"Der Zug ist abgefahren"
Nach dem Willen des Festausschusses soll es auch am Gäubodenvolksfest 2010 nur sechs Festzelte geben. (Foto: Ulli Scharrer)
Volksfest 2010: Kein siebtes Zelt, keine Musikverordnung und kein Brauerei-Privileg
Die Abstimmung war offenbar eindeutig: 8 zu 3 soll sie ausgegangen sein. Damit hat sich der Festausschuss am Dienstagabend in seiner nicht öffentlichen Sitzung darauf festgelegt, für das Gäubodenvolksfest 2010 nur noch sechs Zelte auszuschreiben (wie in unserer gestrigen Ausgabe bereits kurz berichtet). Die Ausschreibung wird abschließend zwar erst am Montag, 28. September, in nicht öffentlicher Sitzung im Stadtrat behandelt. Es gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich, dass sich daran noch einmal etwas ändert.
Was wünschen Sie sich für das Gäubodenvolksfest 2010?
Ein siebtes Zelt muss her - aber bitte nur mit Blasmusik! (61,98%)
Wir brauchen ein siebtes Zelt mit Partymusik! (24,48%)
Sechs Zelte reichen völlig - alles soll so bleiben wie 2009! (7,81%)
Sechs Zelte reichen, aber nur mit mehr Sitzplätzen und Blasmusikabenden! (5,73%)
Im Festausschuss sind alle entscheidenden Spitzenpolitiker von CSU und SPD vertreten. "Der Zug", bestätigten gut informierte Kreise nach der Sitzung, "ist abgefahren". Und einer sagte: "Wo der Zug hingeht, ist klar."
Freie Wähler und ÖDP gingen für das siebte Zelt in die Sitzung. Bei einem Abstimmungsergebnis von 8:3 ist damit klar, dass CSU und SPD für sechs Zelte gestimmt haben müssen. Zusammen verfügen sie über neun von elf Stimmen im Ausschuss, die Koalition konnte sich damit eine Gegenstimme aus den eigenen Reihen leisten.
Erst ein Monat ist verstrichen, schon sind die Planungen zum Gäubodenvolksfest 2010 in vollem Gange. Besonders die Diskussionen rund um die Festzeltvergabe.
"Rein rechtlich", sagen gut informierte Kreise, "ist nur das siebte Zelt gestorben." Doch daraus folgen Konsequenzen. Die 1000 Plätze des bisherigen siebten Zeltes werden nun aufgeteilt. Von fünf der sechs Festwirte liegen Erweiterungsanträge für ihre Sitzplätze vor. Die Gesamtsumme soll dem Vernehmen nach über 1000 liegen. Damit wird die Stadt die Erweiterungswünsche beschneiden oder die Zahl der Sitzplätze auf dem Fest insgesamt erhöhen müssen. "Das wird eine ganz komplizierte Geschichte", befürchtet ein Insider.
Auch für die Landkreisbrauereien zeichnen sich neue Möglichkeiten ab; sie sollen den beiden Stadtbrauereien Röhrl und Karmeliten sowie Arco gleichgestellt werden. Damit wird zwangsläufig ein Vorrecht der drei Brauereien fallen. Bisher durften nur sie in die drei großen Zelte liefern, künftig sollen auch Landkreisbrauereien dazu berechtigt sein. Offiziell beschlossen ist das allerdings noch nicht. Aus rechtlichen Gründen kann dieser Beschluss nur vom Stadtrat getroffen werden.
Die geplante Änderung spielt vor dem Hintergrund des Streits zwischen den Festwirten Wenisch und Röhrl. Sie eröffnet Wenisch nun die Chance, auch mit anderen Brauereien als nur Röhrl ins Geschäft zu kommen. Insider sagen schon seit Monaten, dass sich Wenisch mit der Erl-Brauerei aus Geiselhöring einig sei. Bestehen bleibt offenbar die Regelung, dass ein Bewerber um ein großes Zelt ein Straubinger Wirt mit Volksfesterfahrung sein muss. Damit dürfte es für Röhrl sehr schwer werden, einen Wirt für eine Bewerbung um ein großes Zelt zu finden. So scheint ein Zusammengehen der von Erl verlassenen Ochsenbraterei Beck mit Röhrl derzeit am wahrscheinlichsten.
Mit der angedachten Zwangsverordnung zu einem "traditionellen Musikabend" werden die Wirte übrigens nicht mehr rechnen müssen. Bereits vor der Sitzung hatte ein Ausschussmitglied gesagt, dass eine solche Zwangsverordnung vielleicht tatsächlich "eine Schnapsidee" sei. Das sah letztlich wohl auch der Rest des Ausschusses so: Am Dienstagabend war sie dem Vernehmen nach kein Thema mehr. -we-
ARCHIV: Die Zeltdiskussion geht weiter
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