Artikel vom 16. January 2013 07:42, 156 mal gelesen
Straubinger Klärwerk
Wo aus Problemen Geld wird
Aus industriellem Abwasser wird Strom, Gas und Wärme erzeugt
Autor: fun
Das Klärwerk an der Imhoffstraße gilt deutschlandweit als Vorzeigeanlage. Mit einem neuen Pilotprojekt will der städtische Entwässerungsbetrieb erneut für Schlagzeilen sorgen. (Foto: Archiv)
In Fachkreisen gilt das Klärwerk an der Imhoffstraße schon seit vielen Jahren deutschlandweit als Vorzeigeanlage. Vergangene Woche gewannen die Mitarbeiter des städtischen Entwässerungsbetriebs in München einen weiteren, mit 350 000 Euro dotierten Preis für ihr neuestes Projekt. Noch heuer soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, um aus hochbelastetem Abwasser aus dem Industriegebiet Straubing-Sand eine Goldgrube zu machen.
"Erstmals soll auf einer kommunalen Kläranlage ein bestehender Voreindicker zu einem UASB-Reaktor umgerüstet werden, in dem belastete Abwasser anaerob vorbehandelt werden", erklärt Tiefbauamts-Leiterin Cristina Pop den innovativen Charakter des Projekts. Würde das Industrieabwasser im ganz normalen Abwasserkanal angeliefert, blieben die Inhaltsstoffe ungenützt und müsste die Kläranlage sogar um ein zusätzliches Becken erweitert werden.
Über ein separates Leitungsnetz werden die industriellen Abwasser angeliefert und im UASB-Reaktor behandelt. Dabei entsteht Gas, aus dem Strom und Wärme erzeugt werden. Wenn der Vorgang ohne Sauerstoff (anaerob) erfolgt, wird viel mehr Faulgas umgesetzt und fällt weniger Schlamm an.
Sollte sich die Umnutzung der bestehenden Einrichtungen bewähren, könnten auch auf andere bayerische Kläranlagen regionale Energiezentralen aufgebaut werden, die es mittelständischen Betrieben ermöglichen, weiterhin in der Region zu produzieren und gleichzeitig zu wirtschaftlichen Konditionen hoch kalorische Abwasser zu entsorgen, erklärt Cristina Pop die Besonderheit des Projekts. Die Investition von rund einer Million Euro mache sich nicht nur für die Wirtschaftsbetriebe und die Stadt selbst, sondern auf lange Sicht auch für die Gebührenzahler positiv bemerkbar: "Je mehr Gas und Strom wir erzeugen, desto stärker werden die Straubinger entlastet."
Die Planungen für das Vorhaben laufen bereits auf vollen Touren. Trotzdem sind noch viele Detailfragen ungeklärt. "Wir hoffen, für dieses Projekt noch viele Partner gewinnen zu können, zum Beispiel den Zweckverband Industriegebiet Straubing-Sand oder Betriebe, die bereits im Industriegebiet angesiedelt sind, und Betriebe, die einen Standort mit gesicherter Entsorgung ihrer Prozesswasser suchen", unterstreicht Cristina Pop. Das geplante Konzept sei jedenfalls ökologisch und ökonomisch sinnvoll.
Die geplante Maßnahme werde die Auslastung der Kläranlage erhöhen und Voraussetzungen für weitere Betriebsansiedlungen im Industriegebiet Straubing-Sand schaffen, ist sich Oberbürgermeister Markus Pannermayr sicher. Das mit dem Innovationspreis des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit verbundene Preisgeld in Höhe von 350 000 Euro sei natürlich angesichts der Investitionssumme überaus willkommen. Stefan Niedermeier, stellvertretender Geschäftsleiter des ZVI Straubing-Sand, freut sich über die Auszeichnung des städtischen Projekts mit dem "Abwasserinnovationspreis" des Bayerischen Umweltministeriums. Für das Industriegebiet sei es wichtig, dass alle Voraussetzungen für erfolgreiche Betriebsansiedelungen erfüllt seien.
Neben der Versorgung mit Strom und Gas sei aber auch die Entsorgung zum Beispiel des Abwassers von entscheidender Bedeutung. Mit dem städtischen Entwässerungsbetrieb habe der ZVI einen absolut kompetenten und zuverlässigen Partner an der Seite.
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