"Das bringt Bewegung in die Stadt"
Was Straubings Künstler zu der Aktion mit den Hitlergruß-Gartenzwergen sagen
Er und seine 1249 Brüder werden schon bald auf dem Ludwigsplatz herumstehen. Vater der Kunst-Aktion ist Ottmar Hörl. (Foto: Ulli Scharrer)
Straubing. (rac/fun) Gartenzwerge, die die Hand zum Hitlergruß emporrecken. Und das in einer Anzahl von 1250 Stück, mitten auf dem Ludwigsplatz. Dieser Gedanke löst bei manchem Straubinger Befremden aus. Die Aktion des Wertheimer Künstlers Ottmar Hörl, die von Donnerstag, 15. bis Montag, 19. Oktober durchgeführt werden soll, spaltet schon jetzt die Geister. In die Stadt geholt wird sie von der SPD. Wir haben fünf Straubinger Künstler gefragt, was sie vom Aufmarsch der Nazi-Gartenzwerge halten.
Toni Stangl ist Aquarellist. Der Künstler fängt in seinen Aquarellbildern vor allem Landschaften, Stadtansichten und Abstraktes ein. Auf die Gartenzwerg-Aktion von Ottmar Hörl hat er keine allzu große Lust, wie er auf Anfrage mitteilt. "Heutzutage wird ja vieles als Kunst bezeichnet", sagt er und deutet damit schon an, dass er von den Hitlergruß-Gartenzwergen nicht überzeugt ist. "Ich halte davon nichts." Darum auch wird Toni Stangl nicht extra auf den Stadtplatz kommen, um sich kommende Woche die Installation anzusehen. Eines räumt er dann aber doch ein: "Wenn ich zufällig vorbei komme, werde ich schon einen Blick darauf werfen."
Dazi Tyroller, Maler und Bildhauer, hält es mit den Hörl-Arbeiten etwas anders. "Ich verfolge die Arbeit von Ottmar Hörl schon seit rund 15 Jahren und finde sie in Ordnung. Er ist sehr konsequent in dem, was er tut", so Tyroller, der Hörl sogar persönlich kennt und ein paar seiner Werke besitzt. Grundsätzlich ist Tyroller der Meinung, dass Kunst immer etwas bei den Menschen auslösen soll. Und wenn die Automatismen in den Sehgewohnheiten wie bei Hörl durch kleine Abänderungen des Gewohnten gestört würden, dann folge eben ein Aufschrei. Dass der Wertheimer Künstler mit seinen Gartenzwergen provoziert, stört Tyroller nicht. "Jeder Künstler hat seine Ausdrucksweise", sagt er. Er selbst zum Beispiel hatte schon einmal eine Serie, in der er der Lourdes-Madonna den Arm einer Freiheitsstatue anheftete. "Mit dieser Art von Kunst löst man immer etwas aus." Besonders, wenn sie im öffentlichen Raum stattfinde, wie jetzt in Straubing, beschwöre sie auch die öffentliche Meinung herauf. Und das ist nach Dazi Tyrollers Ansicht auch gut so, denn: "Es ist eine der Aufgaben von Kunst, in der Gesellschaft etwas zu bewegen."
Hans Rieser, Bildhauer, kann sich mit der Installation auf dem Stadtplatz nicht so recht anfreunden, obwohl er sich selbst als offen für jede Art von Kunst charakterisiert: "Ich bin zurzeit mit einer für mich sehr wichtigen Entwurfsarbeit beschäftigt. Da kann ich es mir nicht erlauben, von Zwergen gestört zu werden. Wenn es ein Künstler nicht schafft, mit einer Figur zu überzeugen, dann kann er es auch mit 1000 nicht."
Hitlergruß-Gartenzwerge in Straubing
Gertrud Christ, Malerin und Vorsitzende der Gemeinschaft Bildender Künstler, muss auf die Frage, was sie von Hörls Gartenzwergen denn halte, erst einmal lachen. "Ich finde, es handelt sich dabei um eine recht einfache Kunst. Man muss nicht lange nachdenken um zu erkennen, was der Künstler sagen will", so Christ. Dass sie einfach zu verstehen sei, mindere aber nicht ihre Qualität. "Ottmar Hörl will damit provozieren. Es zählt der Gedanke dahinter mehr als die Kunst als solche." Dass nun eine öffentliche Diskussion losgetreten wurde, begrüßt Gertrud Christ. "Wenn es eine Diskussion gibt, hat es seinen Zweck erfüllt." Sie werde auf jeden Fall auf den Stadtplatz kommen, und sich die Installation ansehen.
Erich Gruber ist der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinschaft Bildender Künstler und er sagt von sich: "Ich bin immer für Kunst, solange sie keinen Schaden anrichtet." Darum auch findet er die Gartenzwerg-Aktion Ottmar Hörls gut. "Ich denke, dass sie durchaus Bewegung in unsere Stadt bringen kann." Die Gartenzwerg-Aktion schade niemandem. Sie sei interessant und eine Bereicherung, weil sie die Menschen zum Nachdenken bringe. "Wichtig ist, dass man sich sachlich mit ihr auseinandersetzt", so Gruber. Das habe jede Kunst verdient, egal ob gefällig oder kritisch und aufrührerisch. Erich Gruber merkt an, dass man auch die Dimension von Hörls Aktion nicht vergessen dürfe. "1250 Gartenwerge, das ist nicht beliebig. Da steckt ein Konzept dahinter, das sollte man schon auch schätzen."
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