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Artikel vom 25. October 2012 10:08, 165 mal gelesen

Triathlon

Hausbesuch von der Dopingfahndung

Der Pösinger Triathlet Rainer Steinberger bei der Arbeit (Foto: pr).

Der Pösinger Triathlet Rainer Steinberger bei der Arbeit (Foto: pr).

von Elisabeth Geiling-Plötz

Wenn Rainer Steinberger ausgepowert von seiner Radrunde heimkehrt, dann will er eigentlich nur noch raus aus dem Sattel und unter die Dusche. Doch das klappt nicht immer: In unregelmäßigen Abständen warten die Ärzte der nationalen Dopingfahndung NADA schon vor der Haustüre und bitten zum Dopingtest. Der 36-jährige Triathlet hat dagegen nichts einzuwenden: "Es ist im Sinne der Sportler, wenn die 'Schwarzen Schafe' gefunden werden." Darunter sind mitunter respektable "Über-Schafe" wie jüngst Lance Armstrong. Der siebenmalige Tour-de-France-Gewinner musste diese Woche alle seine Titel abgeben.

Die Herren marschieren mit auf die Toilette


Seitdem ist der Ruf nach mehr Kontrollen wieder laut geworden. Auch der Pösinger Leistungssportler sieht das als mögliche Option. "Klar, man bräuchte viel mehr Kontrollen. Aber das ist wohl ein finanzielles Problem", überlegt der junge Mann. Er bekommt mehrmals im Jahr Besuch von der NADA. Ist niemand zuhause, warten sie vor der Tür. Wenn es sein muss, auch drei oder vier Stunden. Die Herren haben gleich mehrere Behältnisse für Proben dabei und marschieren sogar mit auf die Toilette.

Die übergroße Vorsicht kommt nicht von ungefähr. "Es hat schon Sportler gegeben, die haben sich Fremdurin in die Blase spritzen lassen", weiß Steinberger von diversen Manipulationen. Versuche, die den Triathleten schaudern lassen und zugleich ins Grübeln bringen. "Wie weit und zu was treibt man die Sportler in unserer Gesellschaft noch", sieht Steinberger die Kehrseiten des Leistungsdrucks im Sport angekommen. Der Zweitplatzierte gilt eben vielen schon als erster Verlierer. Das hat der Familienvater am eigenen Leib erfahren. Kommt er von einem Wettkampf zurück, hat sich stundenlang auf dem Rad gequält, ist durchs Meer gepflügt und einen Marathon gelaufen - aber hat keine Goldmedaille um den Hals, dann heißt es: "Na ja, es ist ja bloß Rang" Steinberger: "Und das kommt dann meist von Leuten, die selbst den Kilometer zum Bäcker mit dem Auto fahren." Früher hat ihn diese Geringschätzung geärgert, "jetzt steh' ich drüber".

Aber ist nicht eben diese Ignoranz der letzte Schub, der viele seiner Kollegen zu den verbotenen Substanzen treibt? Mag sein. Auch Steinberger streitet nicht ab, dass die Versuchung im Leistungssport allgegenwärtig ist. Er kennt die Gedankenspiele daheim auf dem Sofa, wenn er überlegt, welche Zeiten er mit diversen Substanzen laufen könnte und was er seinen Kindern vom Preisgeld bieten könnte. Also vielleicht doch für ein entscheidendes Rennen dopen? "Der Preis ist zu hoch", schüttelt Steinberger vehement den Kopf. Die Folgen eines positiven Testes sind verheerend. "Dann geht es nicht mehr um das eine Rennen. Die gesamte Leistung wird infrage gestellt. Das Lebenswerk ist zerstört", malt der Triathlet ein Horrorszenario.

"Lance wäre auch ohne Doping ein Topsportler"

Aber eben eines, das so mancher Sportler erlebt hat. Armstrong ist nur einer von ihnen. "Dabei hat er zuvor schon Rennen gewonnen. Der wäre eh ein Topsportler gewesen", ist Steinberger überzeugt. Denn der Gedanke manches Laien, Doping würde das quälende Training ersetzen, ist ein Märchen. "Doping sorgt dafür, dass der Athlet seinen Motor hochtouriger trainieren kann. Aber mit einer Sonntagsrunde am Rad ist es trotzdem nicht abgetan."

Dennoch, dass es in allen Sportarten - egal ob Fußball oder Gewichtheben - mittlerweile Dopingsünder gibt, steht für Steinberger außer Zweifel. Und nur ein Bruchteil der Missetäter fällt überhaupt auf. "Es wird sich vorsichtig an den erlaubten Grenzwert herangedopt", ist der Pösinger überzeugt. Auch beim Triathlon? "Ich will niemanden etwas unterstellen. Aber es gibt freilich Athleten, bei denen man über eine plötzliche Leistungsexplosion staunt. Die schießen innerhalb eines Jahres plötzlich brutal nach vorn", überlegt der Leistungssportler. Vom "Schlafen und Haferflocken" kann das kaum kommen.

Und wie sieht es mit der oft gehörten Entschuldigung bei vermeintlichen Dopingsündern aus, sie hätten unbewusst verbotene Medikamente geschluckt? "Da hab' ich mich früher auch immer gewundert", gibt Steinberger zu. Jetzt lässt er Zweifel gelten. Seitdem er von seinem Heilpraktiker ein Mittel verschrieben bekam, das er sich gleich in der Apotheke holen wollte. Der Apotheker war sein Retter: Der wurde stutzig, fragte nach und warnte Steinberger. Hätte er die Substanz geschluckt, wären seine Proben positiv gewesen. Und das ganz ohne Dopingabsicht.

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