Artikel vom 20. January 2013 13:57, 85 mal gelesen
Rottenburg
Kostenneutral und flexibel
Saison-Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung im Baugewerbe während der Winterzeit
Autor: Judith Popp
Während der Wintermonate ruhen oftmals die Bauarbeiten. Das Saison-Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung kann in dieser Zeit helfen. (Foto: Archiv)
Die Baubranche ist wie selten eine Branche wetterabhängig. Haben die Betriebe und Unternehmen in den Sommermonaten gut zu tun, schaut es in den Wintermonaten oft recht mau aus. Regelmäßig leiden die Firmen unter einem Mangel an Aufträgen oder können diese aufgrund der Witterung nicht ausführen. Daher gibt es das Saison-Kurzarbeitergeld, das helfen soll, diese schwierigen Zeiten besser zu überstehen.
Das Saison-Kurzarbeitergeld (Saison-Kug) ist eine Lohnersatzleistung der Agentur für Arbeit. Vorgängerleistungen waren das Schlechtwettergeld und das Winterausfallgeld. "Das Saison-Kurzarbeitergeld fängt Arbeitsausfälle auf", erklärt Robert Hauer, Teamleiter Arbeitgeberträger für die Region Landshut und Dingolfing der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen. Von 1. Dezember bis 31. März übernimmt die Arbeitsagentur den Ausgleich des pauschalierten Nettoentgeltausfalls. "Der Arbeitnehmer erhält etwa 60 bis 67 Prozent seines bisherigen Nettolohns", berichtet Hauer.
Dazu kommen noch ergänzende Leistungen, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden können. Beim Mehraufwandswintergeld erhält der Beschäftigte für jede gearbeitete Stunde zwischen 15. Dezember und 28. Februar einen Euro sozialversicherungs- und steuerfrei ausbezahlt. "Über den Arbeitgeber gelangt dies zum Arbeitnehmer." Daneben gibt es noch das Zuschusswintergeld. Für jede abgebaute Überstunde erhält der Arbeiter 2,50 Euro, auch sozialversicherungs- und steuerfrei. Die dritte Zusatzleistung ist die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge. So entsteht für den Beschäftigten keine Versicherungslücke.
Keine Kündigung
"Für den Arbeitgeber ist das Saison-Kurzarbeitergeld kostenneutral und er spart sich die Kündigung", fährt Robert Hauer fort. Er übernimmt lediglich die Bezahlung der Feiertage und des Urlaubs.
2006 wurde die Lohnersatzleistung eingeführt. Seitdem nehmen viele Betriebe der Region Landshut und Dingolfing das Saison-Kurzarbeitergeld in Anspruch. 138 Unternehmen mit 1 270 Arbeitnehmern beziehen aktuell das Kurzarbeitergeld. "Das Saison-Kug ist auf großes Interesse gestoßen", erzählt Hauer. Haben die Unternehmen anfangs die "Lage vorgecheckt" mit nur einem Teil der Belegschaft, sei die Ersatzleistung mittlerweile zu einem "begehrten Instrument" geworden.
Privileg für Baubranche
Die Vorteile liegen für den Mitarbeiter der Agentur für Arbeit auf der Hand: "Die Kosten halten sich in Grenzen und die Betriebe sind flexibel." Wenn in den Wintermonaten für einige Tage Zwischenaufträge vorhanden sind, kann das Unternehmen sie erledigen: "Die Arbeit, die da ist, wird gemacht."
Bei dem Saison-Kurzarbeitergeld handelt es sich um ein Privileg für Betriebe mit jährlich wiederkehrendem Arbeitsausfall. Dazu zählen das Bauhauptgewerbe, der Garten- und Landschaftsbau, Dachdecker und Gerüstbauer. Die betroffenen Unternehmen, die die Ersatzleistung in Anspruch nehmen wollen, führen monatlich eine Umlage ab, von der die ergänzenden Leistungen des Kurzarbeitergelds bezahlt werden. "Ansonsten gibt es keine Beschränkungen. Es gibt keinen vorgeschriebenen Mindestausfall oder eine Mindestanzahl von Beschäftigten."
"Leute wollen das nicht"
Thomas Loibl, Inhaber der Zimmerei Loibl in Pattendorf, nimmt das Saison-Kurzarbeitergeld ebenfalls in Anspruch. Für ihn überwiegt vor allem der Vorteil, dass seine Mitarbeiter wenn nötig auch nur stundenweise arbeiten können. Als Arbeitgeber komme ihm dies zwar unterm Strich teurer, aber dafür bleiben seine Arbeiter angemeldet und zahlen in die Rentenkasse ein.
Etwas anders verhält es sich bei den Rottenburger Bauunternehmen. Weder Georg Schmidmüller vom gleichnamigen Bauunternehmen aus Rottenburg noch Hermann Huber (Bauunternehmen Huber, Münster) beziehen für ihre Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung. "Meine Leute wollen das nicht", begründet Schmidmüller.
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