Artikel vom 20. January 2013 13:49, 79 mal gelesen
Landau
Auf den Spuren des schwarzen Todes
Die Bergstadt erinnert mit zahlreichen Veranstaltungen an die Pest in Landau 1713
Autor: jl
Freuen sich auf die Veranstaltungen zum Pest-Jubiläumsjahr: (v.l.): Klaus Klobe, Maria Weinzierl, Nik Söltl, Wolfgang Stöckl, Christian Kriegbaum und Ernie Egerer. (Foto: Lehmann)
"Noth lehrt beten" unter diesem Motto steht das Gedenkjahr 2013 mit vielen Veranstaltungen, die daran erinnern sollen, wie die Pest vor 300 Jahren in Landau gewütet hat. Am Freitag stellten Vertreter der Stadt und des Pfarrverbandes das Plakat und den dazugehörigen Flyer in der Pfarrkirche St. Maria vor. Stadtpfarrer Christian Kriegbaum erzählte von dem einstigen Gelöbnis, das seinerzeit Pfarrer Rappensberger für 50 Jahre leistete und woraus dann 300 Jahre wurden. In der Sebastiani-Prozession wird das Gelübde jedes Jahr erneuert. "Diesmal im Jubiläumsjahr, wollen wir etwas ganz Besonderes auf die Beine stellen," so der Pfarrer. "Wir haben uns überlegt, wie wir das Jubiläum historisch und theologisch fassen können, um den Menschen heute die Pest zu erschließen."
Sowohl die beiden Pfarreien, St. Maria und St. Johannes, mit Pfarrer Kriegbaum und Maria Weinzierl, als auch die Vertreter der KEB, Wolfgang Stöckl und Ernie Egerer werden teilnehmen. Und für die Geschichte sind das Heimatmuseum mit Klaus Klobe und Heimatforscher Nik Söltl zuständig, der sich schon auf den historischen Umzug freut: "Im September wird wieder wie 1999 ein Pestzug im Bereich des Kirchenumfelds aufgeführt. Es werden sich die örtlichen Vereine, die Kolpingsfamilie, der Stadtrat und die Pfarrgemeinde beider Pfarreien beteiligen. Also Mönche, Kämmerer und der Magistrat - natürlich in original historischen Kostümen aus dem 18. Jahrhundert. Aber auch die 'ganz normalen' Leute. Was aber diesmal besonders sein wird, ist, dass die Bevölkerung die Möglichkeit haben wird, die Pest mit allen Sinnen zu erfahren."
Das hört sich im ersten Moment etwas abschreckend an, denn man denkt zunächst an den berüchtigten Pestilenz-Gestank, aber das ist natürlich nicht gemeint. "Im Heimatmuseum wird eine Ausstellung zu sehen sein, unter anderem mit einer mutmaßlichen Reliquie des hl. Sebastians, die Gelöbnis-Urkunde, das Bruderschaftsbuch und Votivbilder. Außerdem werden 'Pestmedici' - Apotheker aus Landau - im Beisein der Besucher historische Pestrezepte zur Verhütung der Krankheit zubereiten. Da werden Salben und Räucherungen, die aus allerlei exotischen antiseptischen Pflanzen und Gewürzen gemacht werden, zu schmecken und vor allem zu riechen sein. Es wird also keinesfalls "stinken wie die Pest". Für Kinder wird es ein Quiz geben.
Nik Söltl wird bei einem Vortrag mit dem Thema "Der schwarze Tod hält reiche Ernte" Fragen zur Pest, ihrer Ursache und Ansteckung sowie ihrer Bekämpfung auf den Grund gehen.
Bei zwei Spaziergängen "auf den Spuren der Pest in Landau anno 1713" wird an die historischen Ereignisse erinnert und beim Vortrag "Hört Gott unsere Gebete?" von Wolfgang Stöckl soll aus der Vergangenheit der Pestzeit von 1713 eine Brücke in die Gegenwart geschlagen werden. Stöckl wird der Frage nachgehen "Wie lässt sich heute vernünftig von Gebetserhörungen sprechen und wie geht man mit den vielfältigen Erfahrungen des 'Nicht-Erhörens' um? Ganz nach dem Motto: "Noth lehrt beten". Der krönende Abschluss wird aber die Erneuerung des Gelübdes mit den historischen Personen vor dem Altar in St. Maria sein.
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