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Artikel vom 18. January 2013 07:59, 786 mal gelesen

Cham

„Ein-Euro-Säufer“

Landratsamt hält „Cashmob“ in Diskotheken für eine „sehr bedenkliche Aktion“

Autor: Wolfgang Fischer
Alkohol gehört in Diskotheken dazu. Aber "Cashmob"-Aktionen gehen den Behörden zu weit.

Alkohol gehört in Diskotheken dazu. Aber "Cashmob"-Aktionen gehen den Behörden zu weit.

"Cashmob". So nennt sich die neueste, über "Facebook" schnell Fahrt aufnehmende Werbemaschinerie. Man könnte es als mehr oder weniger originellen Gag abtun. Bedenklich wird es aber dann, wenn - wie im Fall einer Diskothek im Chamer Süden - bei einer entsprechend großen Zahl von Zusagen aus der "Facebook"-Gemeinde - harter Alkohol zu Dumpingpreisen ausgeschenkt werden soll. Genau das ist für kommenden Samstag in besagter Diskothek angekündigt.

Über 750 im (un)sozialen Netzwerk angemeldete Personen hatten bis Donnerstagnachmittag ihre Teilnahme an der Party bereits zugesagt. Wie aussagekräftig das ist, bleibe dahin gestellt, zumal sich der Zustimmende zu nichts verpflichtet. Ziel war es, mindestens 1 000 Zusagen für den "Cashmob" zu bekommen. Ab dieser Zahl sollte es den "Hauptpreis" geben: Eine Flasche Wodka und mehrere Dosen Red Bull - im Fachjargon "Vodka Boot" - für einen Euro.

Die Preistabelle gestaltet sich bei "Cashmob" stufenweise: Ab 100 Zusagen freier Eintritt bis 22 Uhr, ab 200 Zusagen kostet der Jägermeister einen Euro, ab 400 Zusagen gibts Wasser für einen Euro, ab 600 Zusagen das "Becks" für zwei Euro und ab 900 Zusagen wird Spezi für einen Euro ausgeschenkt. Sollten tatsächlich mehr als 1 500 Partygäste kommen, haben die Diskothekenbetreiber angekündigt, 500 Euro in die Tanzfläche zu werfen.

Beispiel Straßkirchen

Im Dezember hat eine Party mit demselben Titel in Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) stattgefunden. Dort hatte die Diskothek aber, wenige Tage vor dem "Event", nach einem Schreiben des Landratsamtes, eine "Kleinigkeit" geändert: Limo, Spezi und Wasser kosteten mit einem Euro weniger als Prosecco und Bier, die für 1,50 Euro über die Theke gingen. Die 0,5-Liter-Flasche Wodka war zwar tatsächlich für einen Euro zu haben, dafür aber wurde für jede der dazu gehörigen vier Dosen "Red Bull" 3,50 Euro kassiert, das "Vodka Boot" also mit 15 Euro berechnet. Die Party soll, wenn man dem Internet glauben darf, gut gelaufen sein, immerhin hatten weit über 1 000 User ihre Teilnahme zugesagt. Trotzdem hat die Diskothek keine vier Wochen später aufgrund schwacher Besucherresonanz zugesperrt.

In Cham sind die Behörden per E-Mail auf die "Cashmob"-Party aufmerksam gemacht worden. Am Donnerstag trafen sich Vertreter von Stadt, Polizei und Kreisbehörde, um zu erörtern, wie in diesem Fall verfahren werden soll. Landratsamtspressesprecher Friedrich Schuhbauer informierte über den dabei erzielten Konsens. Solche Veranstaltungen seien nicht tragbar, weil zumindest in Teilbereichen dem Alkoholmissbrauch Vorschub geleistet wird. Zumal von der "sehr bedenklichen Aktion" ganz explizit auch Jugendliche angesprochen würden. Der Landkreis sehe damit die Bemühungen von Kommunen, Verbänden und Vereinen gegen Koma- und Flatratesaufen geradezu konterkariert.

Rechtlich nicht einfach

Rechtlich allerdings stellt sich, wie Schuhbauer zugeben musste, die Sache nicht ganz so einfach dar. Deshalb wollte man, wie der Pressesprecher sagte, den Betreiber zum Einlenken bewegen, habe ihn aber gestern nicht erreicht. Ob die Abgabe einer Flasche Wodka samt "Red Bull" für einen Euro von der Konzessionsbehörde untersagt werden kann, müsse erst noch geprüft werden.

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