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Artikel vom 05. Juli 2012 10:00, 673 mal gelesen

Freilich?!

Jeder kann singen

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Singen macht gute Laune. Doch wie funktioniert eigentlich Singen? Warum kommen aus dem Menschen Töne heraus, bei dem einen gekonnter als bei dem anderen? Freistunde hat bei Magdalena Hinterdobler nachgefragt. Die 25-Jährige singt seit sie denken kann und studiert seit fünf Jahren Gesang an der Hochschule für Musik in München. Sie sagt: "Jeder kann singen." Wieso es bei manchen besser klingt als bei anderen hat vor allem mit viel Training zu tun. Und zwar nicht nur mit Training der Stimme, sondern vor allem auch mit dem Training des Gehörs.

Doch wo kommt der Ton überhaupt her? Gebildet wird er im Hals mit den Stimmbändern. Die sitzen am Kehlkopf und verhindern eigentlich, dass Nahrung in die Luftröhre fällt. Doch sie haben einen äußerst angenehmen Nebeneffekt: Durch sie kann der Mensch sprechen, flüstern, schreien - und singen. Beim Kehlkopf fängt alles an, sagt Magdalena. Dort entsteht der Ton, indem verschiedene Knorpel und Muskeln zusammenspielen. Die Muskeln ziehen das Stimmband lang, je länger es ist, desto tiefer wird der Ton. Anfangs ist er jedoch nur ein tonloses Rauschen oder ein raues, schnarrendes Geräusch. Das hat man durch Messungen mit Mikrofonen direkt am Kehlkopf festgestellt. Zum Klang wird das Rauschen erst durch das sogenannte Ansatzrohr. "Das ist der Bereich vom Kehlkopf bis zu den Lippen", sagt Magdalena. Man muss es sich so vorstellen: Der Kopf und alle seine Hohlräume wie die Nasennebenhöhlen, der komplette Mundraum und die Kiefernhöhlen wirken als Resonanzraum - in ihnen schwingt der Ton. Doch woher weiß der Mensch überhaupt, welchen Ton er erzeugt? "Das ist das Faszinierende daran", sagt Magdalena.

Menschen stellen sich nämlich einen Ton vor - das Gehirn sagt dann den Muskeln, wie sie die Stimmbänder bewegen müssen, wie die Knorpel arbeiten müssen, damit der richtige Ton herauskommt. "Beim Stimmbruch zum Beispiel kommt zwar die richtige Information vom Gehirn zu den Stimmbändern - die können es aber nicht richtig umsetzen." Oft liegt es am Gehör, wenn Menschen falsch singen, sagt Magdalena. Hier geht es darum, das Gehör zu schulen, viel zu hören, viel nachzusingen.

Übung macht den Meister

Zum Beispiel kann man sich an ein Instrument setzen, einen Ton spielen und dann nachsingen - bis er passt. Intervalle, also Tonabstände, immer wieder üben, kann auch helfen - bis man sie einwandfrei nachsingen kann. Wer einen Hauch auf seiner Stimme bemerkt, also ein Rauschen, kann das auch wegtrainieren. In dem Fall kommt einfach zu viel Luft bei der Erzeugung des Tones mit. "Singen ist harte Arbeit, wie Sport. Wer da mehr trainiert, kann auch mehr", meint Magdalena. Sie muss auf viel verzichten, seit sie professionell singt: Rauchen sowieso, auch kein Alkohol, weil der der Stimme schadet und sie austrocknet. Kalte Getränke sind tabu, sehr viele Milchprodukte auch, "weil die die Stimme verschleimen." Orangensaft ist wegen der Säure vom Speiseplan gestrichen, genauso Zitrusfrüchte am Abend. Dafür sollten Hochleistungssänger viel schlafen. "Das klingt immer divenhaft, aber es ist leider so. Die Stimme verlangt einfach danach", sagt Magdalena und lacht. Natürlich werde das auf Dauer auch besser, man werde robuster. Magdalena studiert auf Operngesang. Ihre Gesangstechnik unterscheidet sich völlig von der, die Pop-, Rock- und Musicalsänger anwenden. Sie machen das sogenannte "Belting". "Vor allem bei Frauen wirkt sich das aus", sagt Magdalena. Beispiele für Belting findet man zum Beispiel bei Celine Dion, Rihanna und Christina Aguilera.

Brust- und Kopfstimme

Es gibt zwei verschiedene Arten von Stimmen: Die Brust- und die Kopfstimme. Das kann jeder selbst ausprobieren, wenn er eine Tonleiter singt. Irgendwann merkt man einen Wechsel im Halsbereich auf die Kopfstimme. Die Bruststimme wirkt oft sehr dominant, die Kopfstimme natürlicher. Männer singen von Haus aus mehr mit Bruststimme, Popsängerinnen - zum Beispiel Whitney Houston - haben es sich antrainiert, mit der Bruststimme auch in mittleren Lagen kraftvoll singen zu können.

Sängerinnen, die das Belting gut können, erreichen auch ohne Mikrofon eine Lautstärke wie beim klassischen Gesang in der Oper. Beim Belting ist jedoch oft sehr viel Druck und Kraft dahinter - Opernsängerinnen trainieren, ohne großen Druck und mit guter Technik drei Oktaven mit der Kopfstimme singen zu können. "Es dauert lang, bis man alles so im Griff hat, dass die Spannungsverhältnisse im Körper so funktionieren, wie man es will", sagt Magdalena. Die Luft im Körper will manchmal nicht so, wie man selber, die Muskeln spielen ebenfalls nicht immer mit. "Wenn zum Beispiel bei ,Deutschland sucht den Superstar' erzählt wird, dass ein paar Gesangsstunden reichen, um gut singen zu können - dann ist das falsch. Man muss täglich ran, wenn man besser werden will."

von Claudia Hagn


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