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Artikel vom 05. March 2013 08:35, 287 mal gelesen

Konzerte in Straubing

Den Süden in die Herzen der Zuhörer gezaubert

Schmidbauer, Pollina und Kälberer geben zwei ausverkaufte Konzerte im Markmiller-Saal

Autor: Claudia Altweck
Martin Kälberer, Pippo Pollina und Werner Schmidbauer (von links) bereiteten den rund 1 000 Zuhörern mit ihren bayerisch-italienischen Liedern zwei wunderbare Abende im Markmiller-Saal.

Martin Kälberer, Pippo Pollina und Werner Schmidbauer (von links) bereiteten den rund 1 000 Zuhörern mit ihren bayerisch-italienischen Liedern zwei wunderbare Abende im Markmiller-Saal.

"Ich bin wie beflügelt." "Ich hatte ganz vergessen, wie gut Musik tun kann." "Es war ein unbeschreiblich schöner Abend." "Ein Erlebnis." "Einfach phänomenal." Es sind geradezu euphorische Einträge, die einige Zuhörer nach den beiden Konzerten von Werner Schmidbauer, Martin Kälberer und Pippo Pollina am Samstag- und Sonntagabend voll Begeisterung in das Internet-Gästebuch des Trios geschrieben haben. Wer sie liest und ebenfalls dabei war, kann den Verfassern nur zustimmen. Zweimal war der Markmiller-Saal ausverkauft, zweimal erlebten 500 Zuhörer je drei Stunden reinen Musikgenuss mit grandiosen bayerisch-italienischen Liedern, ergreifenden Melodien, tiefgründigen Texten und packenden Rhythmen.

Werner Schmidbauer und Martin Kälber sind in Straubing durch ihr jährliches Gastspiel ja bereits bestens bekannt, den italienischen Cantautore Pippo Pollina hingegen hören viele Besucher an diesem Wochenende zum ersten Mal. Aber er sichert sich gleich zu Beginn die Herzen des Publikums, als er mit seinem charmanten Akzent gestenreich erzählt, wie er Werner und Martin vor elf Jahren bei einem Konzert in Bad Aibling kennengelernt hat. Eine gerissene Gitarrensaite markierte damals den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Diese gipfelte 2012 in einer CD mit Liedern, in denen bayerische Texte und italienische Lyrik miteinander verwoben sind. Wie das Album heißen soll, war schnell klar: "Süden." Denn alle drei kommen aus dem Süden ihres Landes: Pippo Pollina ist auf Sizilien geboren und Werner Schmidbauer und Martin Kälberer sind im Voralpenland daheim. Eben diese gemeinsame CD präsentierten sie nun am Wochenende auf ihrer "Süden"-Tour in Straubing.

"Im Süden von meim Herzen" ist dann auch eines der ersten Lieder, das sie im Markmiller-Saal anstimmen. "Egal, wo du geografisch daheim bist, solange du deinen innerlichen Kompass auf Süden stellst, wird dir nicht kalt", legt Werner Schmidbauer dem Publikum nahe. Wer am Samstag und Sonntag beim Aufstehen aus irgendeinem Grund noch auf Norden gepolt war - beim Zubettgehen war er dank des Konzertes ganz sicher im Süden seines Herzens angekommen. Mit spürbarem Spaß am gemeinsamen Musizieren stimmen die beiden Sänger mal ein Lied aus der Feder von Werner Schmidbauer an und dann wieder ein Stück von Pippo Pollina und singen die Strophen abwechselnd auf Bayerisch und Italienisch.

Die Aufgaben sind scheinbar klar verteilt: Schmidbauer führt dank seiner jahrelangen Moderationserfahrung beim BR unterhaltsam durch das Programm und erzählt lustige Anekdoten wie auch nachdenklich stimmende Geschichten zur Entstehung der Lieder. Pippo Pollina besticht vor allem durch seine unvergleichliche, rauchig-samtene Stimme und Martin Kälberer überzeugt einmal mehr als Klangkünstler, der den Gesang seiner Partner durch seine vielfältige Instrumentalbegleitung veredelt. Die drei seelenverwandten Vollblutmusiker harmonieren fast blind miteinander, verständigen sich oft nur per Augenkontakt und Zulächeln.

Den ersten Teil des Konzerts bestimmen vor allem nachdenkliche, kritische Stücke ("Passa il tempo", "Eis und Schnee", "Camminando", "Mia san zu"). Mit "Cento passi" wirft Pippo Pollina ein Schlaglicht auf die Grausamkeit der Mafia; er erinnert an den sizilianischen Radio-Journalisten Giuseppe Fava, der in seiner Sendung die Cosa Nostra auf den Arm genommen hat und dafür mit dem Leben zahlen musste. "Chiaramonte Gulfi" bricht dann den Bann; bei dem mitreißenden Lied klatschen die Besucher erstmals spontan mit. Reichlich Szenenapplaus erhalten Martin Kälberer und Pippo Pollina für ihre Solodarbietungen in dem Instrumentalstück "Südhang": Während Kälberer seinem "Hang", einem Schweizer Schlaginstrument, eine zauberhafte Klangmelodie entlockt, schlägt Pollina sein Tamburin mit derartiger Geschwindigkeit und Präzision, dass die faszinierten Zuhörer die Luft anhalten.

Einen Aspekt des "Südens", der nicht warm, sondern bedrohlich ist, thematisiert Schmidbauer in dem Stück "Die ganz große Kunst". Nämlich, dass es den Menschen auf der Südhalbkugel deutlich schlechter geht als den Menschen auf der Nordhalbkugel und dass die Schere immer weiter auseinanderklafft. Auf der italienischen Insel Lampedusa strandeten ständig Flüchtlinge, die auf ein besseres Leben hoffen ("Sie kumman ausm Süden"). "Ich glaube, wir stehen erst am Anfang einer großen Ausgleichsbewegung vom Süden in den Norden." Lernen, mit diesen Menschen zu teilen, wäre "die ganz große Kunst", wie er dann nach dem zustimmenden Applaus des Publikums singt.

Nicht fehlen durfte natürlich "Momentnsammler", das Titellied der gleichnamigen Schmidbauer/Kälberer-CD von 2010. Für Gänsehaut sorgte Pippo Pollina mit seinem Schlaflied "Sambadio" sowie dem gefühlvollen Stück "Siamo angeli". Beim legendären "Pfeilgradaus" stimmt das Publikum gerne mit ein. Brandenden Beifall gibt es zum Schluss für "Passa il tempo" ("De Zeit vergeht und hoid si ned stad"); hier hält es niemanden mehr auf den Stühlen, alle stehen auf und applaudieren dem Trio auf der Bühne begeistert zu.

Klar, dass die drei noch Zugaben spielen, unter anderem "An am Abend so wia heit", das Titellied der Sendung "Aufgspuit", oder das mitreißende Partisanenlied "Bella ciao", das das Publikum wieder lautstark mitschmettert. Das endgültig letzte Lied ist "Zwoa Gschichtn, oa Lied", in dem dieses Mal Pippo Pollina den bayerischen Text und Werner Schmidbauer die italienischen Strophen singt. Pippo verrät an diesem Abend übrigens auch seine drei bayerischen Lieblingswörter: "Reschbekt", "basst scho" und "freilich".

Den krönenden Abschluss ihrer "Süden"-Tour feiern Schmidbauer, Pollina und Kälberer am 12. August in der Arena von Verona. Ein ungünstiger Termin für alle Straubinger, um dabei zu sein. Schließlich ist der 12. August mitten im Gäubodenvolksfest ...

Info:
Martin Kälberer ist bereits in wenigen Wochen wieder in Straubing zu hören: Er gibt am Donnerstag, 9. Mai (Christi Himmelfahrt), 20 Uhr, ein Solokonzert im Markmiller-Saal und stellt sein neues Album "Goya" vor. Karten gibt es beim Leserservice des Straubinger Tagblatts.

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