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Artikel vom 23. January 2013 09:15, 282 mal gelesen

Ski-Alpin: Mono-Ski

Bayerbacherin Schaffelhuber ist das Maß der Dinge

Autor: Johannes Viertlböck
Anna Schaffelhuber mit zwei ihrer Trophäen: Die 19-Jährige ist auch in dieser Saison im Riesenslalom und Slalom das Maß aller Dinge. (Foto: pr)

Anna Schaffelhuber mit zwei ihrer Trophäen: Die 19-Jährige ist auch in dieser Saison im Riesenslalom und Slalom das Maß aller Dinge. (Foto: pr)

Sie siegt und siegt und siegt: Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber präsentiert sich wenige Tage vor ihrem 20. Geburtstag, den sie am Samstag feiert, in ausgezeichneter Form. Vor allem in ihren Paradedisziplinen - dem Riesenslalom und dem Slalom - kann der Bayerbacherin derzeit kaum eine das Wasser reichen. Für die Weltmeisterschaften, die Mitte Februar in Spanien stattfinden, scheint die Athletin bereits jetzt bestens gerüstet zu sein.

Das zeigte sich schon vor Weihnachten bei den Europacuprennen im schweizerischen Lenk. Vier Rennen, vier Siege - einen besseren Jahresausklang hätte sich Anna Schaffelhuber nicht wünschen können. Bei beiden Riesenslaloms und einem Torlauf ließ sie dabei ihre österreichische Rivalin Claudia Lösch hinter sich. Beim zweiten Slalom verwies Schaffelhuber ihre Teamkollegin Anna-Lena Forster auf den Silberrang. Dementsprechend positiv fiel das Fazit der Bayerbacherin aus: "Ich habe mich in den technischen Disziplinen gegen die europäische Konkurrenz sehr gut behaupten können. Jedoch wird sich erst in den Weltcups zeigen, was meine Form wirklich wert ist."

Diese Frage ist mittlerweile ebenfalls beantwortet. Und zwar ganz im Sinne von Anna Schaffelhuber. Dabei hatte das erste Weltcup-Wochenende der Saison in Sestriere (Italien) nicht optimal für die erfolgsverwöhnte 19-Jährige begonnen. Im ersten Riesenslalom reichte es zwar hinter der starken Claudia Lösch, aber noch vor der ebenfalls hoch gehandelten US-Amerikanerin Alana Nichols zu einem guten zweiten Rang. Doch im zweiten Riesenslalom schied Schaffelhuber nach einer bis dahin guten Fahrt aus. Diesen kleinen Schönheitsfehler machte sie allerdings umgehend wieder wett. Denn in den beiden anschließenden Slaloms war die Deutsche nicht zu stoppen und sicherte sich zweimal den Sieg.

Erfreuliches Detail im Rande: "Bei den Rennen in Sestriere begleitete uns ein Kamerateam der ARD", sagt Schaffelhuber. Der Behindertensport wird also auch von den Fernsehanstalten immer ausführlicher beleuchtet. Das dürften nicht zuletzt die Nachwirkungen der Paralympics von London 2012 sein, die in Deutschland auf breites Interesse des Fernsehpublikums stießen.

Auch ein Ausfall kann Schaffelhuber nicht beirren

Die steigende öffentliche Aufmerksamkeit scheint Anna Schaffelhuber anzuspornen. Jedenfalls sammelte die Jurastudentin auch bei der zweiten Weltcupstation in St. Moritz (Schweiz) fleißig Punkte und bewies erneut, dass sie sich auch von einem Ausfall nicht beirren lässt. Diesmal ereilte die Bayerbacherin im ersten Riesenslalom der K.o. Der Grund: Sie war mit ihrer Karbonschale im Schnee aufgesessen und dadurch weggerutscht. Der Ärger über dieses Missgeschick verflog aber rasch. Denn tags darauf stand Anna Schaffelhuber schon wieder ganz oben auf dem Stockerl. Im zweiten Riesenslalom von St. Moritz verwies sie die US-Girls Laurie Stephens und Alana Nichols auf die Plätze.

Einmal in Schwung, legte die 19-Jährige in den beiden abschließenden Slaloms jeweils sichere und gute Läufe hin. Der Lohn waren zwei weitere Siege, wobei jeweils die Österreicherin Claudia Lösch Rang zwei belegte. "Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden", bilanzierte Anna Schaffelhuber. Allerdings sieht die Seriensiegerin auch noch Verbesserungspotenzial. "Es gibt noch einige Punkte, an denen ich in den nächsten vier Wochen arbeiten kann." Das Hauptaugenmerk der Monoskifahrerin gilt nämlich den Weltmeisterschaften, die vom 16. bis zum 28. Februar in La Molina ausgetragen werden. Auf den Pisten in den spanischen Pyrenäen möchte die Niederbayerin möglichst oft wieder die Medaillenspur finden.

Gelegenheit dazu wird sie reichlich haben, sofern sie gesund und von Verletzungen verschont bleibt. Denn Anna Schaffelhuber plant, in sämtlichen fünf alpinen Disziplinen - also Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombination - an den Start zu gehen. Auch für den Mannschaftswettbewerb dürfte Schaffelhuber von den Trainern gesetzt sein. In La Molina hat die dann 20-Jährige trotz ihrer Jugend einiges zu verteidigen. Im Riesenslalom, Slalom und in der Super-Kombination wird sie als amtierende Weltmeisterin die Topfavoritin sein.

In Abfahrt und Super-G fehlt noch etwas Erfahrung

Etwas anders sieht es in den Geschwindigkeitsdisziplinen aus - vermutet jedenfalls Anna Schaffelhuber selbst. "Im Speedbereich fühle ich mich, auch wegen recht geringen Trainings, noch nicht so wohl." Bis zur WM werde sie aber "jede Gelegenheit nutzen, um mich vorzubereiten. Im Speedbereich ist die Erfahrung ein sehr großer Faktor." Diese Erfahrung sammelt Schaffelhuber momentan beim Europacup in Tarvisio (Italien). Dort stehen zwei Abfahrten und eine Super-Kombination auf dem Programm. Weiter geht es dann vom 2. bis 7. Februar beim Europacup in Tignes (Frankreich). Die WM-Generalprobe findet schließlich im slowenischen Rogla statt, wo im Rahmen des Weltcups je zwei Riesenslaloms und Slaloms ausgetragen werden. Für Anna Schaffelhuber also die Gelegenheit, noch eine Menge Selbstvertrauen zu tanken, ehe die Siegesserie in La Molina fortgesetzt werden soll.

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