Artikel vom 21. January 2013 08:34, 165 mal gelesen
Nicht nur der Umgang mit dem medizinischen Equipment, wie hier dem EKG im Rettungswagen, sondern auch überlegtes Handeln ist bei Einsätzen wichtig, weiß auch BRK-Mitglied Jacqueline Reder. (Foto: bot)
In weniger als fünf Minuten ausrücken, in sechs bis sieben Minuten am Einsatzort sein und dadurch in lebensbedrohlichen Situationen Hilfe leisten, das ist das Ziel der Unterstützungsgruppe Rettungsdienst (UG-Rett) der BRK-Bereitschaft Postau. 317 Mal ist die ehrenamtliche Rettungsgruppe seit ihrer Gründung vor zehn Jahren bei Notfällen zu Hilfe geeilt. Uwe Taglinger, stellvertretender Bereitschaftsleiter, und Michael Egger, taktischer Leiter der Gruppe, stellten im Gespräch mit der LZ die zum Jahreswechsel ausgearbeitete Statistik vor.
Die Haupteinsatzzeit der ehrenamtlichen BRK-Rettungshelfer in Postau ist zwischen 18 und 0 Uhr, denn die meisten von ihnen sind berufstätig. Deshalb - oder anerkennenswerterweise sogar trotzdem - stehen die rund zehn Helfer von der Unterstützungsgruppe Rettungsdienst zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens sowie am Wochenende für Notfälle bereit.
Über Funkmeldeempfänger werden die zehn BRKler von der Integrierten Leitstelle Landshut informiert. Allerdings nicht immer automatisch. Nur wenn der öffentlich-rechtliche Rettungswagen, der bei den Maltesern in Niederaichbach steht, unterwegs ist, und ein Notfall in der Umgebung von Postau vorliegt, kommt die UG-Rett zum Einsatz. Sie soll als Ergänzung zum öffentlich-rechtlich abgedeckten System dienen. Außerdem gibt es auch bei den Maltesern in Niederaichbach noch einen ehrenamtlichen Rettungsdienst. Das Einsatzgebiet der Postauer BRKler reicht deshalb bis zur Autobahn A 92, den Bereich dahinter decken die Malteser ab, so Michael Egger.
Die Grafik zeigt die Einsatzzahlen der Unterstützungsgruppe Rettungsdienst (grüne Linie) sowie die der SEG-Einsatzgruppe, die bei besonders schweren Unglücksfällen, zum Beispiel einem Bombenfund, hinzugezogen wird (rote Linie). Die blaue Linie zeigt die Gesamteinsätze. (Grafik: BRK Postau)
Diese Regelung ist nur ein Teil der Organisation, mit der die großflächige Abdeckung des Rettungsdienstes gewährleistet werden soll. Auch bei der Alarmierung gibt es Absprachen. Die alarmierten Ehrenamtlichen melden sich, wenn sie ausrücken können, bei der Leitstelle. Dabei greifen die BRKler direkt vor Ort, sprich aus Postau, möglichst als Erste zum Telefon, denn sie können am schnellsten mit dem in Postau stationierten Wagen ausrücken.
Der Wagen ist mittlerweile in einem Anbau an das Feuerwehrhaus, der 2011 fertiggestellt wurde, untergebracht. Die Normalbesetzung für den Rettungswagen liegt bei zwei Personen. Auch ein dritter Mann oder eine Frau kann mitfahren, so Egger. Bei der BRK-Bereitschaft in Postau halten sich die männlichen und weiblichen Mitglieder in etwa die Waage, so der taktische Leiter. Zur Not fährt auch nur eine Person zur Unglücksstelle - schließlich geht es um die Erstversorgung des Patienten - und ein öffentlich-rechtlicher Rettungswagen kommt, sobald es möglich ist, nach.
Damit der Ehrenamtliche der Stresssituation vor Ort, zum Beispiel, wenn eine Person bei einem schweren Unfall eingeklemmt ist, oder beim Umgang mit aufgeregten Angehörigen, besser gewachsen ist, muss er erst einmal Erfahrungen sammeln und eine umfangreiche Ausbildung absolvieren.
Taglinger und Egger erklären, dass Interessierte mit 18 Jahren starten können, allerdings noch nicht bei der UG-Rett in Postau, sondern als Praktikanten beim öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst. Bei der Ausbildung gibt es dann mehrere Möglichkeiten, die jeweils vom BRK-Kreisverband angeboten werden. Die Grundausbildung ist ein Sanitätskurs, der über 80 Stunden geht. Die meisten Ehrenamtlichen bei der UG-Rett in Postau sind aber Rettungsdiensthelfer oder sogar Rettungssanitäter. Um Rettungsdiensthelfer zu werden, müssen 160 Stunden Ausbildung absolviert werden, beim Rettungssanitäter sind es sogar 560 Stunden. Dafür muss man sich irgendwie drei Monate - Vollzeit - freischaufeln, berichtet Egger von dem großen Zeitaufwand. Der Nachwuchs ist zwar nicht üppig, sagt Egger, "aber es kommt schon was nach".
Zehn BRK-Mitglieder gehören derzeit zum festen Stamm der UG-Rett. Viele von ihnen waren bei den Einsätzen der vergangenen zehn Jahre mit dabei. Insgesamt sind es 317 gewesen, zumindest laut Statistik, die anlässlich des zehnjährigen Bestehens ausgearbeitet worden ist. Anhand der wellenartigen Kurve im Diagramm zu den Einsätzen stellt sich heraus, dass diese in den zehn Jahren von 2002 bis 2012 kontinuierlich angestiegen sind, so Egger. Dies liege zum einen daran, dass die Einsätze der Rettungsdienste generell mehr werden, aber auch daran, "dass wir in einer aufstrebenden Region leben, in der sich viele Betriebe ansiedeln und dadurch auch mehr Leute hier wohnen", vermutet Taglinger. Ein weiterer Grund ist die demografische Entwicklung. Auch in der Region gibt es immer mehr ältere Menschen, die medizinische Versorgung brauchen, ist sich Egger bewusst.
Interessant ist auch das Diagramm zu den Einsatzorten. Meistens war die UG-Rett in Postau unterwegs, 127 Einsätze sind in den vergangenen zehn Jahren dort zu vermelden. Ansonsten sind mit einigem Abstand auch noch Weng, Essenbach und Landshut oft dabei. Hin und wieder kommt auch ein Einsatz in Wörth, Bayerbach oder im Landkreis Dingolfing-Landau mit dazu. Oft gebraucht wird die Gruppe auch auf den Verkehrsstraßen, schwerpunktmäßig auf der A 92. Die meisten Einsätze waren für die UG-Rett an einem Samstag (79) und Sonntag (65). Nicht nur weil die ehrenamtlichen hauptsächlich am Wochenende im Einsatz sind, sondern weil auch viel mehr Veranstaltungen stattfinden.
Doch die Ehrenamtlichen sind nicht nur als Rettungsdienst bei Veranstaltungen im Einsatz. Die BRK-Bereitschaft Postau organisiert jedes Jahr die bekannte Palmeselparty und Blutspendetermine. Die Mitglieder des BRK sind außerdem auch beim zugehörigen Förderverein engagiert. Der Förderverein sammelt Spendengelder, um das BRK Postau finanziell zu unterstützen.
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