Artikel vom 21. January 2013 11:08, 32 mal gelesen
Regensburg
„Frei ist, wer seine Bedürfnisse einschränkt“
Alois Glück sprach beim Bund der Selbstständigen über Nachhaltigkeit und Verantwortung
Autor: bd
Alois Glück, Elisabeth Bergschneider und Hans Schaidinger. (Foto: bd)
Es war eine Moralpredigt, die der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Alois Glück, am Sonntag den Unternehmern und Politikern beim Neujahrsempfang des Bundes der Selbstständigen (BDS) hielt. Eine Rede, die falsche Entwicklungen in unserer Gesellschaft aufzeigte, aber auch den Weg wies zu einem Umdenken hin zu mehr Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Allgemeinheit.
Es waren knapp zweihundert Gäste gekommen, darunter auch viele Stadträte und Politiker, wie das beim BDS immer üblich gewesen sei, sagte die Vorsitzende Elisabeth Bergschneider. Außergewöhnlich aber sei der Besuch eines Repräsentanten eines Zentralverbandes auf Bundesebene, wie Alois Glück vom Zentralkomitee der Katholiken es ist. Passend zum Jahresthema des BDS Bayern "Werte in der Wirtschaft".
Mit "weiter so" funktioniert es nicht mehr
Die Unternehmer seien gefragt, sagte Glück in seiner Rede, die Zeichen der Zeit zu interpretieren und ihre Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Menschen seien versucht, zu verdrängen, vor allem, wenn ihnen etwas abverlangt werde. Sie hätten aber erkannt, dass es mit "weiter so" nicht mehr funktioniere. "Ich persönlich", sagte Glück", halte nichts davon, zu sagen, "es geht alles abwärts".
Man müsse zurückschauen auf Jahrzehnte unglaublichen Wachstums und Wohlstands. Die Menschen hätten große Lebenschancen gehabt, die soziale Durchlässigkeit war enorm. "Die Menschen haben sich engagiert und ihr Wissen in unternehmerisches Handeln umgesetzt." In dieser Zeit habe es im europäischen Raum eine unglaublich positive Entwicklung gegeben. "Es war eine Zeit des Friedens." Es sei aber auch die Balance zwischen den Rechten und Pflichten in der Gesellschaft verloren gegangen.
"Die heutige Art zu leben ist nicht zukunftsfähig", sagte Glück. "Wir haben zu lange von der Substanz gelebt. Wir erarbeiten nicht, was das Leben kostet, sondern wir leben auf Kosten unserer Nachkommen."
Deshalb sei es eine zentrale Aufgabe, eine zukunftsfähige Kultur zu entwickeln. Eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die dauerhaft tragfähig ist. Als Ursachen für die Fehlentwicklung sieht Glück die Entkoppelung von Freiheit und Verantwortung in unserer Gesellschaft. Der Mensch sehe Freiheit sehr egozentrisch. "Die Verpflichtung haben die anderen."
Das sei auch bei der Finanzkrise deutlich geworden. Die Akteure, die an den großen Rädern drehten, hätten keine Verantwortung für den Schaden übernommen. Eine Fehlentwicklung sei der Wandel vom langfristigen zum kurzfristigen Denken gewesen. Und der irrtümliche Glaube an ewiges Wachstum. Wir müssen uns fragen, sagte Glück, welche Wertvorstellungen uns prägen, welche Leitbilder wir haben. Legen wir Priorität auf den Konsum, oder Gerechtigkeit und Bildung. Langfristig müssten wir die Begriffe Freiheit und Verantwortung wieder neu belegen.
Wir müssen die Kraft zur Selbstbegrenzung haben
Die Geschichte habe gezeigt, dass nur Kulturen dauerhaft überleben, die die Kraft zur Selbstbegrenzung haben. Immer mehr Menschen seien überfordert mit den Anforderungen des Lebens. Nicht nur die Arbeitswelt habe sich verdichtet, auch in der Freizeit stünden viele unter einem großen Druck, dabei sein zu müssen, nichts zu verpassen. Er plädiere nicht für ein Zurück zu einem einfachen Leben, sagte Glück. Aber für einen Lebensstil mit einem bewussteren Umgang mit Gütern.
"Wer sich selbst Grenzen setzt in seinem Genussstreben, der wird frei sein."
An die Politiker unter den Gästen richtete Ingolf F. Brauner, der Präsident des BDS Bayern sein Wort. Es sei zu bedenken, wie auch nach den Wahlen den kleineren mittelständischen Betrieben geholfen werden könne.
Die Politik müsse den unbequemen Weg gehen, sich mit den Sorgen und Nöten der drei Millionen mittleren und kleinen Betriebe in Bayern auseinanderzusetzen. Die Unternehmer wünschten sich innovativere, entscheidungsfreudigere Unternehmer, die nicht den kleinesten gemeinsamen Nenner wählten, sondern das Maximum des Möglichen. Im Gegenzug sollten sich auch die Unternehmen gesellschaftlich einbringen. Ohne ihr Zutun werde es keinen Wandel geben.
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