Beiträge 1 bis 2

Katharina schreibt aus Kenia

Autor

Beitrag

 
Gitschi
Geschlecht:   
Anmeldedatum:
27.01.2012
Beiträge: 1
Herkunft: Landshut

RE: Katharina schreibt aus Kenia


Die ganze Welt ist ein einziger großer Vergnügungspark, man kann sich sein eigenes Abenteuer bestellen. Abgefüllt und verpackt. All die gefährlichen Teile herausgenommen und weggespült. Im Nebel der Leidenschaft habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich hau ab. Ich verschwinde.ch mach mich auf die Suche nach etwas anderem: Ich weiß nicht was ich erwartet habe, es sei als wäre ich über eine verschollene Zivilisation gestolpert: Denn wenn man die Grenze nach Korogocho (so heißt Afrikas drittgrößter Slum) überschreitet , akzeptiert man Dinge, die man vorher nie für möglich gehalten hätte: Menschen über Menschen, Kinder über Kinder, Müll über Müll … Müll nur Müll, Staub über Staub, Tiere über Tiere. Das waren die ersten Eindrücke die auf mich einprasselten. Ich war endlich in Afrika angekommen. Gleich am ersten Tag habe ich die Wärme und Offenheit der Kenianer zu spüren bekommen, ganz viele Jugendliche aus den Slum sind zu meiner Unterkunft gekommen um die „Mzungu“ ( die Weiße ) zu sehen, ich schüttelte täglich mehr als 20 Hände, denn so begrüßt man sich in Kenia, immer Hände schütteln.

Kurz zu der Unterkunft: Ich wohne ca. 500m entfernt vom Slum in einem kleinen Häuschen mit Peter, der mein Praktikumsbetreuer ist, seinem Sohn, seiner Schwester und deren Freund und noch einer Praktikantin – sprich 6 Personen in einer 3 Zimmerwohnung. Gegessen wird am Boden, mit den Händen! Das war eines der besten Erlebnisse bis jetzt, endlich „legal“ mit den Händen essen! Am Tag nach meiner Ankunft wurde ich dann durch den Slum geführt, immer ein „Rudel“ an Menschen um mich herum, die mich begleiteten: Und hier war er dann auch, der Kulturschock: Menschen, so unglaublich viele Menschen, so unglaubliche viele schöne Menschen, die auf der Straße kochten und die Wäsche machten, den Müll „sortieren“ und das noch brauchbare verkauften. Plakate mit folgenden Aufschriften: „Don’t throw your Baby away!“, „Wash your hands after using the toilet“ und „Just check if you got Aids or not – for free”. Nach gut einer halben Stunde Fußmarsch durch den Slum und einer kurzen Fahrt mit dem Motorbike und Matatu (Motorbikes und Matatus = Sammeltaxi sind in Kenia die einzigen öffentlichen Verkehrsmitteln) kamen ich und meine Youngstars ( so nenn ich die Jungs mit denen ich arbeite) im Media Center an. Das Media Center ist eine Chance für Jugendliche sich kreativ auszutoben, Berichte zu schreiben, Erfahrungen im Journalistischen Bereich zu bekommen – am meisten aber- die Kidz davor zu bewahren, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen und nicht den falschen Weg einzuschlagen, (Drogen, Gangs, Alkohol etc.) denn nachdem die Jugendlichen ihr Abitur abgeschlossen haben müssen sie ca. 2 – 3 Jahre warten, bis sie erfahren, ob sie an einer Universität angenommen werden oder nicht. Ich war total überrumpelt mit der Fortschrittlichkeit des Media Center: Komplett ausgestattete Computer, Spiegel-Reflex-Kameras und Kurse über Aufklärungsjournalismus. Das Media Center ist für mich wie eine Oase im Slum, fernab von Staub, Müll, Lärm und Menschen. Das schwierigste am Anfang für mich war immer im Fokus zustehen. Aber als einzige „Weiße“ dort unten, war es ja absehbar. Die Kinder laufen mir (immernoch!) hinterher und schreien „Mzungu hawaya“ ( Weiße, wie geht es dir?!), wollen mich anfassen und testen, ob meine Haut wirklich weiß ist. Noch immer wünsche ich mir meine Augen wären eine Videokamera, die all das, was ich sehe, festhalten, und nicht nur die Augen werden 24/7 genutzt sondern auch auf der Zunge leckt sich ein sonderbarer Geschmack von Müll und Staub ab.
Folgeberichte kommen noch


16.04.2012 22:30Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Moderator
Geschlecht:    
Anmeldedatum:
01.01.2000
Beiträge: 358
Herkunft: Straubing

Katharina schreibt aus Kenia


Katharina Wargitsch verlagert ab Januar 2012 für sechs Monate ihre Heimat vom niederbayerischen Landshut nach Kenia. Dort macht sie ein Praktikum bei einer Redaktion, die Kindern und Jugendlichen in den Slums hilft und über ihre Arbeit schreibt.

26.01.2012 11:50Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
Beiträge 1 bis 2
RSS | Impressum | Mediadaten
© 2012 Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung