Gäubodenfest 2009 nur mit sechs Festzelten
Festausschuss entschied am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung Letztes Wort hat der Stadtrat - Festwirte warnen: Sitzplatz-Engpass verschärft sich
2009 nur noch Geschichte: Das Festzelt Schötz/Sommer.
Straubing. Aufsichtsrat der Ausstellungs- und Veranstaltungs GmbH und Festausschuss haben sich in nichtöffentlicher Sitzung am Mittwoch mit der Vergabe des siebten und kleinsten Festzeltes am Gäubodenvolksfest 2009 befasst (idowa berichtete). In einer nüchternen Pressemeldung teilten beide Gremien gestern mit, dass "die vorliegenden Bewerbungen nicht überzeugen konnten". Deshalb empfiehlt der Festausschuss dem Stadtrat, es heuer bei nur sechs Festzelten zu belassen.
Eine Entscheidung ist in der Sitzung am 9. Februar zu erwarten - ebenfalls nichtöffentlich. Die Wogen schlagen aber bereits jetzt hoch: Die Bewerber sind enttäuscht. Die anderen Festwirte befürchten ein noch größeres Gerangel um die ohnehin für zu wenig erachteten Sitzplätze. Und die Stadt sieht sich in der undankbaren Rolle, den internen Zwist des bisherigen erfolgreichen Wirteduos Schötz/Sommer ausbaden zu sollen.
Nur sechs Zelte auf dem Gäubodenvolksfest: Was halten Sie davon?
Das geht nicht! Schon in den letzten Jahren hat man kaum einen Platz bekommen! (88,68%)
Keiner braucht das siebte Zelt. Stattdessen lieber die anderen Zelte vergrößern. (6,79%)
Ist mir egal! (4,53%)
Routine war die Vergabe der sieben Festzelte am Gäubodenvolksfest die letzten Jahre. Manfred Schötz und Erwin Sommer waren fünf mal als Festwirte-Duo am Hagen präsent und haben sich, daran deutelt weder Freund noch Feind, ein positives Image erarbeitet, insbesondere als Oase frecher Volksmusik. Das hätte so bleiben können, wenn nicht Manfred Schötz - so wird gemunkelt - keine Wirte-Duo-Ambitionen mehr gehabt hätte. Die Stadt sah sich in der Folge "missverständlichen Bewerbungen" des ehemaligen Duos gegenüber und gestand ihm bis 1. Dezember eine Einigungsfrist zu. Nachdem es keine Einigung gab, kam die Stadt nicht umhin, neu auszuschreiben. Diese Frist lief am 10. Januar ab.
Schötz und Sommer waren - diesmal jeder für sich allein - wieder unter den Bewerbern. Bei den anderen drei Interessenten soll es sich Insidern zufolge um einen Straubinger Szene-Gastronomen, eine Hotel-Betreibergesellschaft und einen ehemaligen Frühlingsfest-Wirt handeln. Keiner von ihnen wird der lachende Dritte sein. Dass Schötz und Sommer ein Zelt zur Zufriedenheit des Publikums betreiben können, haben sie fünf Mal bewiesen. Wie "keine überzeugende Bewerbung" zu interpretieren ist, darüber hüllen sich alle Beteiligten der Nichtöffentlichkeit der Sitzung wegen in Schweigen.
"Habe Entscheidung zu akzeptieren"
"Ich habe die Entscheidung zu akzeptieren und tue das auch", sagt Manfred Schötz. Tief enttäuscht ist Erwin Sommer. Er habe ein in jeder Hinsicht ausgefeiltes und von seinem ehemaligen Geschäftspartner komplett unabhängiges Konzept vorgelegt. Sommer bedauert die Entscheidung auch um der Arbeitsplätze und Stammgäste willen. Sollte sich das Blatt doch noch wenden, stünde er bereit.
Sowohl Oberbürgermeister Markus Pannermayr als auch sein Stellvertreter im Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Ausstellungs GmbH Bürgermeister Hans Lohmeier halten sich "zum Schutz der Beteiligten" bedeckt. Sie verweisen auf die noch ausstehende Stadtratsentscheidung.
Beide räumen allerdings ein, 1000 Sitzplätze zu verlieren, sei an den besucherstarken Tagen des Festes problematisch. Unter den gegebenen Umständen sei die jetztige Entscheidung, die niemand leicht gefallen sei, aber die einzig mögliche, so Pannermayr. Bedauerlich findet Hans Lohmeier, dass die Erfolgsgeschichte Schötz/Sommer nicht fortgesetzt werde. "Es hätte von uns aus keinen Grund gegeben", sagt er, "aber dass die Stadt Schiedsrichter in einem geschäftlichen Zwist spielt, geht nun mal nicht".
Tut Image nicht gut
Die Festwirte der anderen im Herbst planmäßig vergebenen Festzelte sind nicht minder enttäuscht. Es sei nicht Aufgabe des Wirtesprechers zu kommentieren, aus welchen Gründen das siebte Zelt nicht vergeben worden sei, sagt Anton Wenisch. Sehr wohl kommentiert er aber im Namen seiner Kollegen, dass alle befürchten, dass sich der Sitzplatz-Engpass verschärfen werde, ganz zu schweigen von den Reservierungen. "An sechs, sieben starken Tagen haben wir einfach zu wenig Platzangebot." Und jetzt fehlten mit einem Schlag 1000 Sitzplätze.
Es tue dem Image des Volksfestes nicht gut, wenn die Leute die Meinung entwickelten, 'nach Straubing braucht man eh nicht zu fahren, da kriegt man keinen Platz'. Wenisch sieht bei seinen Festwirtekollegen einen Konsens, die 1000 Plätze den vier mittleren Zelten - Beck, Krönner, Lechner und Nothaft - zuzuschlagen. Juristisch wie logistisch sei das aber wohl nicht so einfach.
Den übrigen Zelten einfach mehr Platz zu geben, scheint nur auf den ersten Blick eine Lösung. Die Rathaus-Juristen wittern da nämlich eine Hürde. Das würde die Ausschreibungskondiditonen im Nachhinein verändern, so dass - wenn schon nicht die zum Zug gekommenen Wirte - eventuell abgewiesene Bewerber Klagen anstrengen könnten. "Es müsste dann wahrscheinlich neu ausgeschrieben werden", sagt Dr. Rosa Strohmeier. Und das gäbe die Kürze der Zeit nicht mehr her.
Vor diesem Hintergrund hält es Günter Reimann, Geschäftsführer der Ausstellungs GmbH, für "eher unwahrscheinlich", dass die Plätze den anderen Zelten zugeschlagen werden.
Die Straubinger dürften aber sicher sein, dass die Ausstellungs GmbH alles unternehme, damit den Besuchern keine Nachteile entstehen. 1000 Sitzplätze weniger seien natürlich eine logistische Herausforderung, räumt er ein, es gelte "die verloren gegangene Sitzplatzkapazität abzufedern".
Was man sich darunter konkret vorstellen kann, will Reimann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Man arbeite mit Nachdruck daran. Dass der GmbH heuer eine Festzelt-Platzmiete ausfalle, sei das geringere Problem. "Wir werden 2009 überbrücken." 2010 werden die Karten neu gemischt.
M. Schneider-Stranninger
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