Günther Ruckdäschel, Leitender Oberstaatsanwalt in Regensburg, will sich dazu nicht näher äußern: "Wir befassen uns nicht vorbeugend mit solchen Fällen. Bisher gab es keinen Anlass zum Einschreiten. Strafrechtliche Konsequenzen hängen immer vom Einzelfall ab, den es zu prüfen gilt."-cla-


Ortsinformation:  Deutschland > Straubing > Ludwigsplatz


Leser-Kommentare (6)

spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider.
noname | 22.10.2009 08:53 |  1 Bewertungen

@Ready

Sie haben den ironischen Kommentar von joey anscheinend anders aufgefasst.


weitere Kommentare

Ready| 21.10.2009 17:54 |  20 Bewertungen
@joey

Diese Aussage stimmt wohl so nicht. Rechtes Gedankengut gibt es durchaus in Straubing

-es gibt den NPD Kreisverband Straubing/Regen (mit Straubinger Postfachadresse)
-des Nachts sind mir schon öfters deutlich erkennbare Freunde des Rechten Gedankens über den Weg gelaufen
- ein Bürgerbüro der NPD in der Osserstr.
-ein Sascha Roßmüller der NPD Kandidat der 2,3% der Erststimmen im Wahlkreis Straubing bekam


noname| 21.10.2009 10:17 |  30 Bewertungen
@refax u.a. / Sponsoren

Hallo Refax, Sie haben am 18.10.2009 um 10:52 beim anderen Artikel angedeutet, dass Ihnen der Sponsor (oder die Sponsoren) dieser "Ausstellung" bekannt sind. Anscheinend sind Sie einer der wenigen hier, die davon wissen.

Benennen Sie doch bitte hier öffentlich die Namen der Sponsoren!! Da Sie anscheinend nur "davon gehört" haben, haben Sie nichts zu befürchten. Vielen Dank.


Blogumsetzer| 20.10.2009 19:59 |  43 Bewertungen
Hörl diffamierte auch den Papst mit einem Zwerg

Leider sind bei diesem Artikel nicht mehr alle Kommentare zu lesen - zum Beispiel die letzten über die Verunglimpfung
des Papstes mit einem PlastikZwerg den Hörl 2005 Ben den betenden Gartenzwerg nannte. (Siehe Internethandel
der Firma. Dort kommt der Zusammenhang zwischen Diffamierung des Papstes und der Straubinger in Zusammenhang mit der Nazizeit durch die Hörl-Plastikwarenzwerge zum Ausdruck.

Lohmeier hat den Straubingern mit diesem Zusammenhang mit der Nazizeit und Kirche ein großes Ei gelegt daß unbedingt staatsanwaltschaftlich geahndet werden muß. Denn die Hörl Zwerge sind KEINE Kunst sondern beim Papstzwerg eine Diffamierung der Gläubigen und beim Nazizwerg eine Diffamierung der Menschen mit strafrechtlichen unzulässigen Nazisymbolen.

Daher nochmal bei den alten Kommentaren nachschauen

http://www.idowa.de/straubinger-tagblatt/container/container/con/636643.html


noname| 20.10.2009 13:47 |  64 Bewertungen
@joey

Sie sagen es! 100%iges Ja!!


joey| 20.10.2009 11:28 |  62 Bewertungen
"Aber diese Leute haben das Anliegen der Installation gar nicht

doch, haben sie. Diese Installtion diente zwei Zwecken: hohe Einnahmen für den Künstler, Prägung der SPD als führende Kraft "gegen Rechts." Kollateralschaden ist das ehrliche und ehrenhafte Gedenken an die wirklichen Opfer der Nazizeit und die Verunglimpfung aller, die in Straubing leben - denn hier gibt es keine Nazis.

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