Artikel vom 18. January 2013 08:18, 295 mal gelesen
Nomin ist stolz auf ihren Teddy Lilly.
Sie haben ihr Herz an die Mongolei verloren: Mechthild Wiefarn und Günther Hartl aus Arth bei Furth. Die beiden haben über World Vision in dem fernen Land zwei Patenschaften übernommen - für einen Jungen und ein Mädchen. Zweimal war das Ehepaar bereits in dem asiatischen Land, das viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist und nur knapp drei Millionen Einwohner hat. Für eine Reise kommen ausschließlich die Sommermonate in Betracht, denn im Winter hat es im Durchschnitt minus 30 Grad. In der sehr kalten Jahreszeit ist der Smog extrem. Denn die Menschen verheizen alles, was ihnen in die Finger kommt - auch Reifen.
Für das Paar, das vor etwa fünf Jahren geheiratet hat, ist es jeweils die zweite Ehe. Gemeinsame Kinder standen aus Altersgründen nicht mehr zur Debatte. Aber Patenkinder, das geht, waren sich die beiden einig. "Die Mongolei ist immer schon mein Traumland gewesen", sagt Mechthild Wiefarn. Anhand von Fernsehdokumentationen hat sie sich genauer informiert. Das Land und die Weite haben es ihr angetan. Für das Ehepaar stand schnell fest: wenn ein Patenkind, dann in der Mongolei. Den beiden war es egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen sein sollte. Die Hochzeitsreise führte das Ehepaar im Sommer 2008 in die Mongolei und dort kam es zum ersten Zusammentreffen mit Munki, wie die beiden ihr Patenkind mit dem unaussprechlichen Namen Munkhabaatar nennen. Brieflich hatten sie bereits mit dem Jungen, der mit seinen Eltern, seiner Großmutter und einem jüngeren Bruder zusammenlebt, Kontakt. Mechthild Wiefarn hat auf Englisch geschrieben, im Büro von World Vision wurde der Text ins Mongolische übersetzt und weitergeleitet. Auf dem Postweg ist nichts verloren gegangen, jedes Paket, das von Furth aus in die Mongolei geschickt wurde, ist angekommen.
Für eine Patenschaft ist pro Monat ein Mindestbetrag an World Vision zu zahlen. Dieses Geld fließt in den Topf der Organisation, die damit ihre Projektziele wie Ausstattung von Schulen und Kindergärten, Gesundheit, Ernährung, Wasserversorgung und Hygiene in die Tat umsetzt. Zweimal pro Jahr sind Sonderspenden möglich, die zu 100 Prozent dem Patenkind zugutekommen. Die Eltern bekommen kein Geld in die Hand. Sie sollen kundtun, was am dringendsten gebraucht wird. Das kann Kleidung oder Spielzeug sein.
Geld kommt an der richtigen Stelle an
Die erste Reise des Ehepaares in die Mongolei war von vielen Eindrücken geprägt. Was für die beiden wesentlich ist: "Wir wissen, wofür das Geld verwendet wird." Und dass es die Menschen in dem Laden brauchen können, steht außer Zweifel. Viele Familien leben in Rundzelten oder in ganz einfachen Häusern, die nicht größer als 30 oder maximal 40 Quadratmeter sind. Im Zentrum der Hauptstadt Ulan-Bator ist nach außen vieles in Ordnung; im Nordwesten der Stadt leben 70 000 Menschen mehr oder weniger in Armut.
Es gibt in der Schule bei weitem nicht genügend Klassenzimmer, so dass die Schüler in drei Schichten unterrichtet werden, am Morgen kommen die Jüngsten, es folgen die mittleren und höheren Altersstufen. Die Klassenräume sind zwar klein, aber relativ gut ausgestattet. Die Schulleiterin kümmert sich mit viel Engagement um ihre Schützlinge.
Munki ist mit seinem Fahrrad ein ganz Großer.
Hilfe zur Selbsthilfe ist World Vision ein wichtiges Anliegen. Beispielsweise sollen Kleinkredite helfen, dass sich die Menschen eine Existenz aufbauen können. Fasziniert erzählt Mechthild Wiefarn vom Gartenbauprojekt. Dabei wird trotz harter Bedingungen gelernt, im Sommer Gemüsesorten wie Karotten, Zucchini oder auch Tomaten anzubauen. Die Kenntnisse werden dann im Winter anhand von Kursen weitergegeben, so dass immer mehr Leute wissen, wie Gemüse gedeihen kann. Auch auf anderen Gebieten steht das Lernen im Vordergrund. Das Ehepaar hat bei World Vision eine Frau getroffen, die sich das Filzen angeeignet hat und ihre Produkte nun zum Kauf anbietet. Ein paar Hausschuhe hat das niederbayerische Paar mit nach Hause genommen.
Das zweite Patenkind ist ein Mädchen
Einige Monate nach dem ersten Aufenthalt in der Mongolei entschloss sich das Ehepaar zu einer zweiten Patenschaft. Dieses Mal sollte es ein Mädchen sein. Nomin ist jetzt neun Jahre alt, sie wohnt mit ihren Eltern und zwei Geschwistern zusammen. Vergangenes Jahr unternahmen Mechthild Wiefarn und Günther Hartl mit dem Zug eine Reise von Moskau nach Peking. Den zweitägigen Aufenthalt in der Mongolei nutzten sie zum Besuch ihrer beiden Patenkinder. "Heute kommen meine deutschen Eltern", hatte Munki, der äußerst schüchtern ist, stolz seinen Freunden erzählt. "Da wird es einem ganz warm ums Herz", sagt das Further Paar gerührt. Der Junge hat seine Pateneltern mit dem neuen Fahrrad, das gerade noch rechtzeitig vor dem Eintreffen der beiden von World Vision dank der Sonderspende angeschafft wurde, voller Stolz begrüßt. "Man kann sich kaum vorstellen, wie sich Munki gefreut hat", gibt Wiefarn zu verstehen. Manchmal könne es so einfach sein, in glückliche Kinderaugen zu schauen. Stolz sind die Pateneltern, dass Munki - er geht derzeit in die mittlere Schule - Klassenbester ist. Dafür, dass er das sozialste Kind ist, hat er eine Urkunde bekommen.
Nomin hat den Teddybär, den sie von ihren Pateneltern geschickt bekommen hat, fest ins Herz geschlossen. Bär Lilly ist fast überall dabei.
Treffen mit den Kindern im Büro von World Vision
Die Treffen mit den Patenkindern finden nicht bei den Familien, sondern im Büro von World Vision statt. Es wäre nicht gut, wenn man in die Familien eindringen würde. "Nomin hat mich nach einer halben Stunde an die Hand genommen", berichtet Mechthild Wiefarn. Nach dem offiziellen Treffen ging es in Ulan-Bator in ein Café. Die Kinder waren fasziniert von den großen Kuchenstücken - so etwas hatten sie vermutlich noch nie gesehen.
Der Abschied ist den Pateneltern nicht leicht gefallen. Der Entschluss war schnell gefasst: "Wir wollen die Kinder noch einmal sehen." In der Zwischenzeit bleiben sie in regelmäßigem Briefkontakt.
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