Artikel vom 18. January 2013 19:09, 90 mal gelesen
Landshut
Macho und Mauerblümchen
Mutterschaft als Karriereknick und fehlendes Verhandlungsgeschick führen zur Lohnlücke
Autor: Alexandra Beck
Dr. Boris Hirsch, Sylvia Kegel, Prof. Dr. Andrea Ruppert, Moderatorin Dr. Barbara Thiessen, Christian Steer und Birgit von Garrel (von links) (Foto:ab)
Noch immer verdienen Frauen bei gleicher Leistung weniger als Männer. Studien gehen davon aus, dass die Arbeitsentgelte der deutschen Frauen durchschnittlich um 17 Prozent niedriger sind. Mit diesem Thema hat sich die Podiumsdiskussion "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" am Donnerstag im Salzstadel befasst.
Sie gipfelte in der gemeinsamen Forderung aller Diskussionsteilnehmer, dass Frauen für die gleiche Leistung genauso viel Geld bekommen müssen wie Männer. Unterschiedlich waren die Ansichten darüber, wie dieses Ziel am schnellsten erreicht werden kann.
Die Veranstaltung war zugleich der Abschluss des dreiteiligen Forums "Ortswechsel: Begegnungen und Kontroversen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis". Initiator der Reihe war die Hochschule und die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreis.
Dr. Boris Hirsch von der Universität Erlangen-Nürnberg verdeutlichte die Gründe für die Lohnlücke. Vor allem ältere Frauen seien im Vergleich zu ihren männlichen Altersgenossen oft schlechter ausgebildet. Der Hauptgrund sei aber in den unterbrochenen Erwerbsbiografien zu finden, die durch Auszeiten für Kindererziehung zustande kommen. Kürzere Betriebszugehörigkeitszeiten und Teilzeitarbeitsverhältnisse seien weitere Gründe für die Lohnlücke, aber auch Diskriminierung und unterschiedliche Positionen in der Firmenhierarchie.
Am größten sei die Lohndifferenz in ländlichen Gebieten. Um ein objektiveres Bild zu bekommen, griff Hirsch auf eine Studie zurück, die eine Frau in der Altersgruppe von 24 bis 34 Jahren, die Vollzeit arbeitet, mit einem gleichaltrigen Mann mit gleicher Ausbildung vergleicht. "Da verdienen die Frauen knapp zehn Prozent weniger als ihre Altersgenossen, ohne dass objektive Gründe dafür zu finden sind", sagte Hirsch. Daran könne man zum einen erkennen, dass es Lohndiskriminierung gebe, aber auch, dass sich die Situation langsam verbessere, weil die Gehaltsunterschiede geringer werden.
"Deutsche Männer sind Machos"
Sylvia Kegel, Vorstandsvorsitzende des deutschen Ingenieurinnenbundes sagte, dass trotz ständiger Kampagnen mehr Frauen für die sogenannten MINT-Fächer zu gewinnen, sie in diesen Berufen schlechter bezahlt, öfter arbeitslos und vielen Vorurteilen ausgesetzt seien. Als MINT-Fächer bezeichnet man die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Kegel selbst hat als Führungskraft eines Unternehmens in Südafrika, Indonesien und anderen Ländern gearbeitet. "Die größten Schwierigkeiten hatte ich in meinem Heimatland. Die deutschen Männer sind Machos."
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