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Artikel vom 21. Januar 2013 14:29, 61 mal gelesen

Wintertagung in Landshut

Bei Zuschauerinteresse hinkt die Bayernliga Süd hinterher

Autor: Dirk Meier
Spielleiter Johann Wagner ist mit den Zuschauerzahlen der Bayernliga Süd nicht zufrieden (Foto: Dirk Meier).

Spielleiter Johann Wagner ist mit den Zuschauerzahlen der Bayernliga Süd nicht zufrieden (Foto: Dirk Meier).

Die erste Wintertagung der 19 Klubs der Fußball-Bayernliga Süd ist am Samstag im Sportheim der SpVgg Landshut an der Sandnerstraße über die Bühne gegangen. Ligaleiter Johann Wagner lobte die beiden Veranstalter TSV Aindling und FC Affing für die gute Organisation des Eröffnungsspieles am 17. Juli 2012, das der Startschuss für ein neues Zeitalter gewesen ist. Denn damit nahm die neue Bayernliga Süd ihren Spielbetrieb auf. Wagner war aber verärgert, dass sieben Vereine, also mehr als ein Drittel, der Eröffnungsveranstaltung fern geblieben sind: "Das war nicht in Ordnung." Im Zuge der Ligareform im Sommer 2012 wurde der Online-Spielbericht eingeführt: "Ab dem vierten Spieltag haben alle Vereine den Online-Bogen ausgefüllt. Für den Spielleiter ist das schon eine große Erleichterung", so Wagner. Elf Spiele fielen Ende 2012 der Witterung zum Opfer, eine Partie ist bereits nachgeholt worden. "Man hat deutlich gesehen, dass es in einer so hohen Spielklasse wie der Bayernliga keine leichtfertigen Spielabsagen gegeben hat."

Aber es ist beileibe nicht alles Gold, was glänzt. Mit dem Zuschauerinteresse sind die Verantwortlichen beim BFV alles andere als zufrieden: "Die Bayernliga Süd steht deutlich im Schatten der Regionalliga Bayern. Das hatten wir so nicht erwartet", sagte der Spielleiter der Südgruppe. Während die neue Regionalliga boomt, was die Zuschauer angeht, es kamen durchschnittlich 721 Fans zu den Spielen, so sahen die Spiele in der Bayernliga Süd im Schnitt nur 258 Besucher. "In der Bayernliga sind die Zuschauerzahlen rückläufig", sagte Wagner. In der Zuschauergunst liegt das Allgäu vorne. Krösus ist der 1. FC Sonthofen (487 Besucher) vor dem TSV Kottern (427). Die SpVgg Hankofen-Hailing (405) belegt den dritten Rang. Am Ende der Skala finden sich gemeinsam die SpVgg Unterhaching II und der SB DJK Rosenheim mit 103 Zusehern im Schnitt. Der Minusrekord liegt bei 50 Besuchern, den es je einmal in Unterhaching und Rosenheim gab: "Das ist einfach zu wenig", so Wagner. Der lobte das insgesamt gute Zuschauerverhalten. Es gab nur ein Sicherheitsspiel, das war die Partie der beiden U 23-Mannschaften aus Regensburg und Burghausen. Am Rande der Begegnung SV Schalding-Heining gegen die SpVgg Unterhaching II kam es zu Störungen durch Zuschauer aus Unterhaching. Hier lobte Wagner aber besonders das umsichtige Handeln der Gastgeber, die zusammen mit der Polizei für größt mögliche Sicherheit sorgen konnten.

Aus dem Schiedsrichterwesen berichtete Obmann Rudi Stark, der als Landshuter ein "Heimspiel" hatte. "Wir haben einige Sorgen", sagte Stark, der damit auf die Problematik mit Zuschauern im Allgemeinen hinwies. "In der Bayernliga Süd ist das so gut wie kein Problem, aber es gibt immer wieder Ausraster." Da könne dann auch der umfangreichste Ordnungsdienst nicht helfen. Dennoch, mahnte Stark, seien die Vereine angehalten die größt mögliche Sicherheit zu gewährleisten und auch die Schiedsrichter zu schützen, ob auf dem Weg in die Kabine, auf das Spielfeld wie auch im Kabinentrakt: "Vor der Schiedsrichter-Kabine haben Zuschauer nichts verloren." Solche Fälle seien vorgekommen. Weiteres Problem: Immer wieder verlassen Personen die Coaching-Zone: "Das wollen wir nicht", so Stark, der auch auf die aktuelle Problematik bei privaten Hallenturnieren einging: "Bei den Meisterschafts-Turnieren des BFV ist alles ordentlich über die Bühne gegangen. Aber es hat bei anderen Veranstaltungen jüngst Ausschreitungen gegen Schiedsrichter gegeben. Wenn das nicht aufhört, dann überlegen wir uns solche Turnier nicht mehr mit unseren Schiedsrichtern zu besetzen."

Fritz Reisinger aus München ist seit Saisonbeginn der sogenannte Verbandsanwalt beim BFV. Er schlägt das Strafmaß vor, die Urteile spricht aber das Sportgericht Bayern mit ihrem Vorsitzenden Heinz Ferber, das in Nürnberg ansässig ist. Reisinger, der seit 2004 auch Beisitzer beim DFB-Sportgericht ist, erläuterte den Ablauf bei einem Platzverweis: "Bis Montagmittag stelle ich den Strafantrag, über den das Gericht entscheidet. Daher ist es gut, wenn bis dahin TV-Aufnahmen und andere Beweismittel zur Verfügung gestellt werden können."

Heinz Ferber als Vorsitzender Richter bildet mit seinen Mitstreitern Peter Ibler (Stellvertreter), Herbert Bauer und Gerhard Bohner das Sportgericht Bayern. Durch die Verdoppelung der bayerischen Verbandsligen von bisher vier auf nun acht Klassen hat sich auch die Arbeit und Zahl der Verfahren in etwa verdoppelt. 92 Prozent mehr Verfahren wurden seit Saisonbeginn gezählt. Die Bayernliga Süd war mit 67 Fällen betroffen. In dieser Liga mussten dem SSV Jahn Regensburg II die erworbenen Heimsiege gegen den FC Affing (3:0) und den TSV Kottern (4:1) aberkannt werden, weil im ersten Fall ein vierter Spieler älter als 23 Jahre eingesetzt wurde und gegen Kottern ein Kicker zum Einsatz kam, der nicht auf dem Spielbericht stand. Einzig ohne Verfahren blieb bisher der SC Fürstenfeldbruck. Insgesamt gab es bisher 49 Platzverweise. Dreimal wurde die Platzdisziplin moniert und die Geldstrafen beliefen sich insgesamt auf 1810 Euro. Zum Vergleich: In der Regionalliga Bayern wurden insgesamt seit Saisonbeginn 33 000 Euro an Geldbußen verhängt. Davon hat alleine der FC Bayern München für Ausschreitungen seiner Fans bei sechs Auswärtsspielen 28 000 Euro in die Kasse gezahlt.

Bilder von der Wintertagung der Bayernliga Süd (13 Einträge)

 


Splitter von der Bayernliga-Tagung

U21-Team aus Bayern
Felix Jäckle, seit 1. Juli 2012 Hauptabteilungsleiter Sport beim BFV, stellte das Projekt Einführung einer bayerischen U21-Auswahl vor. Bayern ist im Nachwuchsbereich in vier Regionen aufgeteilt. An Stützpunkten und in den Leistungszentren der Profivereine werden junge Spieler ausgebildet. Der BFV wünscht sich wieder eine U21-Auswahl, die zum großen Teil mit Spielern aus der Regionalliga Bayern bestückt und von den Verbandstrainern benannt wird. Aber es können auch Spieler aus den beiden Bayernligen nominiert werden.

Arbeitsgruppe "Stellenwert Bayernliga"
Spielleiter Johann Wagner berichtete über den Zuschauer-Rückgang in der Bayernliga. Der BFV-Funktionär wünscht sich zudem eine ausführlichere Berichterstattung über diese Spielklassen in den verschiedenen Medien. Um die Position der Bayernligen zu verbessern, wird nun eine Arbeitsgruppe gegründet, die aus Funktionären des BFV und Vertretern der Vereine bestehen soll. Aus der Südgruppe sind Franz Liebl (Deggendorf), Manuel Prieler (Unterföhring) und Edi Ipfelkofer (Regensburg) benannt worden. Die Vertreter der Nordliga werden bei deren Wintertagung am 16. Februar in Memmelsdorf bestellt. "Steigerung des Stellenwertes" wird diese Arbeitsgruppe heißen, die sich zunächst zweimal in diesem Jahr treffen soll. Dort sollen Konzepte erarbeitet werden, um die fünfte Spielklasse in der Öffentlichkeit attraktiver darstellen zu können. Zum Themenbereich dieser Gruppe soll auch gehören, ob die Sommerpause verkürzt und damit die Winterpause verlängert werden kann. Weiter soll in diesem Gremium die Relegation am Ende der Saison 2013/14 besprochen werden. Zudem ist die Einführung eines Livetickers analog zur Regionalliga Bayern für die Bayern- und die Landesligen in Planung, der spätestens ab der nächsten Saison laufen soll. Allerdings müssen die Vereine selber für die Bedienung sorgen, der BFV stellt nur die Plattform im Internet zur Verfügung. Es soll auch versucht werden, das Medium BFV-TV für die Bayernligen auszuweiten.

Bande als Sicherheitsmaßnahme
Ab der neuen Saison, so wünscht es der BFV, sollen in der Bayernliga alle Spielfelder von einer etwa einen Meter hohen Bande umgeben sein, damit der Innenraum deutlich abgetrennt ist. "Es soll eine sichtbare Abgrenzung sein. Wir wollen das so", sagte Ligaleiter Johann Wagner. Ein Gitter oder Stahlrohre, wie auf vielen Plätzen üblich, wären notfalls auch möglich. Bei Kunstrasen- oder anderen Plätzen soll zumindest eine Abtrennung per Band markiert werden, damit die Zuschauer mehr als einen Meter weit vom Spielfeld wegbleiben. Auf einem Kunstrasenplatz ohne richtige Abgrenzung seien zukünftig sogenannte Sicherheitsspiele nicht mehr möglich. Die Kosten für die Anpassung der Spielstätten geht zu Lasten der Vereine oder der Kommunen.

Aufstieg in die Regionalliga Bayern
In die Regionalliga Bayern kann nur ein Verein aufsteigen, der in der Bayernliga mindestens Platz vier belegt, eine Lizenz fristgerecht beantragt hat und der diese auch erteilt bekommt. Klubs, die am Saisonende schlechter als Rang vier platziert sind, haben kein Aufstiegrecht. Auch der Relegationsteilnehmer muss mindestens Vierter sein. Ein konstruierter Fall für die Bayernliga Süd: Wenn die drei zweiten Mannschaften aus Burghausen, Unterhaching und Regensburg die Plätze eins bis drei belegen und der Vierte auf sein Aufstiegsrecht verzichtet, dann wird es in diesem Jahr keinen Regionalliga-Aufsteiger und keinen Relegationsteilnehmer aus der Bayernliga Süd geben, wenn zusätzlich Jahn Regensburg aus der zweiten Liga absteigt. Denn nur U23-Teams von Drittligisten sind in der Regionalliga Bayern nicht spielberechtigt. Heinz Kothieringer von der U23 aus Burghausen regte an, diese Regelung zu überdenken. Spielleiter Wagner bot an, dieses Thema im Verbandsspielausschuss zu behandeln. Für die Saison 2013/14 ist diese Regelung aber Fakt und kann nicht mehr geändert werden.

Relegation zur Regionalliga Bayern

Die Meister der beiden Bayernligen steigen direkt auf. Die Zweitplatzierten nehmen an der Relegation teil. Für beide Fälle gilt: Es muss ein Lizenzantrag gestellt und positiv beantwortet worden sein. Zusammen mit den beiden Relegations-Teilnehmern aus der Regionalliga Bayern werden zwei Plätze in der Regionalliga Bayern ausgespielt. Es spielt jeweils ein Bayernligist, der zunächst Heimrecht hat, gegen einen Regionalligisten. Der Sieger wird in Hin- und Rückspiel ermittelt.

Abstieg aus den Bayernligen

Die drei letzten Teams der beiden Bayernligen steigen jeweils in die Landesligen ab. Die fünf Tabellenzweiten der Landesligen und die beiden Bayernligisten auf Platz 15 sowie der 16. der Bayernliga Süd (acht Vereine) gehen in die Relegation, in der mindestens zwei Plätze ausgespielt werden. Ausgelost werden drei Landesligisten jeweils gegen Bayernligisten, in Spiel vier stehen sich zwei Landesligisten gegenüber. Der Klassenniedrigere, der schlechter Platzierte oder der zuerst Gezogene hat zunächst Heimrecht. Zwei Wochen nach dem letzten Spieltag am 25. Mai soll diese Relegation abgeschlossen sein.

Die letzten beiden Spieltage
Die beiden letzten Spieltage in der Bayernliga Süd werden zeitgleich ausgetragen. Anstoß ist jeweils schon um 14 Uhr. Eine Ausnahme gibt es: Die Begegnung zwischen den zweiten Mannschaften des SV Wacker Burghausen und des SSV Jahn Regensburg am vorletzten Spieltag muss auf Freitagabend vorverlegt werden, weil die Profis von Burghausen ebenfalls am Samstag in der 3. Liga das letzte Heimspiel gegen Arminia Bielefeld bestreiten und diese Partie Vorrang hat.

Fahrplan für die Lizenzierung
Die Bayernliga-Klubs, die sich mit dem Aufstieg in die Regionalliga Bayern befassen, müssen sich an folgenden Fahrplan halten: Bis zum 25. Januar sind die Unterlagen für die Lizenzierung beim BFV anzufordern. Am 22. Februar findet zentral in Bayern eine Info-Veranstaltung zu diesem Thema statt, bei dem alle Fragen zum Lizenzierungsverfahren beantwortet werden. Bis spätestens zum 15. April müssen die Unterlagen für das Lizenzierungsverfahren beim BFV eingegangen sein, eine Fristverlängerung ist nicht möglich. Am 10. Mai erhalten die betroffenen Vereine den Bescheid über die Lizenzerteilung vom BFV. Ab dem 1. Juli werden die Stadien auf ihre Regionalliga-Tauglichkeit überprüft. Bis zum 10. Juli muss die jeweilige Spielerberechtigungsliste beim BFV abgegeben werden.

Eckdaten Saison 2013/14

Die Bayernliga-Saison 2013/14 wird am 20./21. Juli eröffnet. Für das Eröffnungsspiel der Bayernliga Süd hat sich die SpVgg Landshut beworben. Sollten die Landshuter in die Regionalliga aufsteigen, dann wird der TSV Schwabmünchen zum 150-jährigen Bestehen das Eröffnungsspiel austragen. Bei einer Liga mit 18 Vereinen wird es Ende Juli und Mitte August zwei Wochentags-Spieltage geben. Bei mehr als 18 Vereinen wird zweimal zusätzlich im August und im September während der Woche gespielt. Saisonende ist am 25. Mai 2014. Die beiden Qualifikationsrunden zum bayerischen Toto-Pokal 2013/14 werden am 10. und 13. Juli gespielt.

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