Vogalonga - die lange Welle: Ein besonderer Ruderwettkampf in Venedig
Rund 1500 Kanus, Kajaks, Drachen- und Ruderboote nahmen am friedlichen Protest teil
Vogalonga - die lange Welle: Ein besonderer Ruderwettkampf in Venedig. (Foto: usa)
Bravi! Bravi! Mit unzähligen Bravo-Rufen werden die Gondolieri, Ruderer und Paddler am Cannaregio-Kanal in Venedig empfangen. Und die Regatta-Teilnehmer bieten mit ihren Booten auch bei der 36. Vogalonga den Zuschauern wieder ein farbenfrohes Bild. An die zwei Stunden sind die Schnellsten schon unterwegs. Vor ihnen liegt nun nur noch das Schaulaufen am Canale Grande unter der Rialtobrücke hindurch bis zurück zum Markusplatz. Zehntausende Zuschauer säumen die Strecke und feuern die meist einheitlich gekleideten Teilnehmer an. Egal ob ortsansässiger Ruderverein oder sonstiger Europäer - Applaus gibt's für alle.
"Vogalonga" ein besonderer Ruderwettkampf in Venedig
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fingstsonntag, kurz vor 9 Uhr. In Venedigs Hauptverkehrskanal, dem Canale Grande, ist es erstaunlich ruhig. Wo sonst die Gondolieri mit ihren Gondeln und die Kapitäne der Vaporettos um freies Fahrwasser kämpfen, tummeln sich Gondeln, Ruderboote, Kanus, Kajaks und Drachenboote. Keinerlei Motorgeräusch, lediglich Zurufe schrecken die Tauben, deren Zahl sich seit sie nicht mehr gefüttert werden dürfen erfreulich verringert hat, auf. Im Basino di San Marco dümpeln schon unzählige Boote leise schwappend vor sich hin - der Blick der Freizeitsportler geht Richtung Osten. Punkt 9 Uhr donnert der Kanonenschuss, es läuten die Glocken - die 36. Vogalonga in Venedig ist gestartet.
Auch Straubinger, Regensburger und Landshuter waren dabei
Egal ob venezianisch im Stehen oder wie in anderen Ländern üblich im Sitzen, die 30 Kilometer lange Strecke durch die Lagune bis nach Burano und wieder zurück fordert auch bei gutem Wetter und geringem Seegang von den Wassersportlern viel Kraft und eine spezielle Ausdauer. Die Organisatoren schätzen, dass heuer wohl um die 6000 Wassersportler aus ganz Europa mit über 1500 Booten diese Herausforderung angenommen haben.
Darunter sind - wie schon seit Jahren - zahlreiche Ruderer der Rudervereine und Ruderclubs in Straubing, Regensburg und Landshut. Auch für sie ist die Vogalonga, die jedes Jahr Ende Mai stattfindet, eine Veranstaltung, für die sich die lange Anfahrt über die Alpen lohnt.
Gedacht war die Vogalonga eigentlich als friedlicher Protest gegen die in Venedig überhand nehmenden Motorboote. So sollte durch die Veranstaltung auf die Gefahr des "moto ondoso", also das von den Motorbooten bewegte Wasser, aufmerksam gemacht werden. Seit Jahren gefährden die Motorbootwellen nachweislich die Fundamente der venezianischen Häuser. Und so ist das Motorbootfahren in den Stunden während der Vogalonga untersagt. Inzwischen aber ist der ursprüngliche Anlass in den Hintergrund gerückt und hat einem Event-Charakter Platz gemacht. Entsprechend gerne werben nun Hotels und Fremdenverkehrsbetriebe mit dieser zusätzlichen Attraktion.
Start und Ziel ist der Bacino di San Marco. Die Strecke führt die Gondoleri, Ruderer und Paddler vorbei an den Inseln Vignole und Sant'Erasmo bis nach Burano und über den Kanal der Glasbläserinsel Murano sowie den Rio Cannaregio und den Canale Grande wieder zurück zum Markusplatz. Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Versorgungsstationen mit Getränken und Bananen, die von den Teilnehmern gerne angenommen werden. Die Belohnung - Medaille, Urkunde und T-Shirt - gibt es dann am Markusplatz, wasserdicht verpackt und kurzerhand zugeworfen.
Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, heißt es im Volksmund und auch bei der Vogalonga. Und so müssen die Boote am Samstag seetüchtig verpackt werden. Auch die Straubinger haben ihre drei Boote aufgebockt und machen sie mit Folien wasserdicht. Und sie wissen warum, schließlich haben einige von ihnen im vergangenen Jahr an der Regatta teilgenommen, die als "Vogalonga disastro" in die Geschichte eingehen wird.
Ein Unwetter und der damit verbundene starke Seegang haben zahlreiche Boote zum Kentern gebracht. Verzweifelte Wassersportler versuchten mitunter vergebens, das Wasser mit Behältnissen aus ihren Booten zu schöpfen. Als echte Herausforderung stellte sich die Einfahrt in den Canale Cannaregio heraus. Dort kenterten, wie die Organisatoren später bekannt gaben, rund 50 Boote jeglicher Bootsart. "Da schwamm wirklich viel Zeug im Wasser", erzählen die Teilnehmer und freuen sich, dass sie heuer ein ruhiges Fahrwasser vorfinden.
Inzwischen wird's richtig eng in den Kanälen
Wenn auch in diesem Jahr das Wetter den Teilnehmern hold war, so kristallisierte sich doch ein weiteres "Kriterium" heraus: Durch die Vielzahl der Boote werden beim Eintreffen des Hauptfeldes der Canale Cannaregio und später auch der Canale Grande regelrecht verstopft. Was so manche venezianische Ruderer genervt mit ihren Riemen um sich schlagen lässt. Schließlich muss gezeigt werden, wer in diesem Gewässer das Hausrecht hat. Die Zuschauer bekommen davon allerdings kaum etwas mit. Spätestens dann, wenn Ruderer und Paddler gemeinsam an den Menschenmassen vorbeidefilieren, sind die Nickligkeiten eh vergessen. Und wenn die Zuschauer die Ruderer lautstark auffordern, die Riemen hochzuheben, dann sind sogar die behänden Venezianer nur noch damit beschäftigt, ihr Gleichgewicht zu halten.
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