Artikel vom 18. January 2013 09:39, 164 mal gelesen
Furth im Wald
Mehr Akzeptanz für natürliche Geburten
Antje Igl spricht über die Hebammenpraxis „Drachenkinder“ und ihre Anliegen
Autor: Julia Adam
Das Entbindungsbett (rechts) und das Intensivbettchen (links) im Geburtshaus "Drachenkinder" von Antje Igl und Ingrid Müller.
Die Hebammen-Praxis "Drachenkinder" mit Geburtshaus in der Von-Müller-Straße gibt es schon seit insgesamt neun Jahren. Die Hebammen Ingrid Müller und Antje Igl, zusammen mit der Arzthelferin Sandra Kleber, sind das Herz des Geburtshauses. Sie betreuen werdende Mütter vor, während und nach der Geburt. Doch was genau machen die drei Frauen eigentlich, sind ihre Leistungen von der Entbindungsklinik abhängig und welche Arten gibt, es ein Kind auf die Welt zu bringen?
Aufgrund der Schließung der geburtshilflichen Abteilung im Further Krankenhaus wollten Ingrid Müller und Antje Igl vor Ort Kurse und Vorsorge für Schwangere anbieten und diese auf ihrem Weg begleiten. Die Hebammen arbeiteten dann parallel in der Praxis und dem Viechtacher Krankenhaus, doch 2011 wurde dort ebenfalls die geburtshilfliche Abteilung geschlossen. "Jetzt arbeiten wir nur noch in unserer Praxis", sagte Antje Igl.
Die Betreuung sei nicht an die Entbindung gekoppelt. Die Frauen seien nicht verpflichten, nach der Vorsorge auch im Geburtshaus ihr Kind auf die Welt zu bringen. "Es ist wichtig, dass die Mütter eine Option haben", so Igl. In der Praxis würden beide Hebammen eine Geburt betreuen. "Das ist schon ein gewisser Luxus", erklärt Antje Igl.
Die beiden Hebammen hätten rund 30 Geburten im Jahr. "Damit sind wir sehr zufrieden", spricht Igl auch für ihre Kollegin. Doch beide würden sich etwas mehr Akzeptanz für die natürlichen Geburten wünschen, denn das Thema würde immer mehr verschwinden. Viele werdende Mütter sähen nur noch das Negative daran. "Die hohe Kaiserschnittquote kommt nicht von ungefähr. Jedes dritte Kind wird mittlerweile per Kaiserschnitt geholt", weiß die Hebamme.
Mit Hilfe von Info-abenden versuchen die Frauen der Praxis die Vorurteile aus dem Weg zu räumen und aufzukären, was sie eigentlich tun. "Wir bauen eine Vertrauensbasis mit den werdenden Müttern auf, hören ihnen zu und gehen darauf ein, was die Frauen wollen", erklärt Antje Igl, worauf es den Angestellten im Geburtshaus ankommt. Müller und Igl würden die Patientinnen beraten, ohne zu sehr einzugreifen oder deren Willen zu manipulieren. "So geht Geburtshilfe", findet Antje Igl.
Trotz der Vorbereitung hätten viele Frauen bestimmte Vorstellungen oder Ängste, wie die Geburt verläuft. "Da können Entspannungsbäder, Massagen oder einfache Übungen mit einem Ball helfen. Das ist aber von Patientin zu Patientin unterschiedlich und muss individuell gestaltet werden", weiß Igl. Aber auch die Vertrauensbasis zur Hebamme würde helfen. Die Frauen müssen sich öffnen, was im bekannten Umfeld (zum Beispiel dem Geburtshaus) deutlich einfacher ginge.
Wenn es so weit ist, können die werdenden Mütter dann ihr Kind in der klassischen Rückenlage, dem Vier-Füßler-Stand, der Seitenlage oder sogar stehend (kostet aber viel Kraft) zur Welt bringen. Auch eine Wassergeburt ist in der Hebammenpraxis "Drachenkinder" möglich.
Bei dieser "harmonischen Geburtsmöglichkeit" gleiten die Babys vom Fruchtwasser in das "Badewasser", was für das Kind sehr angenehm sein kann. Die Nachsorge über bis zu acht Wochen würden ebenfalls die beiden Hebammen übernehmen. "Das gibt den Müttern immer eine gewisse Sicherheit", sagte Antje Igl.
"Wir tragen eine große Verantwortung, falls etwas passieren sollte, da niemand hinter uns steht. In der Klinik kann der Arzt hinzugezogen werden", sagte Igl. Aber die Further Hebammen würden wissen, wie weit sie gehen können. Soweit es allerdings möglich ist, befürworten sie eine natürliche Geburt. Ingrid Müller, seit 40 Jahren, und Antje Igl, seit 13 Jahren Hebamme, können mit viel Erfahrung aufwarten.
Die gute Qualität der Praxis bescheinigt auch das Qualitätsmanagement (QM), das die 26 Geburtshäuser in Deutschland, darunter auch die "Drachenkinder", führen müssen. Darin werden unter anderem Arbeitsvorgänge, die Sterilisation der Geräte, die Verlegung der Patientinnen in eine Klinik oder die Laborergebnisse dokumentiert und für 30 Jahre aufbewahrt.
Außerdem machen die drei Frauen des Geburtshauses - Ingrid Müller, Antje Igl und Sandra Kleber - viele Fortbildungen zum Beispiel zum Thema Stillen, Neugeborene, Babyschwimmen oder auch Akupunktur.
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