Ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele
Teil 4 unserer Ehrenamtsserie: Thomas Herrnberger löscht seit 32 Jahren Brände
Thomas Herrnberger löscht seit 32 Jahren Brände
Straubing. "Die Feuerwehr war mein Jugendtraum", erzählt Thomas Herrnberger. Der 44-jährige Straubinger ist seit über 30 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Als Jugendlicher haben ihm vor allem die großen Löschzüge imponiert. In den Ferien bei der Großmutter, kann er sich noch erinnern, habe es einmal gebrannt. Als dann die Feuerwehr anrückte, war für ihn ein Traum geboren.
Bis zu 100 Einsätze hat Herrnberger im Jahr, über die Hälfte davon in der Nacht. Er macht das ehrenamtlich, wie alle Straubinger Feuerwehrmänner und -frauen, geschult durch eine Ausbildung. "Denn erst ab einer Einwohnerzahl von 100000 gibt es eine Berufsfeuerwehr", erklärt er. So kann es sein, dass Herrnberger gerade als Maurer arbeitet - sein eigentlicher Beruf - oder mit seiner Frau beim Einkaufen ist, wenn der Piepser ertönt. Dann hat jemand den Notruf gewählt und die Zentrale alarmiert die Freiwilligen.
"Da lässt man alles liegen und stehen und fährt in die Siemensstraße", sagt er. In der Zentrale wird in der Umkleidekabine dann die Schutzkleidung übergezogen. Auch hier geht es um jede Sekunde: Die Stiefel stehen bereits in der Latzhose, sodass dann nur noch die Träger geschlossen werden müssen. Mit Helm und Schutzjacke rennt er zu den Fahrzeugen. Dort erfahren die Männer und Frauen, um welchen Einsatz es sich handelt, ob Wohnungsbrand oder Verkehrsunfall. In brennenden Gebäuden steht der Rauch bis an die Decke, "dann muss man eben auf allen Vieren kriechen", erklärt er. Es sei stockdunkel, extrem heiß, er selbst sehr aufgeregt. Die Wohnung ist unbekannt und dennoch muss alles schnell gehen.
An was denkt man in solchen Situationen? "Die Person möglichst schnell zu finden und sofort rauszuziehen", so Herrnberger. Es sei ein unglaublich schönes Gefühl, einem Menschen zu helfen.
Nach dem Einsatz gehe es erst einmal unter die Dusche. Wenn es noch mitten in der Nacht ist, versucht Herrnberger sich mit fernsehen abzulenken und schließlich zu schlafen. Denn um sechs Uhr morgens klingelt der Wecker und er muss in die Arbeit.
Doch nicht immer verläuft alles so reibungslos: Zehn bis zwanzig Todesopfer sieht Herrnberger im Jahr. "Diese Ereignisse hat man natürlich im Kopf", erzählt er. Bei einem Autounfall, zu dem er gerufen wurde, kannte er eines der schwer verletzten Opfer persönlich, das sei eine sehr bedrückende Situation gewesen. Auch sein Bruder hatte vor Jahren einen schweren Motorradunfall: "Seitdem weiß ich, was so ein Unfall nach sich zieht."
Durch sein Ehrenamt bei der Feuerwehr habe sich seine Lebenseinstellung geändert. "Ich rege mich über Kleinigkeiten nicht mehr auf und genieße jeden Moment", erklärt er.
Was ihm bei der Feuerwehr besonders gut gefalle, sei die Kameradschaft. Alle zwei Wochen ist montags Übung: Dieser Tag sei heilig, da habe einfach jeder Zeit. Während Herrnberger vom Zusammenhalt unter den Kollegen schwärmt, ertönt über Funk ein Alarm für den Landkreis, eine Scheune brennt. "Bei uns gibt es einfach keine Routine", sagt er, "jede Situation ist anders." Von Fehlalarmen, ungewollten Bienennestern im Sommer, Katzen auf Bäumen oder Wohnungsbränden und Verkehrsunfällen, kann alles eintreten.
Empfehlen kann Herrnberger das Ehrenamt jedem, der gesund und handwerklich begabt ist. "Das Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr hat sicherlich eine bedrückende Seite, bringt aber auch viel Schönes mit sich", betont der begeisterte Feuerwehrler.
Sophie Schattenkirchner
Serie - Engagement macht stark
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