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Artikel vom 20. January 2013 12:47, 224 mal gelesen

Cham

Spannung, Puderzucker und Marmelade

Süßes Teilchen mit Überraschung: Der Krapfen hat Hochsaison – Bäcker bieten Varianten

Autor: Diana Binder
Johann Kollmer muss derzeit des Öfteren nochmal Nachschub an Krapfen liefern.

Johann Kollmer muss derzeit des Öfteren nochmal Nachschub an Krapfen liefern.

Puderzucker in den Mundwinkeln, Marmelade auf der weißen Bluse - und die Kollegen freuen sich: Es ist Krapfenzeit und das süße Teilchen übernimmt die Vorherrschaft in den Chamer Bäckereien. Im Fasching drängen sich klassische Puderzuckerkrapfen neben welche mit Schokohaube und die "Neuen" mit den wildesten Füllungen. Ob in Büros oder Arztpraxen, für den Kaffeeklatsch zu Hause oder für unterwegs: Bis Aschermittwoch ist der Krapfen heiß begehrt und die Chamer Bäcker müssen mehrmals täglich Nachschub liefern.

Fritz Berg kennt den Trick: "Sie müssen Ausschau halten nach einem kleinen Löchlein. Da, wo die Marmelade rein kommt. Wenn Sie genau da abbeißen, kleckert nichts". Der ehemalige Obermeister der Bäckerinnung und Seniorchef von Schäfers Backhaus kennt die Tücken des Krapfenessens und die Wissenschaft, die dahinter steckt. Doch nicht nur die Spannung, wann man als Erstes in ein Stück mit Füllung beißt, macht das Krapfenessen zu einem Vergnügen. Schmackhaft und handlich zugleich präsentiert sich das Gebäck in den unterschiedlichsten Ausführungen: ob "abgestaubt" oder glasiert, ob mit Aprikosenmarmelade oder Vanillefüllung, mit Nougat, Erdbeerfüllung oder Schokoladentopping. Ob als "beschwipste Variante", mit Bayerisch Creme oder Pudding gefüllt: Der Krapfen kann alles. "Für ganz Hartgesottete gibt's zum Endspurt die Senf- oder Ketchupfüllung", sagt Fritz Berg und erinnert sich mit einem Schmunzeln an so manche Überraschung an einem Faschingsdienstag.

Und Action: Der Fun-Krapfen zum Selberspritzen: Tanja und Jarno Hutterer bieten in der Faschingszeit ein ausgefallenes Krapfen-Sortiment an.

Und Action: Der Fun-Krapfen zum Selberspritzen: Tanja und Jarno Hutterer bieten in der Faschingszeit ein ausgefallenes Krapfen-Sortiment an.

Krapfen: Ein Saisongebäck

Der Krapfen per se ist ein klassisches "Saisongebäck". Wenn die letzten Weihnachtsplätzchen verputzt sind, kommt die Zeit fürdas fluffige Gebäck. "An Silvester geht's los und dann werden bis Aschermittwoch Krapfen am laufenden Band ausgebacken", erzählt Johann Kollmer von der gleichnamigen Bäckerei in der Chamer Innenstadt. Da muss sogar an manchen Tagen noch Nachschub produziert werden, wenn das ganze Büro von einem netten Kollegen mit Krapfen überrascht werden soll. Meist wird der Klassiker mit Puderzucker gewünscht. Und die meisten Chamer sind sich einig: Ob "gelb" oder "rot": Hauptsache Marmelade füllt die Mitte des Gebäcks. Natürlich gibt es auch beim "Kollmer" Krapfen mit Pudding- oder Amarenafüllung. Dabei gilt die Devise: je weiter der Fasching fortschreitet, desto ausgefallener die Füllung.

Die Krapfen-Revolution


Für die ganz "wilden" Krapfenfans hat Bäcker und Konditormeister Jarno Hutterer eine kleine Krapfen-Revolution eingeläutet: Krapfen mit süßem Heftpflaster und Marmeladenspritze zum Selberfüllen, Kinder-Krapfen mit Lutscher oder Zitronen-, Eierlikör und Johannisbeerkrapfen. Der Chef der Bäckerei im Chamer Westen hat sich für die Krapfensaison 2013 einiges einfallen lassen. Mit dabei auch der "Big Hutt" - ein Riesen-Doppeldeckerkrapfen mit Kiwi, Ananas und Soße gefüllt. "Ähnlichkeiten mit bekannten Produkten bestimmter Burger-Ketten sind durchaus gewollt", sagt Hutterer. Ebenso angelehnt an den süßen Kollegen aus den USA: der Hutt Nut. Anders als der Donut ist dieser allerdings viereckig und kommt als "bavarian", "white" oder "black" daher. Und er ist alles andere als Fast Food, sondern stammt zu 100 Prozent aus dem Landkreis Cham und wird ohne Fertigmischung oder Zusatzstoffe hergestellt. Das klassische Rezept aus Mehl, Milch, Hefe, Salz, Zucker, Eiern, Butter oder Margarine brauche durchaus Zuwendung und der klassische Bäcker-Krapfen sei daher kein "Convenience-Produkt", so Hutterer.

"Und das hat auch seinen Preis", pflichtet Fritz Berg bei. Rund 95 Cent kostet ein klassischer Bäckerkrapfen. Der Preis sei für ein handwerklich korrektes Produkt gerechtfertigt - natürlich gebe es auch günstigere Varianten, aber die würden dann auch "billiger" hergestellt.

Die Chamer Kunden zahlen aber gerne den runden Euro für das süße Stück, schließlich heißt es auch hierfür bald: Am Aschermittwoch ist alles vorbei...

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