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Artikel vom 20. January 2013 12:33, 208 mal gelesen

Landshut

„Kein Ort für städtebauliche Fehlentwicklungen“

Bund Naturschutz fordert in einem offenen Brief, den Prantlgarten nicht zu bebauen

Autor: Stefanie Platzek
Eine dichte Schneedecke liegt derzeit auf den Tennisplätzen am Prantlgarten. Mitglieder des Bunds Naturschutz haben sich jetzt in einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt, die Grünanlagen zu erhalten und nicht einer Wohnbebauung zu opfern. (Foto: Christine Vinçon)

Eine dichte Schneedecke liegt derzeit auf den Tennisplätzen am Prantlgarten. Mitglieder des Bunds Naturschutz haben sich jetzt in einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt, die Grünanlagen zu erhalten und nicht einer Wohnbebauung zu opfern. (Foto: Christine Vinçon)

Es ist geplant, das städtische Gelände mit den Tennisplätzen am Prantlgarten zu bebauen. Dagegen regt sich bei einigen Bürgern Widerstand. Schon vor einem Jahr initiierte Landschaftsarchitekt Helmut Wartner eine Postkarten-Aktion. Nun hat der Bund Naturschutz einen offenen Brief an die Stadträte geschickt, in dem sich Vorsitzende Kathy Mühlebach-Sturm, ihr Stellvertreter Paul Riederer und BN-Fachbeirat Rudolf Sturm für den Erhalt des Prantlgartens und gegen eine Bebauung einsetzen. Auch Wartner möchte seine Postkarten-Aktion mit einem neuen Motiv fortsetzen.

Die Unterzeichner des offenen Briefes fordern, dass der Stadtrat bei seiner Entscheidung zur Wohnbebauung des Prantlgartens bedenkt, dass dieser "kein Ort für weitere städtebauliche Fehlentwicklungen" sei. In früheren Amtsperioden habe die Stadt mit Hilfe des Freistaats Bayern schon Wichtiges vorbereitet: Ab 1988 sei ein Großteil des ehemaligen Franziskanerklosters von der Stadt mit erheblichen Hilfen der staatlichen Städtebauförderung angekauft worden. Die damals geleistete Förderung sei aber nicht dafür bestimmt gewesen, die Flächen einer Wohnbebauung mittels maximaler Vermarktung historischer und grünordnerischer Grundsubstanz zuzuführen.

Ebensowenig sei der Prantlgarten ein Ort städtebaulicher Verdichtung. So berge eine Bebauung Konfliktpotenzial. "Man hat viel Geld ausgegeben, da möchte man nicht den Lärm, der bei Veranstaltungen auf der verbleibenden Wiese vor dem Skulpturenmuseum entsteht, ertragen müssen", heißt es in dem Brief. Dieser Unmut werde sich auch auf den vermutlich gesteigerten Verkehr ausdehnen. Die Befürchtung des BN: Der schon jetzt sehr belastende Verkehr in der Freyung wird zunehmen. "Die Zufahrten zur Freyung bestehen aus Engpässen, die Gefahren für Fußgänger - insbesondere für Schüler - nehmen bei einer Verdichtung zu." Des Weiteren geben die Unterzeichner zu bedenken, dass die Frischluftzufuhr vom Hofberg in die Häusermasse der Innenstadt unterbrochen würde. Dies sei ein nicht zu vernachlässigender Qualitätsverlust für den dicht bebauten Stadtkern. Der Stadtrat wird darum gebeten, dazu beizutragen, dass "in einer Einheit von Franziskaner- und Skulpturenmuseum ein gesamtgesellschaftlich verankertes Museumszentrum von überregionaler Bedeutung für das Oberzentrum Landshut begründet werden kann".

Der Prantlgarten als Bürgergarten

Im November vergangenen Jahres hatte der BN mit einer Performance am Prantlgarten für die Nutzung als öffentlicher Park geworben. 25 Landshuter "Prantlgarten-Paten" hielten symbolisch für eine mögliche Bepflanzung einen weißen Regenschirm in die Höhe (wir berichteten). Eben diese Aktion ist das Motiv für die neue Postkarte von Landschaftsarchitekt Helmut Wartner. Schon vor einem Jahr hatte er 2 000 Postkarten mit der Aufforderung an Bürger verteilt, diese mit der Bitte, den Prantlgarten zu erhalten, ans Rathaus zu schicken. Zwischen 70 und 80 seien dort laut Angaben des Rathauses angekommen. Nach der laut Wartner sehr guten Resonanz im vergangenen Jahr gibt es jetzt eine neue Auflage mit 1 000 Stück, die im Bistro 2010, bei Buch Dietl und bei Doblinger ausliegen. "Der Prantlgarten ist ein Stück Tafelsilber, das nicht verscherbelt werden sollte." Viele hätten ihm gesagt, dass in Landshut etwas schief laufe: "Es geht nur um Geld, nicht um Ideen", sagt Wartner. Er spüre viel Unterstützung von Seiten der Bevölkerung.

Die Eröffnung des Bürgerhauses habe ihn auf eine neue Idee gebracht. So könnte der Prantlgarten unter der Obhut einer Initiative als Bürgergarten realisiert werden, "ohne die Stadt einen Cent zu kosten". Er sei sich sicher, dass sich Spender für die Kirschbäume finden würden, ebenso Helfer, beispielsweise über ein soziales Projekt. Da noch einige alte Bäume stehen, könnte der Garten Eins zu Eins wiederbelebt werden. Die erste Kirsche habe Wartner selbst schon gespendet und eingepflanzt. Mit dieser Idee könnte sich die Stadt alle Optionen offen halten. Der Nachteil wäre natürlich, dass die Stadt auf die Einnahmen aus einem Verkauf verzichten müsste. "Aber dafür behält sie ihr Tafelsilber."

Von Seiten der Stadt gibt es momentan keinen Diskussionsbedarf zum Thema Prantlgarten, sagt Oberbürgermeister Hans Rampf. "Die Sache ruht." Derzeit setze man andere Schwerpunkte, den Krippenausbau, die Sanierung der Schulen oder das Stadtmuseum. Auch das Gewerbegebiet West müsse auf den Weg gebracht werden. Damit seien die betreffenden Abteilungen der Stadtverwaltung ausgelastet. Allerdings: "Das Thema muss irgendwann angepackt werden."

Beschlüsse zum Prantlgarten sind bereits gefasst, es gab einen Wettbewerb und der Stadtrat hat sich für einen Entwurf entschieden. Wenn sich jetzt Leute für den Erhalt einsetzen sei das allerdings durchaus legitim, sagt Rampf. Er selbst habe kein Problem damit: "Im Gegenteil, es ist immer besser, die Menschen melden sich im Vorfeld und nicht hinterher, wenn alles durch ist." Die Politik sei nicht weg von der Realität und werde die Einwürfe durchaus aufnehmen und bei der Bewertung diskutieren. Es gebe immer Initiativen, das sei in der Politik gang und gäbe. "Und wir müssen als Politiker den Mut haben, abzuwägen."

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