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Artikel vom 17. January 2013 08:53, 198 mal gelesen

Cham

Unfallfrei zum Einsatzort

54 Feuerwehrleute aus dem Landkreis proben den Ernstfall am „Blaulicht-Simulator“

Autor: Johannes Kuchler
Der Fahrsimulator bietet Feuerwehrleuten die Möglichkeit, die Stresssituationen bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn unter realistischen Bedingungen zu erproben.

Der Fahrsimulator bietet Feuerwehrleuten die Möglichkeit, die Stresssituationen bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn unter realistischen Bedingungen zu erproben.

Mit satter Geschwindigkeit saust das Feuerwehrauto Richtung Einsatzort über die Straßen. Die Bäume rechts und links verschwimmen zur dunkelgrünen Wand. Die Sirene heult. Die Finger des Fahrers rutschen schweißverschmiert über das Lenkrad. Jede Sekunde zählt. Plötzlich ein Zebrastreifen. Ein Kind reißt sich von seiner Mutter los. Vollbremsung. Zu spät. Das Horrorszenario flimmert über drei Bildschirme. Es war zum Glück simuliert - der Schrecken allerdings nicht.

Gerät ist in Bayern einmalig

In der Theorie ist es bekanntlich ganz einfach: Mit Blaulicht und Martinshorn an den Autos vorbeifahren, die den Weg freimachen, ein Blick nach links und rechts an den Zebrastreifen, dann geht es weiter zum Einsatzort. In der Praxis ist der Fahrer mit den Gedanken vielleicht schon an der Unfallstelle, ist dadurch leichter ablenkbar. Passiert ist beim eben beschriebenen Szenario glücklicherweise nichts, denn die Menschen bestehen aus Pixeln und gehören zu einem Fahrsimulator, der seit Montag eine Woche lang in der Feuerwache Cham steht. Das Gerät ist bislang in Bayern einmalig und soll Feuerwehrleuten die Möglichkeit bieten, die Stresssituationen bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Sirene unter realistischen Bedingungen zu testen - ohne sich selbst dabei gleich in Gefahr zu begeben.

Belastende Situationen

Umso erfreuter zeigte sich Kreisbrandmeister Johann Braun, dass der "Sondersignal-Fahrt-Trainer", so die offizielle Bezeichnung, nach Regensburg bereits dem Landkreis Cham zur Verfügung gestellt wurde. Und das Interesse der 190 Landkreisfeuerwehren war enorm: 54 gemeldete Teilnehmer dürfen sich hinter das Cockpit klemmen und eine "Übungsfahrt" machen. "Unsere Kreisbrandinspektoren hatten nur ein bestimmtes Kontingent an Plätzen zur Verfügung. Leider mussten wir auch einigen absagen", erklärt Braun.

Im Anschluss an die "Übungsfahrt" bespricht Kursleiter Reiner Greif (Zweiter von links) die Ergebnisse mit den Teilnehmern.

Im Anschluss an die "Übungsfahrt" bespricht Kursleiter Reiner Greif (Zweiter von links) die Ergebnisse mit den Teilnehmern.

Seiner Meinung nach soll der Simulator den Fahrern helfen, sich an die belastenden Situationen im Einsatz zu gewöhnen. Erschwert werde dies zusätzlich durch akustische Signale wie Martinshorn und Funkgeräusche. "Mit dieser Situation muss der Fahrer umgehen können", fordert der Kreisbrandmeister. Dass dies gar nicht so einfach ist, zeigten die ersten Fahrversuche.

Der Fahrer sitzt dabei in einem nachgebauten Cockpit, das dem eines größeren Lieferwagens gleicht, und sieht seine Umgebung auf drei großen Bildschirmen. Zwei weitere, jedoch kleinere Bildschirme dienen zudem als Außenspiegel. Rote Ampeln sowie vielbefahrene Kreuzungen gehören ebenso zum Fahrprogramm wie Gegenverkehr, überholende Fahrzeuge und Kreisverkehre. Kursleiter Reiner Greif von der Firma IFE Systems aus Leipzig, die den Simulator entwickelt hat, weist alle Ausbildungsgruppen vor dem Betreten des Cockpits auf die Sicherheit im Straßenverkehr hin. Um die Leute langsam an die wirklich kniffligen Situationen heranzuführen, gebe es im "Blaulicht-Simulator" unterschiedliche Schwierigkeitsstufen. So können verschiedene Fahr- und Gefahrensituationen wie wechselnde Witterungsbedingungen oder etwa plötzlich auftretende technische Mängel dargestellt werden.

Ergebnis wird besprochen


Ganz wichtig sei es auch, so Greif weiter, das Verhalten der übrigen Verkehrsteilnehmer frühzeitig zu erkennen und sich als Einsatzfahrer darauf vorzubereiten. Nach der "Probefahrt" kann sich jeder Teilnehmer das Ergebnis seiner Simulatorfahrt am Monitor nochmals anschauen.

Anschließend werden die Fehler beziehungsweise das positive Verhalten in der Gruppe besprochen. "Wenn ich hier einen Menschen anfahre, können wir darüber diskutieren. In der Realität sieht das allerdings deutlich anders aus", warnt Greif.

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