PRO - Die SPD verordnet der Stadt eine nötige Diskussion
Nun rückt es also an, das Heer der Hitlergruß-Gartenzwerge des Wertheimer Künstlers Ottmar Hörl. 1250 von ihnen sollen nächste Woche auf dem Stadtplatz Stellung beziehen. Und eines müsste eigentlich klar sein: Straubing sollte sich schon jetzt darauf freuen.
Warum? Dazu gilt es zwei Fragen zu klären. Die erste lautet: Ist ein Gartenzwerg mit zum Hitlergruß erhobener Hand Kunst? Die Antwort: Natürlich ist es das! Ottmar Hörl bedient sich des legitimen Mittels der Umdeutung und Neuinterpretation bekannter Muster. Das hat die Kunst schon immer gemacht und ist gut damit gefahren.
Seine Gartenzwerge sind aber mehr als nur Neuinterpretationen. Sie sind spannende, relevante Kunst. Denn sie provozieren, sie zwingen den Betrachter dazu, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Schon jetzt wird in Gesprächen und in den Leserbriefspalten hemmungslos darüber geschimpft. Wer diese kreative Form des Anprangerns des Rechtsextremismus verteufelt, der sollte sich einmal fragen, warum er das tut. Hörls Verdienst ist es, dass diese Frage gestellt wird.
Und dass der Künstler seine Gartenzwerge verkauft, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Genauso könnte man Anna Netrebko vorwerfen, dass sie Geld für ihre hinreißenden Opernarien nimmt. Aber wer würde sich einer solchen Kulturfrevelei schon schuldig machen wollen?
Die zweite Frage lautet: Ist der Rechtsextremismus ein Problem, über das gesprochen werden muss? Die Antwort lautet auch hier: Natürlich ist er das! In einer Studie der Uni Leipzig wurden vor Kurzem 26,7 Prozent der Deutschen als latent ausländerfeindlich entlarvt. Das ist erschütternd. Wer da noch behauptet, Rechtsextremismus sei kein Problem, nur weil die NPD bei der Bundestagswahl in Straubing kaum Stimmen bekam, der verschließt die Augen. Genauso gut könnte man behaupten, das Dritte Reich sei einzig durch die NSDAP möglich geworden. Doch waren dazu auch Millionen und Abermillionen Menschen nötig, die sich mit in den braunen Strudel reißen ließen.
Diese Diskussion ist nicht schön, aber sie ist nötig. Und dass sie geführt wird, ist ein Verdienst der Straubinger SPD. Denn sie hat die Kunst-Aktion möglich gemacht. Dafür ist sie grundsätzlich zu loben.
Christian Raffer
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