Kommentar: Noch das Beste?
Von Wolfgang Engel
Ob eine Entscheidung falsch ist oder richtig, weiß man meistens erst hinterher. Man wird im nächsten Volksfest sehen, wie es mit sechs Zelten läuft, die fast alle größer sind als bisher. Allerdings scheint es, als gäbe es mindestens einen Verlierer: Röhrl. Die Brauerei hat nicht nur das kleinste Zelt verloren, sondern wird auch das größte Zelt verlieren.
Was wünschen Sie sich für das Gäubodenvolksfest 2010?
Ein siebtes Zelt muss her - aber bitte nur mit Blasmusik! (62,18%)
Wir brauchen ein siebtes Zelt mit Partymusik! (24,35%)
Sechs Zelte reichen völlig - alles soll so bleiben wie 2009! (7,77%)
Sechs Zelte reichen, aber nur mit mehr Sitzplätzen und Blasmusikabenden! (5,7%)
Außerdem bleibt eine Frage offen: Kann dieser Entscheid den Ballermann-Trend auf dem Gäubodenvolksfest stoppen? Das Festzelt Beck wird sich bemühen, den Vorzeige-Blasmusiker Josef Menzl für drei Abende zu verpflichten statt für einen. Das wird es dann auch schon gewesen sein. Die zusätzliche Klangfarbe, die Hans Lohmeier noch vor zwei Jahren in einer Kolumne gefordert hat, wird es so nicht geben. Lohmeier wird sie auch nicht wieder fordern. Er und der Ausschuss haben am Dienstagabend die Chance dazu vergeben: Kein Wirt eines der künftig mindestens 3000 Mann fassenden Zelte wird sich trauen, die Partyschiene zu verlassen. Und damit wird es sein wie bisher: Ein Angebot für Ballermänner.
Erst ein Monat ist verstrichen, schon sind die Planungen zum Gäubodenvolksfest 2010 in vollem Gange. Besonders die Diskussionen rund um die Festzeltvergabe.
Für den größten Teil der Festbesucher wird das auch völlig in Ordnung sein; die meisten wollen Party. Aber ein nicht gerade kleiner Teil hat eigentlich genug davon. Ob das nun beschlossene Konzept sie zufrieden stellen kann, ist fraglich. Die Gefahr ist da, dass das Volksfest in der Altersgruppe 40 plus an Akzeptanz verliert.
Was genau der Grund ist, warum der Ausschuss die beste Lösung in nur sechs Zelten sieht, ist für den Außenstehenden nicht sichtbar. Von außen sieht man nur, dass hier die verschiedensten Interessen von Wirten und Brauereien aufeinanderprallen. Die offiziellen Argumente "kein Platz" und die "Unwirtschaftlichkeit eines kleinen Zeltes" klingen allerdings nicht überzeugend, und das Musikproblem wird nun sowieso völlig ausgeblendet.
Vielleicht ist das, was jetzt beschlossen ist, tatsächlich noch die beste Lösung dieses Wirrwarrs. Aber schon eine alte böhmische Köchin hat einmal gesagt: "Möge der Herr uns bewahren vor Allem, was 'noch das Beste' ist."
ARCHIV: Die Zeltdiskussion geht weiter
ANZEIGE