Artikel vom 20. January 2013 12:29, 306 mal gelesen
Die Firma Hiller ist ein Maschinenbauer in Vilsbiburg, der sich auf Anlagen zur Fest-Flüssig-Trennung spezialisiert hat. (Archivfoto)
Anders als bei Produkten des täglichen Bedarfs können spezialisierte Unternehmen im Maschinenbau in einer Marktnische recht gut leben. Ein gutes Beispiel dafür ist der Dekanter-Hersteller Hiller, für den das abgelaufene Jahr auch geschäftlich sehr gut war: "Wir steuern auf ein Rekordergebnis zu", sagt Geschäftsführer Georg Hiller jun. im VZ-Gespräch. Der Grund: Nach eineinhalb Jahren Entwicklung hat Hiller mit großem Erfolg eine neue Dekanterreihe auf den Markt gebracht, deren innovatives Konzept viele Kunden überzeugt hat.
Mit rund 200 Mitarbeitern ist die Hiller GmbH eines der kleinen Unternehmen, das Dekanter produziert. Für Massenanwendungen, bei denen der Preis eine wichtige Rolle spielt, bietet das Unternehmen seine Maschinen gar nicht an: "Da können wir nicht mithalten", weiß Finanzchef Robert Böck. Hiller sei ein Fall für Spezialisten, die nicht viele Maschinen benötigen, sondern eine solide Technik, die exakt auf den Verwendungszweck ausgerichtet ist.
So setzt zum Beispiel die Fischindustrie in Peru auf die Fest-flüssig-Trennung aus Vilsbiburg. Die Fische werden von den riesigen Fangschiffen in Tanks an Land gepumpt. Dabei bleiben Fischteile und andere Proteine im Wasser, die zunehmend das Meerwasser belastet haben. Mit Hilfe der deutschen Dekanter-Technologie wird nun das Pumpwasser gereinigt, und die so gewonnenen Rückstände können zusätzlich in der Fischmehl-Produktion eingearbeitet werden. "Unter dem Strich ist das kostengünstiger, spart Raum und bringt zusätzlichen Ertrag", sagt Oliver Oberhauser, der im Vorstand für die Kundenbetreuung zuständig ist.
Öl in allen Varianten
Hiller-Dekanter laufen oft in der Nahrungsmittelindustrie - bei der Weinherstellung in Südamerika und Südafrika, in der Olivenöl-Herstellung oder bei europäischen Obstsaft-Produzenten. Dabei bietet das Unternehmen die komplette Verarbeitung nach dem Waschen an, vom Zerkleinern bis zur Trennung im Dekanter, inklusive der Elektrotechnik. Neu ins Geschäft gekommen ist Hiller zuletzt mit Palmöl-Produzenten in Indonesien, für die das Unternehmen mit seinen Drei-Phasen-Maschinen gut gerüstet ist. Auch bei der Beseitigung von Ölseen werden Hiller-Zentrifugen eingesetzt. Rund drei Viertel aller Maschinen werden im internationalen Markt abgesetzt.
"Wenn ein Unternehmen in unserer Größe am Markt überleben will, muss man immer einen Schritt voraus sein, einfach immer besser sein", erläutert Hiller: "Genauso gut reicht nicht." Schon bisher hat das Unternehmen keine Standard-produkte angeboten, seit vergangenem Jahr hat es ein echtes Alleinstellungs-Produkt. Nach eineinhalb Jahren Entwicklungszeit wurde die neue Reihe "Decapress" am Markt angeboten. Dabei erwies sich die Maschine DP 484 mit dem neuen, riemenlosen Antrieb als großer Erfolg: Von 22 Projekten, in denen sie angeboten wurde, gewann Hiller 13 Aufträge: "Mehr als 60 Prozent, das ist schon ungewöhnlich."
Neben dem neuen Antrieb zeichnet die DP 484 eine Modulbauweise aus, bei der zusammengehörige Bauteile in einer Art Baukastensystem so gebaut werden, dass sie für Maschinen aller Typen verwendet werden können. "Die lange Entwicklungsphase war für ein Unternehmen unserer Größe eine Riesenleistung", sagt Hiller, der zu seinen Mitarbeitern ein angenehmes, persönliches Verhältnis pflegt und ihre Leistungen auch zu schätzen weiß. Derzeit erweitert das Unternehmen auch die Lehrlingsabteilung und erhöht die Zahl der Auszubildenden, weil man erkannt hat, dass Fachleute vom freien Arbeitsmarkt nur noch sehr schwer zu bekommen sind.
Arbeitsabläufe untersucht
Mit dem wirtschaftlichen Erfolg ist aber auch Hillers Fertigungskapazität an ihre Grenzen gestoßen. Im vergangenen Jahr erwarb das Unternehmen deshalb ein benachbartes Grundstück und bereitet seine Erweiterung vor. In diesem Jahr soll eine neue Fertigungshalle errichtet werden, danach muss auch die Firmenzentrale dringend erweitert werden.
Mit dem Neubau wird bei Hiller auch der Produktionsablauf verändert. Mit Unterstützung der Hochschule Landshut wurden die Fertigungsabläufe untersucht. Dabei hat man festgestellt, dass die Wege der Bauteile zwischen Dreherei, Schweißerei und Montage zu lang sind. Nach der Umstellung soll auf Zellenfertigung umgestellt werden, es entstehen gewissermaßen mehrere kleine Fabriken in der großen Firma: "Dadurch werden Wege und Wartezeiten so stark verkürzt, dass manche Bauteile künftig in einem Drittel der Zeit hergestellt werden können", sagt Hiller.
Zug um Zug wurde auch die gesamte EDV umgestellt: Bisher arbeitete das Unternehmen mit einer selbst geschriebenen, für jede Abteilung passgenauen Software, die allerdings jeweils für sich abgeschlossen war. Mit der Umstellung auf SAP im Jahr 2008 wurden diese Insellösungen abgelöst; der komplette Wertschöpfungsprozess wird jetzt vollständig abgebildet. Auch die Konstruktion wurde komplett auf 3-D-fähige Planungssoftware umgestellt.
SAP-Referenz-Unternehmen
"Inzwischen werden die kritischen Stimmen leiser", sagt der Firmenchef, nachdem die SAP-Software Stück um Stück an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst worden ist. "Wir haben dabei auch erfahren, wie gut unsere EDV-Leute sind", so Hiller: Es sei befriedigend gewesen, dass die SAP-Leute bei ihnen angerufen hätten, wie sie denn dieses und jenes Problem gelöst hätten. Inzwischen ist Hiller zum Referenz-Unternehmen für die Software-Schmiede aus Walldorf aufgestiegen. Auch die firmeninterne Kommunikation wird derzeit optimiert: Es gibt einen Mitarbeiter, der Konferenzen und kleinere Meetings beobachtet und die Besprechungskultur verbessert.
Dank der neuen Dekanter-Reihe sprudeln die Bestellungen unvermindert weiter. Diese decken bereits jetzt 40 Prozent des Planumsatzes 2013 ab - eine komfortable Situation in einem Jahr des Umbruchs. Gleichzeitig soll 2013 die nächstgrößere Version der neuen Maschine am Markt platziert werden. Hiller überarbeitet das Aussehen seiner Produkte und versucht, besser in den Wachstumsmarkt China zu kommen. 2013 bleibt spannend.
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