Auf Zeitreise im Altenheim
Teil 2 unserer Ehrenamts-Serie: Für Brigitte Kögl ist Ehrenamt ein Stück Selbstverwirklichung
Brigitte Kögl kümmert sich in ihrer Freizeit um die Bewohner des Marienstifts.
"Es sind die kleinen Erfolgserlebnisse, über die ich mich am meisten freue," beschreibt Brigitte Kögl ihre Motivation. Sie ist ehrenamtliche Helferin im Caritas Alten- und Pflegeheim Marienstift, wo sie den Bewohnern in Beschäftigungstherapiegruppen Abwechslung und Unterhaltung bietet.
Dort stellen sich auch die Erfolgserlebnisse ein, von denen sie begeistert berichtet: "Es ist ein tolles Gefühl, wenn man den Menschen hier etwas Neues beibringen kann oder wenn sie sich mir gegenüber öffnen und mir etwas über sich erzählen." Neben Bastel- und Spieletreffen arbeitet sie auch in Gesprächsgruppen mit den Bewohnern, denn das Wichtigste sei stets, dass man mit den alten Menschen redet. So entstehe sehr schnell eine persönliche Beziehung zu den Bewohnern und man lerne die unterschiedlichen Charaktereigenschaften kennen, berichtet die Ehrenamtliche.
Serie - Engagement macht stark
Wie sehr die alten Menschen bei Brigitte Kögl aufblühen, zeigt sich zum Beispiel, wenn sie mit den Bewohnern "Biographiearbeit" macht. Bei dieser Form von Gesprächstherapie trifft sie sich mit einer kleinen Gruppe im sogenannten Nostalgiezimmer, ein Raum der mit alten Möbeln eingerichtet und mit noch älteren Alltagsgegenständen dekoriert ist. Zwischen verzierten Zigarrenschachteln, mechanischen Rechenmaschinen und Fotoalben voller schwarz-weiß Portraits können sich die Bewohner in ihre jüngeren Jahre zurückversetzen lassen.
Zu Beginn werden einige dieser Gegenstände herumgegeben und berichtet, ob man damals etwas derartiges besessen hat. Nicht lange dauert es, bis alle Anwesenden in Erinnerungen schwelgen und ganz persönliche Episoden aus ihrem Leben erzählen. Was dabei ans Tageslicht kommt, fasziniert Brigitte Kögl immer wieder. Man erfahre so viel darüber, wie die Personen von der Vergangenheit geprägt wurden, erklärt sie. "Eine Bewohnerin führte früher eine Leihbibliothek und hat auch heute noch einen unglaublichen Hang zu Büchern und der Bewohner, der in seinen jungen Jahren gerne den Frauen die Köpfe verdrehte, flirtet jetzt immer noch mit den Pflegerinnen"
Brigitte Kögl ist schon seit fünf Jahren ehrenamtlich im Marienstift tätig und weiß inzwischen, dass nicht nur die alten Menschen von ihrem Engagement profitieren: "Für mich ist es ein kleines Stück Selbstverwirklichung, denn man bekommt so viel zurück, wenn man sieht, was die eigene Arbeit bewirken kann." Zum Alten- und Pflegeheim kam sie über das Freiwilligenzentrum, das dabei hilft, für jeden der sich ehrenamtlich einsetzen will die richtige Stelle zu finden.
"Ich hatte schon immer eine soziale Ader," lacht sie. Auch das Marienstift ist froh über die ehrenamtliche Unterstützung, wie Beschäftigungstherapeut Henry Shostag informiert. "Ohne die Ehrenamtlichen wäre eine umfassende Betreuung nicht möglich." Schließlich wolle man den Bewohnern die Chance geben, geistig und kulturell aktiv zu bleiben. Dennoch gebe es nicht genug Freiwillige für diese Aufgabe. "Es würde schon reichen, wenn man sich für eine Stunde in der Woche Zeit nimmt und sich mit den Menschen hier unterhält."
Brigitte Kögl verbringt deutlich mehr Zeit im Altenheim und hat deswegen auch eine sehr persönliche Beziehung zu den Bewohnern, die sich stets über ihren Besuch freuen. Am liebsten würden sie sie nach den Treffen gar nicht nach Hause gehen lassen und eine alte Frau vergewissert sich: "Sie kommen aber schon wieder, oder?"
David Chia
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Am Dienstag, 6. September lesen Sie: Stefan Sterr ist als Schülerpate im Einsatz.
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